Fahnen mit Logo vor der BMW-Zentrale in München
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EU-Kommission ermittelt Autobauer: Drohende Milliardenstrafen vermiesen die Stimmung

Stand: 08.04.2019, 09:19 Uhr

Die Kartellvorwürfe der EU könnten Spuren in der Bilanz von BMW hinterlassen. Auch die Aktie reagiert. Die Anleger nehmen das Thema durchaus ernst, aber es gibt auch einen anderen Grund für die Kurseinbußen.

Die Titel von BMW büßen mehr als ein Prozent ein, die Aktien von VW und Daimler verlieren zunächst stärker als der Markt, halten sich aber deutlich besser als der Konkurrent aus Bayern. Allerdings sind die Aktien der Autobauer zuletzt auch relativ gut gelaufen, sodass einige Investoren die Neuigkeiten von der EU-Kommission zum Anlass nehmen, um Gewinne einzustreichen.     

Die EU-Kommission verdächtigt BMW, Daimler und Volkswagen, Wettbewerb bei der Verringerung von Abgasen durch Absprachen vermieden zu haben. Die Unternehmen hätten den Innovationswettbewerb in Europa bei den beiden Abgasreinigungssystemen eingeschränkt und den Verbrauchern somit die Möglichkeit verwehrt, umweltfreundlichere Fahrzeuge zu kaufen - obwohl sie über die entsprechende Technologie verfügten, teilten die Wettbewerbshüter weiter mit. Sollte sich der Verdacht endgültig bestätigen, wäre es ein Verstoß gegen europäisches Kartellrecht - auch wenn es sich nicht um Preisabsprachen handele.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
144,82
Differenz relativ
-1,58%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
64,81
Differenz relativ
-2,04%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
52,02
Differenz relativ
-2,51%

Die Autobauer verteidigen sich

BMW kündigte an, sich gegen die Vorwürfe der EU-Kommission „wenn erforderlich mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr zu setzen“. Zuvor hatte das Unternehmen bereits wiederholt die Vorwürfe zurückgewiesen. Es habe keine Preis- oder Gebietsabsprachen zu Lasten von Kunden oder Lieferanten gegeben.

VW wollte die Entscheidung analysieren. Nach Konzern-Einschätzung erkennt die Kommission jedoch „grundsätzlich an, dass Kooperationen zwischen Herstellern zu technischen Fragen in der Automobilindustrie weltweit üblich sind“. Das Unternehmen erklärte weiter, dass es sich bei den Vorwürfen um eine Zusammenarbeit in technischen Fragen gehandelt habe - und kein Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal mit Millionen manipulierter Dieselmotoren bestehe.

Daimler rechnet trotz der Vorwürfe nicht damit, ein Bußgeld zahlen zu müssen. „Daimler hat frühzeitig und umfassend mit der Europäischen Kommission als Kronzeuge kooperiert und erwartet in dieser Sache deshalb kein Bußgeld“, teilte der Autobauer mit.

Harald Krüger, Vorstandsvorsitzender BMW

BMW-Chef Harald Krüger. | Bildquelle: Unternehmen

Milliardenrückstellung: sicher ist sicher

BMW hatte bereits mitgeteilt, dass man für die drohende Strafe im EU-Kartellverfahren eine Rückstellung in Höhe von voraussichtlich über eine Milliarde Euro bilden werde. Die Ebit-Marge des Segments Automobile werde für das laufende Geschäftsjahr daher nun voraussichtlich 1 bis 1,5 Prozentpunkte unter dem bisherigen Korridor von 6 bis 8 Prozent liegen.

Erste Analysten reagieren: Die US-Bank JPMorgan hat das Kursziel für BMW deshalb von 65 auf 60 Euro gesenkt und die Einstufung auf „Underweight“ belassen. Da der Autokonzern wegen des Verfahrens eine Rückstellung von einer Milliarde Euro bilde, habe er seine Gewinnprognosen für 2019 um 14 Prozent reduziert, schrieb Analyst Jose Asumendi. Die Untersuchung der EU-Kommission dürfte sich auch auf die Liquiditätslage und die Dividendenzahlung im kommenden Jahr negativ auswirken.

Auch die Experten der Société Générale senken das Kursziel, sie unterstreichen aber, dass sie die Rückstellung nicht als Schuldeingeständnis werten. Die Bilanzierungsvorgaben (IFRS) machten die Rückstellungen in diesem Fall erforderlich, schrieb Analyst Stephen Reitman. 

ts