Mercedesstern auf dreckiger Motorhaube im Abgas
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US-Ermittler werden fündig Auch Daimler steckt im Diesel-Sumpf

Stand: 19.02.2018, 13:50 Uhr

Diesel-Affäre und kein Ende. Auch der Daimler-Konzern soll bei den Dieselabgaswerten in den USA massiv betrogen haben. Da werden alte Erinnerungen wach. Die Aktie steht unter Druck.

So soll Daimler in seine Dieselfahrzeuge eine spezielle Software eingebaut haben, um die strengen US-Normen zu umgehen. Das schreibt die "Bild am Sonntag" und beruft sich dabei auf vertrauliche Unterlagen aus amerikanischen Ermittlungsakten.

Damit droht gut zweieinhalb Jahre nach dem VW-Dieselskandal nun Ähnliches bei Daimler. Wie die "BamS" weiter schreibt, sei die Funktion "Bit 15" so programmiert, dass die Abgasnachbehandlung nach 26 Kilometern den sauberen Modus verlässt. Zudem hätten US-Ermittler eine weitere Funktion entdeckt, die erkennt, ob das Auto auf einem Prüfstand stehe. "Das könnte für Daimler signifikante Strafzahlungen zur Folge haben", kommentierte ein Händler am Montagmorgen.

All dies kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Denn Vorwürfe dieser Art waren dem VW-Konzern bekanntlich bitter auf die Füße gefallen. Wirklich aufgeklärt ist die VW-Dieselaffäre zudem immer noch nicht.

Die Normen sind nicht zu erfüllen

Aber Daimler dürfte das gleiche Dilemma gehabt haben wie einst VW: Mitarbeiter bezweifelten bereits vor der VW-Affäre, dass die strengen US-Gesetze auf der Straße erfüllt werden können. Interne Messungen hätten danach ergeben, dass Mercedes-Pkw im Straßenbetrieb die Stickoxid-Grenzwerte deutlich überschreiten.

Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der HV 2017

Daimler-Chef Dieter Zetsche auf der HV 2017. | Bildquelle: picture alliance/KEYSTONE

Ein Daimler-Sprecher erklärte am Sonntag, dass der Konzern schon seit über zwei Jahren vollumfänglich mit den US-Behörden kooperiere. "Den Behörden sind die Dokumente bekannt, und es ist zu keiner Anklage gekommen." Zu weiteren Details der laufenden Untersuchung werde sich Daimler nicht äußern, da mit dem US-Justizministerium absolute Vertraulichkeit vereinbart worden sei.

Zudem verwies der Sprecher auf den vergangene Woche veröffentlichten Geschäftsbericht, der eine "umfassende Darstellung und Erläuterung der rechtlichen Verfahren sowie deren aktuelle Einschätzung aus Sicht von Daimler" enthält. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte seit Ausbruch des Diesel-Abgasskandals bei Volkswagen vor fast zweieinhalb Jahren immer wieder betont, Fahrzeuge von Daimler würden nicht manipuliert. Mittlerweile ist hierzulande auch das Kraftfahrtbundesamt wegen einer unzulässigen Abschaltvorrichtung beim Mercedes Vito aufmerksam geworden.

Daimler-Aktie unter Druck

Wie zu erwarten, hat die Daimler-Aktie am Montag einen schweren Stand und notiert seit Handelsbeginn am Dax-Ende. Der Dax-Titel hatte sich zuvor seinem Sommertief bei unter 60 Euro deutlich erholt und war im Jahreshoch im Januar bis auf 76,40 Euro gestiegen.

Die Hauptversammlung am 5. April soll den Dividendenvorschlag des Vorstandes von 3,65 Euro je Aktie verabschieden. Daimler gehört zu den größten Dividendenzahlern im Dax. Die vorgeschlagene Ausschüttung würde auf der Basis des Freitags-Schlusskurses eine äußerst attraktive Dividendenrendite von etwas über fünf Prozent bedeuten.

rm/rtr