Aktienanlage

 Rendite von Aktien, Anleihen und Misch-Portfolio 1950-2013

Je länger, desto besser Auf den Anlagehorizont kommt es an

Stand: 11.12.2014, 15:25 Uhr

Trotz Nullzinsen wollen die meisten Deutschen von Aktien nach wie vor nichts wissen, haben viele Anfang des Jahrtausends doch eine Menge Geld verloren. Auf lange Sicht erweisen sich Aktien dennoch als unschlagbar.

Berechnungen des Deutschen Aktieninstiuts (DAI) zeigen, dass ein Anleger zwischen 1964 und 2013 mit den 30 Dax-Werten ausnahmslos eine positive Rendite erzielen konnte, sobald er die Papiere mehr als 14 Jahre hielt. Dagegen zeigen sich auf Sicht von fünf bis zehn Jahren auch Rückgänge, etwa unter Einbeziehung der Crashjahre 2000 und 2007.

In den meisten Fällen jedoch haben Anleger mit der Strategie des sturen Haltens, auch über zwei Crashs hinweg, gute Renditen erzielen können: Wer beispielsweise 1994 Dax-Papiere gekauft und 14 Jahre später, mitten im Crash 2008, wieder verkauft hat, konnte immer noch eine jährliche Rendite von 6,1 Prozent einfahren.

Höhere Renditen als Anleihen

Für den Zeitraum der letzten 60 Jahre ermittelte das DAI trotz der zwischenzeitlichen Einbrüche sogar eine durchschnittliche Rendite mit Aktienanlagen von 11,3 Prozent. Bei einem 20-jährigen Anlagehorizont lagen die Ergebnisse nie unter 5,3 Prozent pro Jahr, so die Berechnungen des DAI. Dabei lagen die Renditen von Aktien im Schnitt um vier Prozentpunkte über den Anleihezinsen.

Zu ähnlichen Ergebnissen sind auch die Vermögensverwalter der US-Bank JPMorgan gelangt. Sie haben die Entwicklung verschiedener Depots (eines bestückt nur mit Aktien, ein anderes mit Anleihen und ein Drittes mit 50 Prozent Anleihen und 50 Prozent Aktien) miteinander verglichen und herausgefunden, dass seit 1950 und ab einem Anlagezeitraum von 20 Jahren und mehr Aktiendepots die höchsten Renditen abwerfen. Selbst im schlechtesten Zeitraum ergibt sich noch eine jährliche Durchschnittsrendite von sechs Prozent. Im besten Fall wäre sogar eine Rendite von 18 Prozent pro Jahr möglich gewesen (siehe die Grafik oben).

Time schlägt Timing

Und noch etwas haben die Experten herausgefunden: Time schlägt Timing. Übersetzt bedeutet das, dass es langfristig unerheblich ist, zu welchem Zeitpunkt ein Anleger einsteigt. Denn das richtige Timing gelingt ohnehin niemandem, weder einer Bank noch einem Privatanleger. Wer sich langfristig engagieren will, kann deshalb jederzeit einsteigen - auch nach einer langen Aufwärtsbewegung.

Statt auf Einzeltitel zu setzen, empfehlen die meisten Wissenschaftler und Verbraucherschützer allerdings den Kauf von passiven Titeln, allen voran Indexfonds. Sie bilden exakt die Entwicklung des Gesamtmarktes ab und sind im Schnitt weniger volatil als Einzelwerte.

lg

Alle Kommentare (5)

Kommentar von "Gerrit Bakker" am 12.12.2014, 11:39 Uhr

@chris2008, deswegen steht im letzten Satz des Artikels ja auch, dass man Indexfonds kaufen soll. Da fallen die schwachen Aktien irgendwann definitionsgemäß und ohne menschliche Emotionen heraus. Und der DAX stand bekanntlich diesen Monat auf einem All-Zeit-Hoch, unabhängig von denen von Ihnen erwähnten Werten.

