Siemens-Chef Joe Kaeser

Folge des Shutdown Auch Siemens kassiert seine Prognose

Stand: 08.05.2020, 08:25 Uhr

Siemens kann sich den Folgen der Corona-Pandemie nicht entziehen und kassiert seine Gewinnprognose. Denn nach ersten Bremsspuren im März wird sich der Niedergang vor allem im laufenden Quartal niederschlagen.

Bisher hatte Siemens für das laufende Jahr einen moderaten Umsatzanstieg in Aussicht gestellt. Der Konzern geht von einer längeren Bodenbildung aus und erwartet, dass sich der befürchtete Einbruch vor allem in den künftigen Kernsparten Digital Industries (Industrie-Automatisierung) und Smart Infrastructure (Bautechnik und öffentliche Infrastruktur) zeigen werde. Die neuen Aufträge sollen aber weiterhin über dem Umsatzniveau liegen.

Das Gewinnziel von 6,30 bis 7,00 Euro je Aktie könne man "nicht mehr bestätigen", hieß es in der Quartalsmitteilung. Der Gewinn hänge stark davon ab, wie sich die Abspaltung von Siemens Energy bilanziell auswirke. Über den Börsengang soll eine außerordentliche Hauptversammlung am 9. Juli entscheiden.

Moderate Auswirkungen im ersten Quartal

In den ersten drei Monaten des Jahres waren die Auswirkungen der Pandemie noch moderat. Der Umsatz ging auf vergleichbarer Basis um ein Prozent auf 14,2 Milliarden Euro zurück, der Auftragseingang aber schon um neun Prozent auf 15,2 Milliarden.

Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) aus dem Industriegeschäft gab um 18 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro nach. Siemens Energy ist in den operativen Zahlen nicht mehr enthalten. Die Tochter rutschte einschließlich des Windkraft-Konzerns Siemens Gamesa im zweiten Quartal mit 317 (2018/19: plus 205) Millionen Euro in die roten Zahlen. Im Konzern stand unter dem Strich ein Gewinn von 697 Millionen Euro, der damit fast zwei Drittel niedriger ausfiel als ein Jahr zuvor.

Antriebstochter soll an die Börse

Siemens: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zudem setzt Siemens sein drei Milliarden Euro schweres Aktienrückkaufprogramm aus. Das Programm werde wegen der Abspaltung von Siemens Energy unterbrochen. Dies habe allein regulatorische Gründe. Nach der Abspaltung sollen die Aktienrückkäufe fortgesetzt werden. Bislang hat Siemens im Rahmen des Programms 2,4 Milliarden Euro zurückgekauft.

Trotzdem geht die Verschlankung von Siemens weiter. So soll die Düsseldorfer Antriebstochter Flender abgespalten und an der Börse notiert werden, teilte Siemens am Morgen mit. Die Produkte des Unternehmens werden in Windkraftanlagen sowie zahlreichen anderen Industriebereichen eingesetzt.

Dabei will Siemens den Bereich Wind Energy Generation in Flender integrieren. Beide Unternehmen werden derzeit als sogenannte "Portfolio Companies" geführt. Der Hersteller mechanischer Antriebe - vor allem für Windanlagen - gilt seit Jahren als Kandidat für einen Verkauf. Flender kommt auf einen Umsatz von zwei Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung 2021 darüber entscheiden.

Zukünftige Ausrichtung der Zugsparte offen

Dagegen bleibt die strategische Aufstellung der Zugsparte Mobility offen. Der stellvertretende Vorstandschef Roland Busch bezeichnet die Sparte als "integralen Bestandteil" von Siemens. "Die Konsolidierung am Markt beobachten wir sehr aufmerksam", sagt er mit Blick auf die Fusionspläne von Alstom mit Bombardier. Siemens werde das Portfolio "selektiv verstärken, immer wenn sich Gelegenheiten ergeben".

Siemens hatte das Zuggeschäft eigentlich mit dem französischen Konkurrenten Alstom fusionieren und an die Börse bringen wollen, scheiterte aber an der europäischen Wettbewerbsbehörde. Seitdem wird immer auch mal wieder über einen Börsengang von Mobility spekuliert. Die Ergebnisse der Sparte sollen zum vierten Geschäftsquartal (per Ende September) veröffentlicht werden. Ursprünglich war dies zum zweiten Quartal geplant.

lg/rtr/dpa