JP Morgan Schriftzug und Warnschild vor Sturz
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Quartalszahlen vorgelegt Auch JPMorgan ächzt unter schwachem Handel

Stand: 12.01.2018, 15:18 Uhr

Die Steuerreform und ein schwacher Handel an den Kapitalmärkten haben auch der größten US-Bank, JPMorgan, im vierten Quartal zugesetzt. Doch von Verlusten wie bei der Deutschen Bank ist das Haus meilenweit entfernt.

Wie das Geldhaus am Mittag mitteilte, brach der Gewinn im vierten Quartal um 37 Prozent auf 4,23 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) ein. Die einmalige Belastung durch die kurz vor Weihnachten durch Präsident Donald Trump in Kraft gesetzte Steuerreform bezifferte das Institut auf 2,4 Milliarden Dollar. Ohne diesen Effekt hätte der Gewinn bei 6,7 Milliarden Dollar gelegen und wäre damit praktisch unverändert gewesen zum vierten Quartal des Vorjahres.

Das Kapitalmarktgeschäft hat zum Jahresende unter der Zurückhaltung der Kunden und extrem niedriger Schwankungen gelitten. So gingen die Umsätze im Handel mit Anleihen um 34 Prozent zurück. Insgesamt jedoch hielt sich der Rückgang der Erlöse in Grenzen. Dank des gut laufenden Firmenkundengeschäfts konnte das schwache Kapitalmarktgeschäft größtenteils ausgeglichen werden.

Rekordgewinn im Gesamtjahr

Jamie Dimon, CEO von JPMorgan Chase & Co.

Jamie Dimon, CEO JPMorgan Chase . | Bildquelle: picture alliance / dpa - Michael Reynolds

So konnte die Bank im Firmenkundengeschäft ihre Erträge um 20 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar steigern. Der Gewinn nach Steuern in dieser Sparte kletterte gar um 39 Prozent auf 957 Millionen. Auch in der Vermögensverwaltung konnte der Überschuss um 12 Prozent auf 654 Millionen Dollar gesteigert werden. Dagegen sank der Gewinn im Investmentbanking um 32 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar.

Bankchef Jamie Dimon sprach trotzdem von einem Rekordjahr 2017. Vor allem beim Investmentbanking, zu dem neben dem schwächelnden Handel das Beratungsgeschäft rund um Fusionen, Übernahmen und Börsengängen gehört, habe sich das Institut hervorragend geschlagen. Die Bank habe im Gesamtjahr einen Rekordgewinn von 24,4 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Das waren 6,31 Dollar pro Aktie, so viel wie nie zuvor. Dimon lobte zudem ausdrücklich die Steuerreform - sie würde die US-Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen und damit allen Amerikanern zugute kommen.

Die Bankführung hatte die Anleger bereits auf die anfängliche Belastung vorbereitet. Entsprechend entspannt fiel die Reaktion am Aktienmarkt aus: Das Papier verlor vorbörslich knapp ein halbes Prozent.

Wells Fargo profitiert schon jetzt von Steuerreform

JPMorgan eröffnet den Bilanzreigen der US-Großbanken. In der kommenden Woche folgen Morgan Stanley, Citigroup, die Bank of America und Goldman Sachs. Die europäischen Konkurrenten brauchen noch etwas länger, bis sie den Investoren einen Blick in die Bücher gewähren. Die Deutsche Bank, die mit den US-Häusern im Investmentbanking konkurriert, will ihre Jahresbilanz am 2. Februar veröffentlichen. Auch sie hat bereits vor Folgen der Steuerreform für ihre Bilanz gewarnt und erwartet deshalb einen kleinen Verlust. So wie JP Morgan leiden auch die meisten anderen US-Banken unter der Steuerreform von Trump - allerdings nur kurzfristig.

Ganz anders Wells Fargo. Die mit den Folgen eines teuren Scheinkonten-Skandals kämpfende Bank aus San Francisco gehört schon heute zu den Profiteuren von Donald Trumps Steuerreform. Das Geldhaus konnte im vierten Quartal massive Belastungen von rund 3,35 Milliarden Dollar wegen Rechtsangelegenheiten durch eine noch höhere Gutschrift infolge der Steuerreform überkompensieren. Grund ist, dass ab diesem Jahr geringere Steuern anfallen und dies bereits jetzt als positiver Effekt in der Bilanz verbucht wird. Unter dem Strich stieg der Gewinn im vierten Quartal um 18 Prozent auf 5,74 Milliarden.

lg