Bernard Arnault

LVMH-Chef wird 70 Bernard Arnault: "Der Wolf in Kaschmir"

von Lothar Gries

Stand: 06.03.2019, 06:50 Uhr

Der wohlhabendste Franzose und der drittreichste Mann der Welt ist in Deutschland weitgehend unbekannt. Wer ist Bernard Arnault, der Chef des weltgrößten Luxuskonzerns LVMH, der heute seinen 70. Geburtstag feiert?

"Ich liebe es, zu gewinnen, die Nummer Eins zu sein. Geschäfte zu machen ist sehr aufregend. Der Moment an dem man kurz davor steht, einen riesigen Deal abzuschließen, du Dir aber nicht sicher bist, ob es gelingen oder scheitern wird.“

Man könnte denken, diese Worte stammten von Donald Trump, doch tatsächlich war es Bernard Arnault, der sich 2015 in einem Interview mit dem Telegraph als leidenschaftlicher Dealmaker outete.

Riesiges Imperium

Würde er das "Deal-machen" nicht so lieben, wäre es ihm sicher nicht gelungen, ein so riesiges Imperium aus 70 verschiedenen Luxusmarken aus Mode, Kosmetik, Düften und edlen Tropfen aufzubauen, das heute an der Börse mit 156 Milliarden Euro bewertet wird.

Moet Chandon Flasche

LVMH Moet Chandon Luxus. | Quelle: Unternehmen

Entstanden ist das Unternehmen im September 1987 durch die Fusion des Koffer- und Taschenherstellers Louis Vuitton und dem Champagner- und Cognackonzerns Moët Hennessy. Deren Vorstände fürchteten eine feindliche Übernahme. Arnault schlichtete den Konflikt und positionierte sich dabei so, dass er den größten Anteil an dem fusionierten Unternehmen bekam. Das brachte ihm den Ruf des "Wolfs in Kaschmir" ein.

Auch Rimowa gehört dazu

Celine-Modenschau

Celine. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot

In der Folge kaufte Arnault immer neue Marken hinzu. Zu LVMH gehören neben Fashion-Marken wie Dior und Céline auch Champagnermarken wie Dom Pérignon oder Krug, Düfte und Kosmetik von Guerlain, Givenchy oder Kenzo, die Uhren- und Schmuckmarken Bulgari, TAG Heuer, Hublot und viele weitere.

Dazu kommen Handelsketten wie die Parfümerie Sephora, Luxushotels und die Wirtschaftszeitung "Les Echos“. Eine der jüngsten Erwerbungen ist der deutsche Edelkoffer-Hersteller Rimowa. Zuletzt konnte LVMH vor allem vom unersättlichen Appetit der Chinesen auf Louis-Vuitton-Taschen und andere Luxusartikel profitieren.

Gestalterische Freiheit

Was macht die Gruppe so erfolgreich? Experten verweisen darauf, dass Arnault den gekauften Marken und ihren Designern eine gewisse gestalterische Freiheit lässt, ihnen erlaubt ihr eigenes Image weiterzuentwickeln.

Arnault definierte sein Vorgehen so: "Bei den meisten Marken für die ich im Laufe meiner Karriere verantwortlich war, kam der Erfolg dann, wenn es ihnen gelang, ihre Geschichte mit modernen Elementen zu vereinen und weiter zu entwickeln".

Bloß kein Marketing

Auch sonst hat Bernard Arnault seine ganz eigene Sicht auf die Dinge: "Ich sage immer, dass man die LVMH Gruppe wie ein Startup managen sollte, denn nur so kann man junge motivierte Talente akquirieren", sagte der Manager in einer Rede.

Von Marketing hält Arnault übrigens gar nichts: "Wenn man damit beginnt, Marktstudien zu erstellen, um herauszufinden, was die Zielgruppe will und sein Produkt dann nach diesem Ergebnis ausrichtet, läuft man Gefahr sich zu verheddern und etwas zu entwerfen, das schon alle gesehen haben. Ich denke, dass die besten Produkte immer die sind, die völlig neu sind".

Elite des Landes

Dabei ist Arnault selbst keineswegs einen neuen Weg gegangen. Vielmehr gehörte die Familie Arnault schon immer zur Elite Frankreichs. Seine Vater betrieb erst einen Bau- und Holzhandel, stieg später auf Empfehlung seines Sohnes ins Immobiliengeschäft ein. Selbsverständlich schickte die Familie den Jungen auf eine der berühmtesten Kaderschmieden des Landes, die Ecole Polytechnique.

Bernard stieg zunächst in das Baugeschäft seines Vaters ein. Besonders erfolgreich war er mit dem Bau von Ferienhäusern an der Côte d’Azur. Als die Sozialisten Frankreichs unter dem Staatspräsidenten François Mitterand an die Macht kamen (1981), zog Arnault in die USA und baute dort Ferienwohnungen.

Nach seiner Rückkehr 1984 übernahm er den damals angeschlagenen Textilkonzern Boussac/Saint Frères, zu dessen Tochterunternehmen unter anderem das Modeunternehmen Dior gehörte. Arnault sanierte das angestaubte Unternehmen und kaufte auch noch den Modemacher "Celine“ hinzu.

Beste Kontakte zu Macron

Emmanuel Macron

Emmanuel Macron. | Bildquelle: picture alliance / abaca

Und heute? Arnault ist laut Bloomberg der drittreichste Mensch derWelt mit einem geschätzten Vermögen von 83,1 Milliarden Dollar. Damit hat er selbst den legendären Investor Warren Buffett überholt. Arnault werden auch beste Kontakte zu Präsident Emmanuel Macron nachgesagt, weil Macrons Frau einst zwei der Arnault-Söhne am Gymnasium unterrichtete. Arnault selbst sieht sich als ein Botschafter der französischen Kultur und ist stolz darauf, seit seinem Amtsantritt bei LVMH mehr als 120.000 Arbeitsplätze geschaffen zu haben.

Zuletzt hat der Patriarch, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, damit begonnen, die Geschicke seines Unternehmens an seine Kinder zu übertragen. So steht Sohn Alexandre seinem Vater stets beratend zur Seite, war auch bei einem Besich im Trump Tower dabei. Arnaults älteste Tochter, Delphine, ist Teil des Topmanagements von LVMH.

Arnault geht es vor allem darum, die Kontinuität und Nachhaltigkeit seiner Marken zu sichern. "Was mich an Vuitton interessiert, ist nicht die Größe, sondern, dass Vuitton auch in zehn Jahren noch die begehrteste Marke ist“, sagte er jüngst vor Aktionären. Auch werde Dom Perignon noch in 30 Jahren verkauft werden. "Denn wir verkaufen ein Stück Geschichte.“

1/13

Das Luxus-Imperium von LVMH Von Bulgari bis Château d'Yquem

Taschen von Louis Vuitton.

Louis Vuitton
Herz des Konzerns ist Louis Vuitton. Das 1854 gegründete Luxusunternehmen vertrieb zunächst exklusive Koffer und später dann exklusive Handtaschen. In den letzten 20 Jahren stieg Vuitton in den Mode-, Uhren- und Schmuck- und Parfum-Bereich ein. Heute ist Louis Vuitton die wertvollste Marke des LVMH-Konzerns mit über 20 Milliarden Euro. Gut ein Viertel des Umsatzes entfällt auf Louis Vuitton.