Mercedes-Benz-Pkw stehen auf dem Autoterminal der BLG Logistics Group für den Export
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Autoaktien unter Druck US-Strafzölle: Milliardenverluste für Autobauer

Stand: 18.02.2019, 10:59 Uhr

Die möglichen Strafzölle könnten die deutschen Autoexporte in die USA langfristig halbieren. VW, Daimler, BMW & Co. drohen damit Verluste in Milliardenhöhe. Das belastet die Autoaktien.

Noch immer ist die USA der wichtigste Einzelmarkt für deutsche Exporteure. In die Vereinigten Staaten gingen im vergangenen Jahr laut Zahlen des Statistischen Bundesamts Waren "Made in Germany" im Gesamtwert von 113,5 Milliarden Euro und damit 1,5 Prozent mehr als 2017. Vor allem Maschinen und Kraftfahrzeuge sind im Ausland gefragt.

Sollten die USA die Importzölle wie angekündigt dauerhaft um 25 Prozent erhöhen, könnten sich die deutschen Autoexporte in die USA langfristig fast halbieren, meint das Münchner ifo Institut. Das würde sich auch spürbar auf die Ausfuhren insgesamt auswirken: "Diese Zölle würden die gesamten Auto-Exporte aus Deutschland um 7,7 Prozent verringern, was einem Wert von 18,4 Milliarden Euro entspräche", sagt ifo-Experte Gabriel Felbermayr.

Sind die deutschen Autobauer eine Gefahr für die USA?

Auch nach Ablauf der Frist für einen offiziellen Bericht zu den möglichen Strafzöllen auf europäische Autos gibt es jedoch noch immer keine offizielle Positionierung der US-Regierung. Bis Sonntag sollte das US-Handelsministerium eigentlich eine Einschätzung dazu vorlegen, ob der Import von Autos und Zulieferteilen die nationale Sicherheit des Landes beeinträchtigt.

Kanzlerin Angela Merkel hatte am Wochenende kritisiert, das Ministerium sei offensichtlich zu diesem Schluss gekommen, was erschreckend sei. Vertritt das Handels-Ressort tatsächlich diese Sicht, könnte US-Präsident Donald Trump binnen 90 Tagen darüber befinden, ob er Sonderzölle erheben will. Er will damit das amerikanische Handelsdefizit abbauen und Jobs in den USA schaffen.

Der Branchenverband VDA bezeichnet die Überlegungen als "nicht nachvollziehbar". 2018 seien etwa 118.000 Mitarbeiter in den rund 300 US-Fabriken der deutschen Hersteller beschäftigt gewesen, rund 8.000 mehr als ein Jahr zuvor. "Während wir 2018 rund 750.000 Fahrzeuge in den deutschen US-Werken produziert haben, wurden nur 470.000 Neuwagen aus Deutschland in die USA exportiert." Das alles stärke die USA und sei kein Sicherheitsproblem.

Verluste in Milliardenhöhe

BMW, Daimler, Audi, Porsche, VW

Deutsche Autobauer. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Trotz der hohen Investitionen in den USA exportieren die deutschen Autobauer aber immer noch einen erheblichen Anteil aus Deutschland - mit einem geringen Einfuhrzoll von 2,5 Prozent. Dabei spielen besonders Premiumhersteller wie Mercedes, BMW, Audi und Porsche eine große Rolle. 2018 lieferten sie rund 600.000 Stück ihrer Spitzenmodelle in die Vereinigten Staaten aus und damit rund zehn Prozent der deutschen Produktion.

Die Strafzölle würden die Hersteller empfindlich treffen und Absatz sowie Marge einbrechen lassen. Vor allem die VW-Töchter Audi und Porsche sollten alarmiert sein, da sie keine US-Werke besitzen.

Volkswagen würde nach Angaben der Marktforscher von ISI Evercore jährlich auf einem Verlust von 2,3 Milliarden Euro sitzen. Daimler und BMW müssten mit Belastungen von 1,7 bis zwei Milliarden Euro rechnen.

Investitionen sollen US-Regierung überzeugen

Erst im Dezember waren die deutschen Autobosse mit der Zuversicht ins Weiße Haus nach Washington geflogen, den Konflikt zu lösen. Bei einem Treffen mit dem US-Handelsminister Wilbur Ross stellten sie zusätzliche Investitionen in den USA in Aussicht.

BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina USA

BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina. | Bildquelle: Unternehmen

So will VW ein Werk für Elektroautos aufbauen. Daimler und BMW kündigten an, mehr Komponenten wie Motoren und Getriebe vor Ort herzustellen sowie ihre Stückzahlen anzuheben. Allein BMW hat das Ziel, seine Produktion in South Carolina von 380.000 auf 450.000 Autos pro Jahr steigern. Ob Trump das überzeugt, wird sich zeigen.

Autoaktien schwächeln

Die Furcht vor den drohenden Zöllen belastet auch die Anleger. Die zahlreichen Autowerte waren am Montag zunächst die größten Verlierer im Dax. Sie starteten schwach, erholten sich zum Teil im frühen Handel allerdings etwas.

Das VW-Papier liegt zur Stunde mit 1,4 Prozent im Minus und auch die Daimler-Aktie rutscht um knapp ein Prozent nach unten. Der Titel von BMW verliert derzeit um 0,5 Prozent.

tb