Feinstaubalarm in Stuttgart

Fonds für Diesel-Nachrüstung diskutiert Autobauer vor Milliardenkosten?

Stand: 09.04.2018, 09:16 Uhr

Den deutschen Herstellern könnte die Diesel-Problematik doch noch deutlich auf die Bilanz schlagen. Laut einem Medienbericht erwägt die Bundesregierung, einen milliardenschweren Fonds zur Nachrüstung von Dieselfahrzeugen aufzulegen - das Geld soll von den Herstellern kommen.

Zumindest will dies der "Spiegel" erfahren haben. Laut dem Magazin prüft die Regierungskoalition, ob die Konzerne fünf Milliarden Euro in einen Fonds einzahlen könnten, in den die Regierung weitere Mittel zuschießen könnte. Die Aktien der Auto-Konzerne im Dax werden am Montag im frühen Handel an der Frankfurter Börse zunächst schwächer als der Gesamtmarkt gehandelt.

Nachrüsten für bestimmte Modelle und Regionen

Laut dem Bericht sollen mit den Mitteln aus dem Fonds zunächst Autos nachgerüstet werden, für die es bereits Nachrüst-Sets gibt. Dies seien auch jene Modelle, die auch in die USA exportiert werden sollen. Eine Nachrüstung werde außerdem zunächst vor allem für Regionen geplant, für die es am wahrscheinlichsten Fahrverbote geben könnte. Genannt werden hier Stuttgart, München und das Rhein-Main-Gebiet.

Von Seiten der Politiker gab es am Montagmorgen noch keine konkreten Aussagen dazu. Das Bundesfinanzministerium ließ verlauten, es bestehe Einigkeit in der Bundesregierung, dass zusätzliches Geld "zunächst nur für die im Koalitionsvertrag definierten prioritären Maßnahmen einzuplanen" sei und: "Das in der Berichterstattung genannte Programm gehört nicht zu diesen prioritären Maßnahmen und ist im Bundesministerium der Finanzen nicht bekannt."

Klausurtagung mit Diesel-Thema

Die große Koalition trifft sich an diesem Dienstag und Mittwoch im Gästehaus der Bundesregierung im Schloss Meseberg in Brandenburg zu ihrer ersten Klausur. Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums betonte: "Wir brauchen die technische Nachrüstung älterer Diesel-Pkw. Nur so wird die Luftqualität in den Städten besser und nur so lassen sich Fahrverbote vermeiden und der Wertverlust der Diesel stoppen. Das umzusetzen, ist Aufgabe des Bundesverkehrsministeriums."

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VW-Konzerne verdienen prächtig

Die deutschen Autokonzerne hatten trotz der Diesel-Affäre zuletzt prächtige Geschäftszahlen vorgelegt. VW etwa hatte sein operatives Ergebnis 2017 auf 13,8 Milliarden Euro fast verdoppelt und einen Umsatzrekord im vergangenen Jahr erreicht. Anfang April hatte auch der Daimler-Konzern einen Rekordgewinn gemeldet, sich für das laufende Jahr allerdings zunächst in Vorsicht geübt. Die Kosten für die Erforschung der Elektromobilität belasten hier im laufenden Jahr möglicherweise die Gewinnausbeute.

Auch die Kurse der Konzerne haben sich in den vergangenen Monaten von den Tiefständen des vergangenen Jahres wieder gut erholt. Die VW-Vorzugsaktie verbucht auf Jahressicht ein Plus von 24 Prozent, der Dax hat im gleich Zeitraum, nichts hinzu gewinnen.

AB