Erik Müller, Deutsche Börse
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Machtverschiebung im Abwicklungsgeschäft Börsen-Clearingtochter profitiert vom Brexit

von Ulrich Barths, ARD-Börsenstudio

Stand: 29.01.2019, 08:00 Uhr

Die Abwicklung von Wertpapieren, in der Fachsprache Clearing genannt, ist ein Billionen-Geschäft. Derzeit liegt London klar vorn. Aber nicht mehr so weit vorn wie vor dem Brexit-Votum. Die Eurex-Clearing in Frankfurt, eine Tochter der Deutschen Börse AG, holt schnell auf.

Der Brexit erhöht den Puls – nicht nur bei Kontrahenten auf der Insel, egal ob im Parlament, im Pub oder in der Familie, sondern auch an den Börsen weltweit.

Ein harter Brexit - an den Finanzmärkten ein unkalkulierbares Risiko

Klar es gibt Erkenntnisse aus den bisherigen Bremsspuren in der Wirtschaft, wie die schleppenden Investitionen in Großbritannien. Außerdem einen bunten Strauß von Zahlenspielen und Vorhersagen. Aber niemand – ob Regierungen, Wirtschaftsforscher oder Börsenhändler – kann wirklich sagen, was passiert, wenn die Briten ohne Deal gehen sollten.

Einer, der an den Finanzmärkten daran arbeitet, dass das Brexit-Risiko für alle Beteiligten nicht im Desaster endet, ist Erik Müller. Er ist Vorstandschef von Eurex-Clearing, einer Tochter der Deutschen Börse. Er sagt, dass die Banken seit der Lehman-Pleite vor zehn Jahren ihre Risiken erheblich verringert hätten. Und: "Wir haben mit den Clearing-Häusern jetzt Brandmauern eingeführt, die dafür sorgen sollen, dass sich die Systemstabilität insgesamt erhöht, und das ist auf gutem Weg."

Brandmauern und Clearing – wie geht das? Vereinfacht gesagt: Erik Müller und sein Unternehmen fungieren als Garanten dafür, dass das Risiko ihrer Kunden bei Wertpapier- oder anderen Finanzgeschäften an der Börse und außerhalb der Börse abgesichert ist.

Euro-Clearing ist ein billionenschwerer Markt, und ein lukrativer. Ausgerechnet in London, also demnächst wahrscheinlich außerhalb der EU, sitzt der Marktführer LCH. Bei Transaktionen an der Börse ist Frankfurt bereits gut vertreten. "Jetzt konzentrieren wir uns aufs außerbörsliche Geschäft. Da ist London der Marktführer. Und seit einem Jahr haben wir jetzt unseren Marktanteil von unter einem Prozent auf zehn Prozent deutlich erhöht", sagt Müller.

Unterstützung aus dem Kanzleramt

Bleibt noch Luft nach oben. Politische Rückendeckung ist dabei - im Wettbewerb mit London - nicht zu unterschätzen. Aus Berlin kam sie, aber sie kam spät. Anfang September brachte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel höchstpersönlich ein. Bei einem Kurzbesuch an der Frankfurter Börse sagte sie den Finanzmanagern: "Politisch erklären kann ich das jedem, dass das Euroclearing in der Eurozone stattfindet und dann ist Frankfurt natürlich überhaupt der herausragende Ort."

Erik Müller ist zuversichtlich, dass er weiter Boden gegenüber London gut macht. Ein Grund ist die Erkenntnis der Banken, es sei doch eigentlich ganz gut, dass da neben dem Londoner Marktführer bei diesem wichtigen Service noch ein zweiter kommt. Ein weiterer Grund - der Standort Deutschland. Die größte Wirtschaftsnation Europas und finanziell stabil. "Es ist enorm wichtig, dass wir das nötige Vertrauen haben im Markt, dass wir unsere Verpflichtungen erfüllen", so Müller. "Und Deutschland ist mit Abstand der beste Standort, den ich mir dafür denken kann."