Apple Watch Series 4

Die Apple Watch Series 4 ist der Renner Die große Apple-Revolution

von von Bettina Seidl

Stand: 17.09.2018, 09:23 Uhr

Die Apple Watch ist die Revolution am Handgelenk. Sie hat den Uhren-Markt aufgerollt, besser gesagt überrollt. Mit ihr wurde Apple weltweit die Nummer 1 der Uhrenhersteller. Mit der neuen Apple Watch Series 4 startet nun auch die Revolution im eigenen Haus. Dank der Kraft der Silver Ager.

Apple lehrt die Schweizer Uhrenhersteller das Fürchten. Längst hat der iPhone-Konzern den einstigen Branchenkönig Rolex vom Thron gestoßen. Längst verkauft Apple mehr Uhren als die gesamte Schweizer Uhrenindustrie zusammen. 18 Millionen der vergleichsweise teuren Apple-Uhren waren es schätzungsweise im vergangen Jahr. Dabei sind Uhren, vor allem Luxus-Uhren, eine Domäne der Eidgenossen.

Die (Kauf-)Kraft der Silver Ager

Mit der jüngst vorgestellten "Apple Watch Series 4" müssen die Schweizer fürchten, noch mehr Marktanteile an die Amerikaner zu verlieren. Sprach die Apple Watch bisher vor allem die technikbegeisterte jüngere Kundschaft an, setzt Apple nun voll auf die älteren Kunden, die Silver Ager, die in ihren besten Jahren jenseits der 50 ein relativ dickes Portemonnaie besitzen und als kaufkräftig, konsumfreudig, aber auch qualitätsbewusst gelten.

Für sie ist die neue Computeruhr wie maßgeschneidert: Sie hat einen größeren Bildschirm und ist mit neuen medizinischen Funktionen ausgestattet. Sie kann beispielsweise einen unregelmäßigen Herzschlag feststellen und einen automatischen Notfall-Anruf absetzen, wenn der Benutzer stürzt. Sie verfügt über einen Sensor, der Elektrokardiogramme (EKG) aufzeichnen kann. Gerade in den USA ist das ein wichtiges Feature, weil viele Menschen nicht umfassend krankenversichert sind und sich Routine-Besuche beim Arzt ersparen. Die Älteren dürften es sich zweimal überlegen, ob sie anstelle eines schlichten Zeitmessers nicht besser eine Uhr kaufen, die etwa Herzprobleme erkennen kann.

"Die neue Apple Watch 4 ist eine Revolution, denn sie zielt nicht nur auf die Handgelenke von Geeks ab, sondern auch auf Menschen über 45, die sich um ihre Gesundheit sorgen", sagte Branchenexperte Gregory Pons auf seiner Uhren-Website businessmontres.com.

»Die Apple Watch verbessert sich weiter und bietet zusätzliche relevante Funktionen. Ich denke, dass dies eine immer größere Herausforderung für Einstiegsmarken wird.«

Exane BNP Paribas-Analyst Luca Solca

Der neue Renner von Apple

Der Vorverkauf der Apple Watch Series 4 ist am vorigen Freitag mehr als vielversprechend gestartet. In Deutschland war die erste Charge nach wenigen Minuten ausverkauft und die Lieferzeiten stiegen auf mehrere Wochen. Laut einer Marktanalyse des bekannten Analysten Ming-Chi Kuo, der seit Jahren mit sehr guten Apple Prognosen auffällt, sollen die Verkäufe selbst über den internen Erwartungen von Apple liegen. Noch in diesem Jahr könnte Apple 9 Millionen Exemplare der neuen Smartwatch verkaufen, schätzt Kuo. Das liege vor allem an der neuen EKG-App.

Zwar kommt die EKG-Funktion erst später im Jahr auf den Markt. Sie ist auch vorerst auf die USA begrenzt, wo die US-Aufsichtsbehörde FDA das Messverfahren zugelassen hat. In Europa steht eine solche Zulassung noch aus. Sofern die EKG-App aber in weiteren Ländern erlaubt ist, könnten sich die Verkaufszahlen noch erhöhen, so die Einschätzung des Analysten Kuo.

The next big thing

Die Marktforscher von IDC erwarten, dass sich die Umsätze mit Smartwatches sich in den nächsten vier Jahren verdoppeln. Der Apple-Führungsriege kann das nur Recht sein. Sie versucht sich seit Jahren daran, die Abhängigkeit vom iPhone zu vermindern. Es ist zwar der Goldesel des Konzerns, aber zu viel Abhängigkeit ist selten gut. Und das iPhone gilt in puncto Innovation als ausgereizt.

Könnte die Uhr das iPhone kannibalisieren? Momentan noch nicht. Man kann mit der Apple Watch zwar ohne Handy in der Tasche telefonieren, doch gänzlich ohne iPhone geht es noch nicht. Kannibalisierungstendenzen gibt es bei Apple immer wieder: Das iPad macht dem Macbook Konkurrenz, das iPhone dem iPad, und jetzt bekommt die Apple Watch immer mehr iPhone- und Gesundheits-Funktionen. Doch Apples Schaden war es letzlich nie. Der Konzern schaffte es mit seiner umfangreichen Produktwelt immer wieder, mehr Bedürfnisse bei seinen Fans zu schaffen statt sie zu verdrängen.

Bei der großen Apple-Show 2014 präsentierte Apple-Chef Tim Cook die Apple Watch als das "One more thing", als die revolutionäre Innovation, die die Kraft hat, eine ganze Branche umzukrempeln. Erst floppte sie. Der Erfolg ließ bis 2017 auf sich warten. Vorige Woche gab es bei der Apple-Präsentation kein "one more thing" am Ende. Die neue, vierte Generation der Smartwatch war der Schlusspunkt. Doch auf eine Art ist die neue Apple Watch eben dieses neue, heiße Ding inmitten des schrumpfenden Smartphonemarktes. Sie steckt bereits mitten drin in der revolutionären Ablösung des Smartphones. Eine Revolution mit Verspätung.

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Samsung Galaxy Note 9

Platz 1: Samsung
Samsung steht weiterhin an der Spitze des Marktes, verlor laut einer Studie des Marktforschungsinstituts Gartner von April bis Juni mit 72,3 Millionen veräußerten Smartphones allerdings deutlich. Der Marktanteil schrumpfte im Vergleich zum Vorjahresquartal von 22,6 auf 19,3 Prozent.

Den Südkoreanern mache die zunehmende Sättigung des Smartphonemarktes sowie die wachsende Konkurrenz aus China zu schaffen, so Gartner-Experte Anshul Gupta. Neuer Hoffnungsträger seit jetzt das Note 9.