Kommentar von "chris2008" am 12.12.2014, 10:00 Uhr

Vermutlich muss die Börsenredaktion ja solche Beiträge schreiben. Der Rat ist hingegen sehr schlecht: Zwar kann man mit Aktien über längere Zeiträume Gewinne machen, sicher ist das aber nicht. Hier Beispiele, für welche Aktien ab Einstiegsdatum "(yyyy)" zum heutigen Zeitpunkt teils erhebliche Verluste produziert wurden: Allianz (1997), Commerzbank (1995), Daimler (1999), Dt. Bank (1995), E.ON (1998), Infineon (2000), Telekom (1997), Karstadt (1950), Metro (1996), MüRe (1998), RWE (1998), aber jede Menge MDAX- und frühere TecDAX-Titel. Das sind sehr viele Beispiele. Ich verstehe somit überhaupt nicht, warum man die Masse, die nur begrenzt Zeit hat, das Depot zu überwachen, zum Aktienkauf animieren will. Hier gibt die Börsenredaktion wahrlich einen schlechten Rat. Aktieninvestitionen insbesondere durch Kleinanleger sind Lotteriespiel, nur mit etwas geringer Wahrscheinlichkeit des Verlsutes des Einsatzes und i.d.R. viel kleineren Gewinnen.

Kommentar von "Holt" am 11.12.2014, 19:50 Uhr

@Klaus Becker, wieso müssen denn alle Aktien beim Renteneintritt veräußert werden? Die richtigen Aktien werfen auch Dividenden ab, die braucht man allenfalls schrittweise abzustoßen, etwa wenn sie mal wirklich gut stehen oder Not am Mann ist. Aktien kann man dann auch der Frau und den Kindern vererben, hätte Urgroßvater 1850 auch mal machen sollen. @User, da keiner mehrere Jahrhunderte lebt, ist es egal was in 60 und mehr Jahren sein wird und Probleme wie Herausforderungen gab es auch in der Vergangenheit genug. Große Unternehmen sind global genug aufgestellt um auch vom Wachstum in anderen Regionen zu profitieren und da gibt es noch genug mit reichlich Wachstumspotential. Zum Thema: Timing ist nie ganz egal und die Auswahl auch nicht, aber Stock Picking ist besser als teure Fonds, heben doch nur 1/3 der Aktien des DAX diesen auch auf Dauer, man kauft also mit einem DAX ETF einen Korb mit 2/3 faulen Äpfeln.

Kommentar von "Klaus Becker" am 11.12.2014, 17:51 Uhr

Will man wissen ob es um Wirtschaft geht oder um anderes, sollte man beachten ob Zahlungen stattfinden - so der Soziologe N. Luhmann. Dazu ergänzend: wenn man Wirtschaft von Religion unterscheiden will, sollte man darauf achten ob irgendwo das Wort "langfristig" steht. Es wäre wirklich mehr als ein Missgeschick, wenn nach Rentenantritt das Aktienportfolio gerade einen Bärenmarkt erlebt. Deshalb ist timing sehr wichtig. Die Kunst besteht darin den eigenen relevanten Zeithorizont zu finden. Mit Blick auf überlebende Ehegattinnen und erbende Kinder eine nicht ganz einfache Aufgabe. 2008 konnte man insbesondere feststellen, dass einige Unternehmen nicht von 1994 mehr im Index waren. "Auf lange Sicht" sind wir alle tot. Statistische Spekulationen wie "was wäre wenn mein Urgrossvater 1850 ..." sind für aktuelle Anlageentscheidungen nicht hilfreich weil völlig beliebig. Übrigens konnte man dieses Jahr wieder ganz prächtig mit Anleihen verdienen - mit den richtigen jedenfalls.

Kommentar von "User" am 11.12.2014, 17:07 Uhr

Die Daten beziehen sich auf vergangene Werte. Wer sagt denn, dass ein ständiges wirtschaftliches Wachstum in den nächsten Jahrzehnten noch vollzogen wird? Wir betrachten hier nur einen sehr kleinen Zeitraum. Es wird in dem Artikel über Zeithorizonte gesprochen. Wir sollten für eine vernünftige Betrachtung den Zeithorizont maßiv erweitern. Was sind schon 60 Jahre? Häufig beziehen sich Menschen immer nur auf Erfahrungen in ihrem Leben und auf die der letzten Generationen die mündlich weitergetragen wurden. Was ist aber mit den ganzen Jahrhunderten davor? Eins ist sicher, wir wissen nicht was die Zukunft bringt. Es gibt viele Anzeichen, dass unser System immer anfälliger wird. Stichwörter: Rohstoffknappheit, Klimaerwärmung, Demographiewandel, Flüchlingsströme. Wie wäre es mit einer Analyse von Analagewerten über mehrere Jahrhunderte? Wie wäre wohl da das Ergebnis? Da würde selbst die Immobilie, welches in Deutschland auch als Betongold bezeichnet wird, wohl häufig zum Totalverlust.

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