Blick auf Bucht und Meer

Hoffnung auf Ende des Handelsstreits Auf dem Weg zu neuen Jahreshochs?

Stand: 24.02.2019, 13:39 Uhr

Was für ein Jahresauftakt! Seit Anfang Januar hat der Dax gut neun Prozent zugelegt. Ob der Höhenflug zum Monatsende weitergeht, hängt auch von US-Präsident Donald Trump ab. Manche sprechen von der "Woche der Wahrheit".

Am kommenden Freitag, den 1. März, läuft der "Waffenstillstand" zwischen den USA und China aus. Dann könnte Washington die Strafzölle für Importe aus China von zehn auf 25 Prozent anheben. Danach freilich sieht es momentan nicht aus. Die letzten Äußerungen von Trump deuten daraufhin, dass der Präsident die Frist für den "Waffenstillstand" verlängern wird.

Trump glaubt an möglichen Deal mit China

Möglicherweise kommt es gar zu einer Einigung der beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Die Beratungen beider Seiten in Washington wurden am Freitag um zwei Tage verlängert. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Abkommen vereinbart werde, sei nun höher als die, dass es keins geben werde, sagte US-Präsident Donald Trump. Er wolle den chinesischen Staatschef Xi Jinping wahrscheinlich im März in Florida treffen, um über die wichtigsten Punkte einer Handelseinigung zu entscheiden.

Dax im Höhenflug

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13.055,51
Differenz relativ
-0,38%

Die Hoffnung auf einen "Big Deal" im chinesisch-amerikanischen Zolldisput treiben seit Wochen die Kurse nach oben. Der Dax eilt von Jahreshoch zu Jahreshoch. In der abgelaufenen Woche legte der deutsche Leitindex gut zwei Prozent zu und überwand erstmals seit Anfang Dezember 2018 die Marke von 11.500 Punkten. Seit Jahresbeginn hat der Dax gut neun Prozent gewonnen, nachdem er 2018 um rund 18 Prozent abgesackt war.

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
27.900,90
Differenz relativ
-0,03%

An der Wall Street herrscht ebenfalls prächtige Stimmung. Der Dow kletterte zum Wochenschluss auf über 26.000 Zähler. Damit rückt das im Oktober des vergangenen Jahres erreichte Rekordhoch von 26.822 Punkten wieder näher. Auch der S&P 500 und der Nasdaq 100 nähern sich ihren alten Rekordhöhen.

Vorsicht Rückschlagsgefahr!

Die verteilten Vorschusslorbeeren sind aber schon sehr groß. Sollte ein Deal doch nicht zustande kommen, wäre das Rückschlagrisiko für die Börsen um so höher. Trump könnte dann von der Stimmungskanone zum Stimmungskiller werden, warnt Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners. "Leider ist Trump immer für Überraschungen gut", mahnt auch Marktstratege Christian Apelt von der Landesbank Helaba. Zudem stehe für Europa Trumps Drohung von Autozöllen weiter im Raum, was vor allem die deutsche Wirtschaft hart treffen würde.

Auch jenseits der Handelspolitik steht Trump im Rampenlicht. In der neuen Woche will er sich ein zweites Mal mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un treffen, um über eine atomare Abrüstung des abgeschotteten Landes zu beraten. Der Gipfel soll am Mittwoch und Donnerstag in Hanoi stattfinden. Kim machte sich einem Medienbericht zufolge bereits am Samstag mit dem Zug in die vietnamesische Hauptstadt auf.

Brexit-Chaos geht weiter

Beim zweiten Dauerbrenner-Thema Brexit ist für die kommende Woche eine erneute Abstimmung im Unterhaus geplant. Die jüngsten Gespräche zwischen Premierministerin Theresa May und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker brachten erneut keine echten Fortschritte. Experten rechnen nicht damit, dass die Scheidungsvereinbarung zwischen Großbritannien und der EU diesmal im britischen Parlament eine Mehrheit findet. Denn die EU bleibt bei der Frage der irischen Grenze bislang hart. "Solange May nicht bereit ist, einige ihrer roten Linien, - in erster Linie kein Verbleib in der Zollunion -, gegenüber der EU aufzugeben, ist die Gefahr eines 'No Deal'-Brexit hoch", glaubt die Commerzbank.

US-Konjunkturdaten im Fokus

Nach den jüngsten Signalen für eine Abkühlung der Weltwirtschaft warten Börsianer gespannt auf neue Konjunkturdaten. In den USA stehen unter anderem die Auftragseingänge für langlebige Güter am Mittwoch und die Zahlen zu den Konsumausgaben am Freitag auf dem Terminplan. Die Käufe der Verbraucher gelten als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Vom Auftritt des US-Notenbankchefs vor dem Kongress ist hingegen wenig Neues zu erwarten. Fed-Präsident Jerome Powell dürfte erneut eine längere Pause bei Zinserhöhungen signalisieren.

Über die Kauflaune der deutschen Verbraucher gibt der Gfk-Index am Dienstag Auskunft. Am Donnerstag und Freitag folgen Daten zur deutschen und europäischen Inflation. Die Stimmung unter den deutschen Top-Managern hat sich zuletzt weiter eingetrübt. Der Ifo-Index fiel auf den tiefsten Stand seit über vier Jahren. Das Risiko einer Rezession - mindestens zwei Quartale in Folge mit schrumpfender Wirtschaftsleistung - ist inzwischen merklich gestiegen.

Deutsche Berichtssaison kommt in Fahrt

Darüber hinaus dürfte die Berichtssaison die Anleger in der kommenden Woche in Atem halten. Aus dem Dax öffnen der Chemiekonzern BASF am Dienstag sowie der Pharmariese Bayer und der Konsumgüter-Anbieter Beiersdorf am Mittwoch ihre Bücher. Aus dem Ausland legen unter anderem die Primark-Mutter AB Foods am Montag und die Opel-Mutter Peugeot am Dienstag Zahlen vor.

Anleger werden vor allem auf die Ausblicke achten. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung der Unternehmensgewinne. "Im vergangenen Quartal wurden für 24 der 30 Dax-Unternehmen die Gewinnerwartungen nach unten angepasst", sagte Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp.

nb