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Viele Jobs werden wegfallen Renault-Nissan: Das wird schmerzhaft

Stand: 27.05.2020, 11:51 Uhr

Seit der Verhaftung seines einstigen Chefs Carlos Ghosn ist der französische Autokonzern in eine tiefe Krise gerutscht. Nun greift wieder einmal der Staat ein und versucht zu retten, was zu retten ist. Doch dem Autobauer und seinem Partner Nissan stehen schmerzhafte Einschnitte bevor.

Der vor gut einem Jahr vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron an die Spitze von Renault entsandte Manager Jean-Dominique Senard kündigte am Morgen an, die Kosten für künftige Autos um 40 Prozent senken zu wollen.

Wie das gehen soll und welche Auswirkungen ein solcher Sparplan auf die Beschäftigten haben wird, sagte der frühere Michelin-Chef nicht. Wie die Zeitung "Le Figaro" berichtet, sollen bei Renault 5.000 Arbeitsplätze wegfallen. Damit würde der Autobauer mehr als zehn Prozent seiner 48.000 Stellen in Frankreich streichen.

Auch Nissan geht es nicht gut - am Donnerstag wird der Konzern seine Jahresbilanz vorlegen, und die dürfte düster aussehen. Nissan teilte bereits im vergangenen Sommer mit, dass 12.500 der rund 140.000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Nach einem unbestätigten japanischen Medienbericht sind sogar 20.000 Jobs gefährdet.

Politiker entscheiden

Frankreichs Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat freilich bereits angekündigt, dass das in die Jahre gekommene Renault-Werk in Flins nordwestlich von Paris nicht geschlossen werden darf, weil die Regierung sonst ähnliche Unruhen und Ausschreitungen befürchtet als seinerzeit bei der Schließung des Citroen-Werkes in Aulnay nordöstlich bei Paris.

Wie so oft in Frankreich entscheidet also weniger das Management als die Politik über die richtige Strategie eines Unternehmens, ganz so als ob Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier VW vorschreiben würde, welches Werk geschlossen werden darf und welches nicht.

Folglich bleibt unklar, wieviele Arbeitsplätze die neuen Sparpläne bei Renault tatsächlich wegfallen werden. Senard kündigte lediglich an, dass sich das große Bündnis von der noch von Ghosn entschiedenen Expansionsstrategie verabschiedet. Noch in dieser Woche sollen erste Umstrukturierungspläne veröffentlicht werden.

Tiefes Zerwürfnis

Ghosn hatte die Allianz mit Nissan und Mitsubishi geschmiedet und auf hohe Absatzzahlen getrimmt. Ziel war es, bis 2022 der größte Automobilhersteller der Welt zu werden. Renault gehörte zuletzt mit mehr als 10,6 Millionen verkauften Fahrzeugen zur Weltspitze.

Die Expansion schien also aufzugehen - bis die Japaner die Reißleine zogen und Ghosn im November 2018 verhafteten - offiziell wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung. In Wahrheit befürchteten sie wohl eine schleichende Übernahme von Nissan. Auch war ihnen das expansionistische Gehabe Ghosns zuwider. Der hatte sich wiederholt für eine vollständige Fusion eingesetzt, die Nissan vehement ablehnte. Vorangegangen waren jahrelange Streitigkeiten über Kostenteilung und Kapitalstrukturen.

Carlos Ghosn

Carlos Ghosn. | Bildquelle: picture alliance/Yusuke Morishita/Jiji Press/dpa

Die Festnahme und die anschließende Flucht des umstrittenen Managers in den Libanon waren der Höhepunkt des Zerwürfnisses zwischen drei kulturell so unterschiedlicher Unternehmen. Bereits im vergangenen Jahr war Renault erstmals seit zehn Jahren in die roten Zahlen gerutscht. Dann kam Corona, wodurch die Umsätze von Renault im April um 90 Prozent eingebrochen sind. Nun versuchen Politiker und Manager zu retten was zu retten ist. Schlimmer noch: nach Aussagen von Le Maire kämpft Renault ums Überleben.

Renault soll E-Autos bauen

Der französische Staat, der bereits 15 Prozent an Renault hält, wird nun eine noch aktivere Rolle in dem Unternehmen spielen als zuvor, denn die Regierung hat Renault eine Kreditbürgschaft über fünf Milliarden Euro zugesagt. Im Gegenzug forderte Macron Renault auf, künftig vorwiegend in Elektrofahrzeuge, fortschrittliche Batterien und andere Technologien zu investieren, um Arbeitsplätze in Frankreich zu sichern.

Ungelöst bleibt die Stellung von Daimler in dem Bündnis. Die Stuttgarter waren 2010 der französisch-japanischen Allianz beigetreten in der Hoffnung bei der Entwicklung von Kleintransportern, Pick-up-Trucks und Motoren Kosten einzusparen. Die Zahl der gemeinsamen Projekte hält sich aber in Grenzen.

Für Gesprächsbedarf sorgen auch die ungleichen Eigentumsverhältnisse: Renault hält 43 Prozent an Nissan, umgekehrt Nissan aber nur 15 Prozent an Renault - und das ohne Stimmrechte. Jean-Dominique Senard betonte Anfang des Jahres, dass die Autohersteller "keine andere Möglichkeit" hätten, als die Zusammenarbeit zu vertiefen. Doch hochrangige Insider des Bündnisses sagten, dass alle Gespräche über eine ausgewachsene Fusion vorerst auf Eis gelegt sind.

lg