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Nach dem Brückeneinsturz von Genua Atlantia droht der Verlust der Straßenbetriebslizenz

Stand: 16.08.2018, 14:17 Uhr

Nach der Katastrophe von Genua werden die Konsequenzen diskutiert: Das Brückenunglück könnte gravierende Folgen für den Mautstraßenbetreiber Atlantia haben. Die Aktie gerät unter massiven Verkaufsdruck.

Zeitweise knickten die Atlantia-Titel bis auf 17 Euro ein. Aktuell notieren sie mit einem Abschlag von rund 13 Prozent bei etwas mehr als 19 Euro. Autostrade, der Betreiber der Brücke in Genua, deren Einsturz rund 40 Menschen das Leben kostete, gehört zum Großteil zu Atlantia. Die Familien-Holding der durch die Textilkette bekannten Familie Benetton, Edizione, hält über 30 Prozent der Atlantia-Anteile.

Italienische Regierungsmitglieder machen den privaten Betreiber der Autobahn für die Katastrophe verantwortlich und wollen ihm die Straßenbetriebslizenz entziehen. Wenngleich dem Betreiber im Falle eines Lizenzentzugs eine Ausgleichszahlung zustünde, könnte solch ein Schritt Folgen für die Aktionäre und Anleihebesitzer von Atlantia haben, teilte der Konzern mit.

Autostrade per l'Italia wies die Vorwürfe zurück. Die Brücke sei vorschriftsmäßig „vierteljährlich“ überprüft worden, verteidigte sich das Unternehmen. Außerdem seien zusätzliche Tests mittels hochspezieller Geräte erfolgt.

Reputations- und politische Risiken

Angesichts des drohenden Entzugs der Straßenbetriebslizenz der Tochter Autostrade sei die Unsicherheit für die Aktie derzeit hoch, schrieb JPMorgan-Analystin Elodie Rall.

Zwar habe sich Atlantia öffentlich kritisch zum Vorgehen der Regierung geäußert und eine Entschädigung im Fall des Lizenzentzugs gefordert – wegen der Schwere des Unglücks könne nun aber die Reputation des Unternehmens leiden. Auch sieht sie politische Risiken. Gleichwohl bleiben die Bewertung „Neutral“ sowie das Kursziel von 28 Euro vorerst bestehen.

Die Analystin Olivia Peters von der australischen Bank Macquarie reagierte dagegen mit einer Kurszielsenkung. Sie reduzierte es von 32 auf 26 Euro und stufte die Aktien von „Outperform“ auf „Neutral“ ab. Neben dem drohenden Lizenzentzug sowie möglichen - eigentlich versicherten - Kosten im Zusammenhang mit dem Unglück, verwies sie auf Störungen auf der wichtigen Verkehrsroute. Das könnte die Geschäfte belasten.

ts