Zu hohe Datenmengen Auch Youtube tritt auf die Bremse

Stand: 20.03.2020, 11:16 Uhr

Nun hat es auch den Videodienst Youtube erwischt. Wegen der hohen Belastung muss die Übertragungsqualität in Europa gedrosselt werden. Doch es gibt auch Hoffnung für die Zeit nach Corona.

Um die Belastungen des Netzes in Zeiten verstärkter Heimarbeit, Ausgangssperren und geschlossener Schulen während der Coronavirus-Pandemie zu reduzieren, werde YouTube seine Datenmengen drosseln, teilte die Google-Tochter am Morgen der Nachrichtenagentur Reuters mit.

Alle Videos sollen zunächst in den kommenden 30 Tagen nur noch in Standard-Auflösung statt HD-Qualität übertragen werden. Damit reagiert das Unternehmen auf eine Forderung von EU-Industriekommissar Thierry Breton, den Datenverkehr in Europa um etwa ein Viertel zu reduzieren.

Telekom beruhigt

Die Deutsche Telekom betont, dass ihre Netze für ein höheres Datenvolumen und mehr Telefonate in der Coronavirus-Krise gerüstet seien. Je nach Uhrzeit ist Streaming ein wesentlicher Datenfaktor im Telekom-Netz.

Dies nimmt zum Beispiel in den Abendstunden oder am Wochenende zu. Um zu verhindern, dass es zu Datenstaus kommt, dürfen Telekomfirmen Maßnahmen treffen, aber sie dürfen Dienste im Sinne der Netzneutralität nicht blockieren, bevorzugen oder verlangsamen.

25 Prozent weniger Datenverkehr

Netflix hatte bereits am Donnerstagabend nach Gesprächen mit Breton angekündigt, den Datendurchsatz in Europa zunächst für 30 Tage zu drosseln. Die Netflix-Nutzer sollten trotzdem einen Dienst mit "guter Qualität" bekommen, versicherte die US-Firma.

Nach Einschätzung des Unternehmens wird Netflix durch den Schritt immerhin 25 Prozent weniger Datenverkehr verursachen. In Europa gibt es insgesamt die Sorge, dass die verstärkte Heimarbeit und Nutzung von Unterhaltungsangeboten die Netze verstopfen können.

Deutscher Streamingmarkt wird sich verdoppeln

Nach Überwindung der Corona-Krise dürfte sich der deutsche Streamingmarkt einer Studie zufolge in den nächsten fünf Jahren nahezu verdoppeln. Der Umsatz der Anbieter von kostenpflichtigen und werbefinanzierten Streamingdiensten von 3,6 Milliarden Euro Ende 2019 werde voraussichtlich bis 2024 auf 6,5 Milliarden Euro steigen, teilte die Beratungs- und Forschungsgruppe Goldmedia am Freitag zum Branchenreport "Streaming Market Germany 2020" mit.

Dies sei im Schnitt ein jährliches Wachstum von 13 Prozent. Spitzenreiter im deutschen Markt für kostenpflichtiges Video-on-Demand waren 2019 erneut die US-Platzhirsche Amazon und Netflix. Bei den Abos erzielten die US-Anbieter einen Marktanteil von 35 Prozent (Prime Video von Amazon) und 25 Prozent (Netflix).

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Youtube und Facebook dominieren Werbemarkt

Im Markt für Online-Käufe und -Leihvideos kam Amazon mit Prime Video auf 66 Prozent, mit großem Abstand gefolgt von Google Play mit 13 Prozent. Im deutschen Markt für werbefinanziertes Streaming vereinen laut Studie die US-Angebote YouTube und Facebook zwei Drittel des Werbemarktes auf sich: YouTube erreichte 2019 einen Umsatz-Marktanteil von 41 Prozent und Facebook von 25 Prozent. Die Vermarktungstöchter der beiden großen privaten TV-Gruppen ProSiebenSat.1 und Mediengruppe RTL Deutschland erzielten zusammen einen Anteil von 26 Prozent.

lg/rtr/dpa