Qualcomm

Einigung mit Apple Warum die Qualcomm-Aktie einen Freudensprung macht

Stand: 17.04.2019, 07:25 Uhr

Nach mehr als zwei Jahren haben Apple und Qualcomm ihren Patentstreit überraschend beigelegt. Alle Klagen werden fallengelassen. Für Apple bedeutet das: Dem ersten 5G-iPhone steht nichts mehr im Weg. Jubel löst die Einigung bei Qualcomm-Aktionären aus.

Die Aktie des Chipherstellers schnellte an der Wall Street um 23 Prozent in die Höhe. Auch im nachbörslichen Handel geht es weiter kräftig nach oben. Die Apple-Papiere reagierten dagegen kaum auf die Meldung.

Damit geht Qualcomm den Anlegern zufolge als Sieger aus dem Streit hervor. Der Chipproduzent erhält eine nicht bekannte Geldsumme von Apple sowie eine sechsjährige Lizenz-Vereinbarung, mit der Qualcomm seine Position als Halbleiter-Lieferant für iPhones zurückerobern könnte.

Tatsächlich war der Streit eine hohe finanzielle Belastung für Qualcomm. Apple hatte 2017 die Zahlung von Lizenzgebühren an Qualcomm eingestellt. Qualcomm bezifferte die dadurch entgangenen Einnahmen samt Zinsen auf sieben Milliarden Dollar.

Marktmacht missbraucht?

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Apple hatte Qualcomm vorgeworfen, seine Marktmacht zu missbrauchen. Die Firma habe sich mit Patentverletzungen quasi ein Monopol für bestimmte Chip-Arten geschaffen, so die Anschuldigung. Dabei geht es um Halbleiter, die Smartphones mit mobilen Datennetzen verbinden.

Qualcomm wiederum bezichtigte Apple der Patentverletzung. Der kalifornische Tech-Riese zahle nicht für die Nutzung von Qualcomm-Technologie, so der Vorwurf. Im vergangenen Jahr ließ Apple nur noch Chips des Qualcomm-Rivalen Intel in seine iPhones einbauen.

Erbitterter Rechtsstreit

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In dem seit zwei Jahren andauernden Rechtsstreit war es mitunter hoch hergegangen. Immer wieder gab es Gerichtsentscheidungen, bei denen mal die eine und mal die andere Seite als siegreich dastand. Nach einer Entscheidung des Münchner Landgerichts durften bestimmte iPhones mit Intel-Halbleitern nicht in den deutschen Apple-Filialen verkauft werden.

Vor dem Gericht in der bayerischen Landeshauptstadt hatte Qualcomm auch beantragt, Apple-Chef Tim Cook in Zwangshaft zunehmen. Am Dienstag spielten sich in dem Gerichtssaal in San Diego ungewöhnliche Szenen ab: Eine Jury verfolgte gerade die Eröffnungsplädoyers der Unternehmen, als erste Hinweise auf den Vergleich durchsickerten. Journalisten stürmten aus dem Gerichtssaal, um sich die Informationen offiziell bestätigen zu lassen. Richter Gonzalez Curiel unterbrach daraufhin die Sitzung und entließ die Jury vorübergehend. Die gegnerischen Anwälte tauschten sich aus, bis Curiel die Sitzung fortsetzte.

Weg für Apple frei

"Die beiden Parteien haben die ideale Lösung gefunden", sagte der Richter dann. "Diese Entwicklung ermöglichte es den Tech-Unternehmen wieder ins Geschäft zu kommen und es erlaubt ihnen, sich wieder ihren Angelegenheiten zu widmen", sagte er zu den Geschworenen.

Dass der langjährige Streit nun so plötzlich beigelegt wurde, könnte Experten zufolge an Apple liegen. Denn der iPhone-Konzern droht den Anschluss beim neuen Mobilfunkstandard 5G zu verlieren. Durch die Beilegung des Streits bekommt Apple nun die Möglichkeit, schneller Geräte für den neuen Funkstandard anzubieten – ohne dabei Chips des in den USA geächteten chinesischen Anbieters Huawei verwenden zu müssen. Denn Qualcomm bietet ebenfalls 5G-fähige Chips an.

lg