Frau mit Fernglas

Wochenausblick Zahlenflut und Euro bestimmen die Richtung

Stand: 30.07.2017, 11:00 Uhr

Auch in der neuen Woche steht der Dax im Bann der Zahlenflut aus den Unternehmen. Ängstliche Blicke dürften Anleger zudem auf den Euro werfen. Was das für den Dax bedeutet, lässt sich nur schwer vorhersehen.

Selten waren die Marktexperten so gespalten wie in diesen Tagen. So warnt etwa Heino Ruland von Ruland Research trotz der zuletzt rückläufigen Aktienindizes vor überzogenem Pessimismus. "Fundamental ist alles in Ordnung." Die Konjunktur laufe rund. Außerdem gehe er davon aus, dass der Euro-Kurs mit etwa 1,17 Dollar seinen Höhepunkt vorläufig erreicht habe.

Zu einer ähnlichen Analyse kommt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Mit dem immer stärkeren Euro, aber auch mit einigen enttäuschenden Unternehmensergebnissen und nicht zuletzt mit der skandalumwitterten deutschen Autoindustrie sei der Dax in der Vorwoche unter Druck geraten. "Jedoch bleibt das konjunkturelle Umfeld gut, die Liquidität hoch und renditeträchtige Alternativen zur Aktienanlage rar. Zudem liegt bei gut 11.800 Punkten eine wichtige charttechnische Unterstützung. Daher spricht einiges dafür, dass der Großteil der Dax-Korrektur vorüber ist".

Euro weniger wichtig als früher

Andere Experten verweisen darauf, dass der Wechselkurs des Euro längst seine Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verloren habe, gehen doch 60 Prozent der Exporte in die Euroländer. Auch sei es deutschen Unternehmen mühelos gelungen selbst mit Eurokursen von 1,40 Dollar (wie vor drei Jahren) klar zu kommen.

Dax

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Deutlich pssimistischer blickt dagegen Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank auf die Wechselkurse. Er sagt eine weitere Aufwertung des Euro voraus. Grund für die aktuelle Dollar-Schwäche seien die unklaren Aussichten für die US-Geldpolitik. Gleichzeitig schwänden wegen der Russland-Affäre des Präsidenten Donald Trump die Hoffnungen auf eine baldige Umsetzung seiner Konjunktur- und Steuersenkungspläne.

US-Arbeitsmarktzahlen

Neuen Schwung in die Devisenkurse könnten am Freitag die monatlichen US-Arbeitsmarktbericht bringen. Nachdem die Fed in der vergangenen Woche Zweifel an einer weiteren Zinserhöhung vor Jahresende weckte, erhoffen sich die Anleger von den Daten mehr Klarheit über die künfrige Geldpolitik der Amerikaner.

Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Zahlen liefern am Mittwoch die Daten der privaten Arbeitsagentur ADP. Gespannt warten Anleger zudem auf die Daten zu den US-Einkommen und die Ausgaben der Verbraucher am Dienstag. Der private Konsum ist die mit Abstand größte Sütze der dortigen Volkswirtschaft.

Bilanzssaison auf Hochtouren

Für Bewegung am Markt werden auch wieder die Bilanzzahlen sorgen. In der neuen Woche öffnet etwa die Hälfte der 30 Dax-Unternehmen die Bücher. Zu dieser Gruppe gehören Siemens und BMW (jeweils Donnerstag). Bei dem bayerischen Autobauer wird das Zwischenergebnis allerdings wie bei den Konkurrenten Daimler und Volkswagen von der Diesel-Krise und den Kartell-Vorwürfen überschattet. Hinzu kommen die Zahlen zahlreicher Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe.

Aus dem Ausland geben unter anderem die Großbrauerei Heineken (Montag) und der Elektronik-Anbieter Apple (Dienstag) Geschäftszahlen bekannt. Es bleibt also spannend an den Aktienmärkten.

lg