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Milliardenmarkt Musik-Streaming Apple Music nimmt Spotify aufs Korn

Stand: 01.11.2018, 13:13 Uhr

Der Marktführer Spotify ist noch die klare Nummer eins im kostenpflichtigen Streaming-Geschäft – nur wie lange noch? Denn jetzt greift Apple Music an. Der Tech-Gigant unternimmt große Anstrengungen, um mehr Kunden an sich zu ziehen. Und er hat die Mittel dazu.

„Die Musik ist von monopolistischen Tech-Konzernen kastriert worden“, sagte der kanadische Rockmusiker Neil Young unlängst in einem Interview der „Welt am Sonntag“. Apple und Streamingdienste wie Spotify würden die Musik durch schlechte Klangqualität ruinieren, das sei laut Young ein Verbrechen gegen die Kunst. Ob das, was aus den Boxen dröhnt, wirklich Kunst ist, darüber wissen die Experten Bescheid. Aber offensichtlich ist, dass die allermeisten Konsumenten sich weniger um den Sound scheren, Hauptsache die Musik ist bequem verfügbar.

Das Musik-Streaming hat die physischen Varianten des Musikkonsums mittlerweile auch in Deutschland, dem drittgrößten Musikmarkt der Welt, abgelöst. Im ersten Halbjahr 2018 hat Audio-Streaming laut Bundesverband Musikindustrie mit einem Plus von 35,2 Prozent die CD überholt und ist mit 47,8 Prozent Marktanteil nun – wie bereits in anderen Märkten – größtes Umsatzsegment. Die CD liegt bei einem Marktanteil von 34,4 Prozent, ihr Umsatz ist gegenüber dem ersten Halbjahr 2017 um 24,5 Prozent zurückgegangen.

Umsatzanteile aus dem Musikverkauf im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland

Umsatzanteile aus dem Musikverkauf im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland. | Bildquelle: Bundesverband Musikindustrie e. V., Grafik: boerse.ARD.de

Spotify liegt an der Spitze - noch

Der Gesamtumsatz der Musikbranche erreichte im Jahr 2017 17,3 Milliarden Dollar, ein Wachstum von 8,1 Prozent. Aber laut FPI-Daten, der International Federation of the Phonographic Industry, sind das noch immer lediglich 68,4 Prozent verglichen mit dem Rekordstand des Jahres 1999. Der digitale Markt hält aktuell einen Anteil von 54 Prozent.

Nach Schätzungen der Wirtschaftsberatung PwC soll der globale Streaming-Markt von 6,7 Milliarden Dollar im Jahr 2016 auf 17 Milliarden im Jahr 2021 wachsen. Zum Vergleich: Die Kinobranche setzte im Jahr 2017 knapp 40 Milliarden Dollar um. Jetzt geht es darum, wie der milliardenschwere Kuchen verteilt wird. Noch liegt Spotify in der Pole Position. Aber ob das so bleibt, ist höchst ungewiss.

Spotify-Gründer Daniel Ek

Spotify-Gründer Daniel Ek. | Bildquelle: Unternehmen

Erstmals kein Verlust

Spotify hat inzwischen 87 Millionen zahlende Abo-Kunden, 109 Millionen nutzen die kostenlose Version. Damit ist der schwedische Dienst die klare Nummer vor Apple, der Streaming-Dienst des iPhone-Herstellers hat derzeit rund 50 Millionen zahlende Abonnenten. Aber Apple wird sich mit Rang zwei gewiss nicht zufrieden geben.  

Auch die Anleger scheinen sich Sorgen zu machen. Am ersten Handelstag beim Börsengang im April waren die Aktien noch mit plus 12,9 Prozent bei 149,01 Dollar aus dem Handel gegangen, Ende Juli erreichten sie bei fast 200 Dollar ein Rekordhoch. Aktuell notieren sie allerdings unter 140 Dollar. In den vergangenen vier Wochen hat Spotify ein Fünftel des Börsenwerts eingebüßt.   

Nun gibt es ein positives Signal durch die aktuellen Quartalszahlen. Der schwedische Konzern hatte bislang noch nie Gewinne gemacht, in diesem Quartal gelang erstmals ein Plus von 43 Millionen Dollar. Im zweiten Quartal war der Verlust immerhin 394 Millionen Dollar hoch.

Aber Vorsicht: Durch eine Neubewertung der im Besitz befindlichen Aktien von Tencent Music bekam Spotify eine Steuergutschrift von 125 Millionen Euro, die den Konzern in die Gewinnzone hievte. Immerhin stieg die Zahl der zahlenden Abonnenten um fünf Prozent. Weiteres Wachstum wird Spotify auch dringend brauchen, um sich den größten Konkurrenten vom Hals zu halten: Apple Music.

It's better to burn out than to fade away”

Denn der Apple-Konzern verfügt über derart riesige finanzielle Reserven, dass das Management alles Erforderliche tun kann, um das Segment zu einem Erfolg zu machen. Dazu gehören beispielsweise Exklusiv-Deals mit bestimmten Künstlern. In den USA hat Apple Music Spotify bereits als erfolgreichster Streaming-Dienst abgelöst.

Unlängst erwarb Apple die Musikerkennungs-App Shazam. Das Unternehmen macht den Traum vieler Musikfans wahr: Mit Hilfe der Software kann man herausfinden, wie ein unbekanntes Lied heißt, das man gerade gehört hat. Expertin Annette Zimmermann vom Marktforschungsunternehmen Gartner weist auf einen anderen Vorteil hin. Apple biete ein einheitliches System an, in dem alles miteinander harmoniere und funktioniere.

Apple-Chef Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook: Ein ernster Konkurrent für Daniel Ek. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Nicht nur Apple, auch andere erfolgsverwöhnte Tech-Riesen wie Amazon, Facebook oder die Alphabet-Tochter YouTube intensivieren ihre Bemühungen, um im Milliardenmarkt Musik-Streaming Fuß zu fassen. Wie will Spotify in diesem herausfordernden Umfeld weiter wachsen und die Gewinnzone erreichen, wenn das Management es bis jetzt noch nicht geschafft hat?

ts

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Das ist Spotifys Konkurrenz Fließende Beschallung

Amazon Music

Amazon Music
Dass auch Amazon einen Musik-Streamingdienst anbietet, wird niemanden überraschen. Eine Basisversion des Dienstes mit rund zwei Millionen Songs ist praktisch in der Prime-Mitgliedschaft enthalten. Wer auf mehr als 40 Millionen Songs zurückgreifen will, der muss Amazon Music Unlimited abonnieren. Amazon veröffentlicht zwar keine Abonnentenzahlen, aber wenn man sich breite Basis der Amazon-Kunden betrachtet, werden es sicher einige Millionen sein.