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Start der Tech-Berichtssaison Zieht Apple alle runter?

Stand: 30.01.2018, 09:31 Uhr

Apples Schwächeanfall ängstigt die Börse. Wenn der iPhone-Hersteller seine Produktion drastisch runterfährt, wird das auch die Zulieferer lähmen. Schlechte Aussichten also für die anlaufende Berichtssaison der Tech-Konzerne?

Das verspricht nicht die besten Aussichten: Apple halbiert die Produktion des iPhone X, wie die Wirtschaftszeitung "Nikkei" schreibt. Der Konzern habe seine Zulieferer darüber informiert, dass im ersten Quartal nur noch rund 20 Millionen des Jubiläums-iPhone gebaut werden sollten.

Noch im November, als das Spitzenmodell eingeführt wurde, war man von 40 Millionen Stück ausgegangen. Aber das Weihnachtsgeschäft sei einfach zu enttäuschend, vor allem in Schlüsselmärkten wie Europa, USA und China.

Das könnte nun weitere Kreise ziehen. Apple könnte die Einführung weiterer iPhone-Modelle mit kostspieligem OLED-Bildschirm verzögern, spekuliert die Wirtschaftszeitung. Samsung ist derzeit der einzige Zulieferer für den iPhone-X-Bildschirm und kann so wohl den Preis diktieren. Das gilt auch als einer der Gründe für den hohen Preis des iPhone X. Das Gerät ist erst ab 1.150 Euro zu haben.

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Apple hat im Weihnachtsgeschäft nach einer Schätzung der Marktforschungsfirma Canalys 29 Millionen Stück des iPhone X ausgeliefert, sieben Millionen davon in China. Der hohe Preis und die gemeinsame Einführung mit dem ebenfalls neuen und im Vergleich billigeren iPhone 8, habe aber dazu geführt, dass dies nicht die “bislang schnellsten iPhone-Verkaufszahlen" waren.

Schlechte Quartalsbilanzen voraus?

Apple lässt nicht unbedingt Gutes hoffen für die Bilanzsaison der Technologiekonzerne, die im Laufe der Woche mit Schwergewichten wie der Google-Mutter Alphabet, Apple, Amazon und Facebook in den USA Fahrt aufnimmt. Zwar treiben Spekulationen auf einen Wirtschaftsboom in der weltgrößten Volkswirtschaft die Leitindizes in New York seit Jahresbeginn weiter von einem Höchststand zum nächsten. Doch Apple gab diesen einen Dämpfer.

Aktien der Apple-Zulieferer litten unter den iPhone-Sorgen, AMS, Qualcomm oder die Papiere der im TecDax notierten Dialog Semiconductor verloren. Bei Dialog kamen Befürchtungen hinzu, dass Apple bei Chips für das Strommanagement des iPhone auf eigene Entwicklungen setzten könnte statt auf Dialog-Chips. Auch die Aktien vieler asiatische Apple-Zulieferer wie Samsung, TDK, Taiwan Semiconductor und Hon Hai schwächelten.

"Attraktive Aktie"

Allerdings sieht längt nicht jeder schwarz für Apple. Das US-Analysehaus Bernstein Research etwa wiegelt ab. Im Vorfeld der am Donnerstag nachbörslich erwarteten Quartalszahlen von Apple bestätigte es seine optimistische Bewertung: "Outperform". Das Kursziel beließ er bei 195 Dollar, was beim aktuellen Kurs von 168 Dollar einem Potenzial von 16 Prozent entspricht. Analyst Toni Sacconaghi hält die Aktie weiterhin für attraktiv.

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ARD-Börse: Technologieaktien heiß begehrt - platzt bald eine Blase?

Sowohl positive als auch negative Überraschungen seien möglich, schrieb er in einer Studie. Unsicherheiten sieht er natürlich wegen der aktuellen iPhone-Nachfrage, bei der es klare Indizien für eine Abkühlung gebe. Entsprechend wichtig dürfte in seinen Augen der Ausblick werden. Sacconaghi rechnet aber damit, dass Apple die Markterwartungen im ersten Geschäftsjahresviertel in den Schatten stellen wird. Er halte es für eher wahrscheinlich, dass die Markterwartungen für die Jahre 2018 und 2019 nach den Resultaten steigen könnten.

Beim Umsatz rechnet er für das zweite Jahresviertel mit einem Zielband von 62 bis 64 Milliarden Dollar. Dieses spreche unter dem Strich für einen Gewinn je Aktie (EPS) gleichauf oder leicht über den Markterwartungen.

Starke Chip-Industrie

So überraschend ist Apples Hiobsbotschaft denn auch nicht. In den vergangenen Jahren gab es im Anschluss an das Weihnachtsgeschäft immer wieder Meldungen über drastische Eünschnitte bei der iPhone-Produktion. Und: Marktforschern zufolge war das iPhone X im vierten Quartal 2017 weltweit am meisten verkaufte Smartphone.

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Das lässt also doch hoffen auf die Berichtssaison. Zumal es bereits positive Nachrichten aus der Chipindustrie gab, eben zum Beispiel von AMS. Der aus der Schweiz stammenden Chip- und Sensorbauer verdoppelte seine Umsätze im vergangenen Jahr, und er stellte für die Zukunft ein schnelleres Wachstum in Aussicht.

Vorschusslorbeeren bekam im Vorfeld seiner Zahlen auch Amazon. Morgan Stanley sieht beim führenden Online-Händler noch Potenzial für höhere Werbeeinnahmen. Die Aktie klomm daraufhin ein Rekordhoch von 1.398 Dollar.

Berichtssaison hin oder her - die Rekorde der Tech-Aktien könnten auch für eine Blase sprechen. Jede schlechte oder nicht ganz so gute Nachricht wäre dann geeignet, die Blase zum Platzen zu bringen.

bs

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Netflix
Der Video-Streaming-Dienst hat ein prächtiges Jahr und ein ebenso gutes viertes Quartal hinter sich, da sind sich Analysten einig. Danach dürfte die Zahl der Abonnenten 2017 um rund 22 Millionen auf circa 115 Millionen gestiegen sein. Für das Schlussquartal rechnen die Experten mit einem Rekordzuwachs. Dass Netflix dabei immer profitabler arbeitet, haben bereits die Zahlen zum dritten Quartal gezeigt. Für Q4, über das Netflix nach US-Börsenschluss berichten wird, liegt die Konsensschätzung bei 0,41 Dollar Gewinn je Aktie.