Marmortreppe von ArtGo

Marmor, Stein und Artgo bricht (ein) 98 Prozent Minus an einem Tag

Stand: 22.11.2019, 11:16 Uhr

An der Börse in Hongkong sind die Schwankungen in jüngster Zeit ziemlich extrem. Doch die Kursentwicklung der Aktie des chinesischen Unternehmens Artgo spottet jeder Beschreibung.

Das Unternehmen betreibt eine Marmormine und ist außerdem ein bisschen im Immobiliensektor aktiv. Bis zum Donnerstag dieser Woche war das Artgo-Papier die am besten gelaufene Aktie im laufenden Jahr mit einer Marktkapitalisierung von mehr als einer Milliarde Dollar - aber nicht nur in Hongkong oder in China, sondern auf der ganzen Welt. In der Spitze hatte das Papier fast 3.800 Prozent innerhalb eines Jahres zulgelegt. Und das obwohl nicht etwas die Nachfrage nach Marmor angestiegen ist, wie das "Wall Street Journal" etwas spöttisch berichtet hatte.

ArtGo Holdings Ltd

ArtGo Holdings Ltd. | Bildquelle: Bloomberg, Grafik: boerse.ARD.de

Vielmehr hatte das Unternehmen zuletzt einen Umsatzrückgang um 56 Prozent innerhalb eines Jahres mitgeteilt. Die Aktie war in der Spitze dennoch mit dem 85-fachen jährlichen Umsatz bewertet, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Solch hohe Bewertungen werden normalerweise nur extrem aussichtsreichen und wachstumsstarken Unternehmen zugestanden.

Nicht wirklich verwunderlich, dass die Artgo-Aktie am Donnerstag an der Börse in Hongkong kräftig unter Druck geriet.

Doch das ist schon fast untertrieben. Am Ende des Tages stand ein Verlust von 98 Prozent. Von einem Börsenwert von umgerechnet knapp sechs Milliarden Euro blieben nur rund 100 Millionen Euro übrig.

Auslöser war die Entscheidung des Indexanbieters MSCI, die Artgo-Aktie nicht in den MSCI-China-Index aufzunehmen. Damit wurde ein zwei Wochen alter Beschluss revidiert. Der New Yorker Finanzdienstleister begründete das mit einer "weiteren Analyse und der Rückmeldung der Marktteilnehmer zur Investitionsfähigkeit".

Mit der Entscheidung wich MSCI von seiner üblichen Praxis ab, bei der Indexzusammensetzung ausschließlich quantitative Kriterien wie Marktkapitalisierung, Streubesitz und Börsenumsatz zu verwenden und keine Bewertungen über Rentabilität, Wachstumsaussichten oder "andere subjektive" Kennzahlen vorzunehmen.

Wenn sich eine Aktie nur von einer Entscheidung eines Indexanbieters so stark beeinflussen lässt, wird das wohl die richtige Entscheidung gewesen sein.

ME