Präsentation iPhone Xs
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Präsentation am Abend Apple: Neues aus Cupertino

Stand: 13.09.2018, 10:37 Uhr

Auch in diesem Jahr hat Apple den September genutzt, um eine Reihe neuer Produkte vorzustellen. Kernstück bleibt natürlich das iPhone, aber auch die Smart Watch bietet grundlegend Neues.

So ist es dem Kultkonzern gelungen, aus der Uhr gleichzeitig ein EKG-Messgerät zu machen. Ein Nutzer kann ein solches Elektrokardiogramm erstellen, indem er einfach den Finger für eine halbe Minute an die Krone der Gehäuseseite halte, erklärte für Apple Jeff Williams am Abend. Die Funktion sei bereits von der US-Gesundheitsbehörde FDA freigegeben. Zudem werde das Display etwas größer und das Gehäuse dünner.

Apple ist der erste Anbieter, der einen EKG-Sensor in einer Computer-Uhr unterbringen konnte. Wann die Funktion auch außerhalb der USA verfügbar sein wird, bleibt offen. Die Apple Watch Series 4 kann dank neuer Sensoren nun auch erkennen, wenn ihr Besitzer gestürzt ist, und automatisch Hilfe rufen.

Apple Watch Series 4

Apple Watch Series 4. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Neuauflage des iPhone X

Bei den iPhones setzt Apple auf Modelle mit großen Bildschirmen. Die neuen Modelle verzichten zudem komplett auf den traditionellen Home-Button, der einst die Smartphone-Bedienung prägte. Extra für Kunden in Schwellenländern gibt es die neuen Modelle auch in Goldfarben.

Apple Watch Series 4

Apple Watch Series 4. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Das iPhone Plus, der große Bruder des Flaggschiffs X, heißt künftig iPhone Xs Max und hat ein Display von 6,5 Zoll. Dank eines neuen Prozessors (A12) soll das Gerät 15 Prozent schneller sein und zudem weniger Strom verbrauchen. Fortschritte verspricht Apple auch bei der Akku-Haltedauer. Beim Xs sollen es 60, beim Xs Max sogar 90 Minuten mehr sein. Auch die neue Dual-Kamera auf der Rückseite soll einen schnelleren Sensor haben und besitzt wieder zwölf Megapixel. Zudem sollen Bilder gegen die Sonne besser werden.

Spitzenmodell kostet 1.649 Euro

Allerdings hat das neue Spitzenmodell in der üppigen 512-Gigabyte-Ausstattung auch seinen Preis: mit 1.649 Euro (inklusive Mehrwertsteuer) ist es so teuer ist wie kein iPhone zuvor. Allerdings richtet sich das Modell mit dem großen 6,5-Zoll-Bildschirm vor allem an Kunden in Asien, wo solche "Phablets" (Mix-Wort aus "Phone" und "Tablet") besonders populär sind. "Während Samsung mit dem Galaxy Note und andere Hersteller hier erfolgreich unterwegs sind, hatte Apple in dieser Kategorie nichts im Programm", sagt Annette Zimmermann von Marktforschungsunternehmen Gartner. "Das war einer der wichtigste Gründe, warum Apple in den letzten Jahren in China nicht mehr gewachsen ist".

 iPhone Xs und Xs Max

iPhone Xs und Xs Max. | Bildquelle: Unternehmen

Vor einem Jahr hatte Apple es gewagt, sich mit dem iPhone X in den USA erstmals an die psychologisch wichtige Schwelle von 1.000 Dollar (ohne Mehrwertsteuer) heranzutasten. Da die Preise in Europa stets die Steuern enthalten, wurde in Deutschland sogar die 1000-Euro-Marke überschritten. Etliche Beobachter bezweifelten damals, dass die Kunden bereit sind, so viel Geld für ein Smartphone auszugeben. Doch sie wurden eines Besseren belehrt. Das teure iPhone X verkaufte sich nach Angaben von Apple besser als die preiswerteren Modelle wie das iPhone 8 und steigerte die Konzerngewinne weiter.

Zum Weihnachtsgeschäft tritt Apple aber nicht nur mit zwei neuen teuren Spitzen-Modellen iPhone Xs (5,8 Zoll) und Xs Max (6,5 Zoll) an: Das neue iPhone Xr (6,1 Zoll) soll die Kunden ansprechen, die unter der 1000-Euro-Schwelle bleiben wollen. Der iPhone-Hauptchip, der A12 Bionic, ist bei allen drei Modellen identisch. Unterschiedlich ist die Qualität des Displays.

iPhone XR

iPhone XR. | Bildquelle: Unternehmen

Phil Schiller, Apple's Senior Vice President of Worldwide Marketing, stellt das neue Apple iPhone XS vor

Apple iPhone XS. | Bildquelle: picture alliance / AP Images

Das iPhone ist das wichtigste Apple-Produkt und erwirtschaftet rund zwei Drittel des Konzernumsatzes. Obwohl Apples Marktanteil beim Smartphone-Absatz gerade einmal bei 15 Prozent liegt, sichert sich das Unternehmen dank der Popularität der teuren iPhones den Löwenanteil der Branchengewinne.

Warten auf größere Produktneuheiten

Auf größere Produktneuheiten, die ganze Branchen umkrempeln, werden Apple-Fans aber noch länger warten müssen. Die Apple-Ingenieure arbeiten dem Vernehmen nach intensiv an einer Computer-Brille, die ähnlich wie beim Konzept von Google Glass künstliche Realität und die Wirklichkeit miteinander vermengen soll. Im Gegensatz zu dem Google-Flop soll die Technik hier funktionieren und das Gerät datenschutzfreundlicher ausgelegt sein. Außerdem forschen etliche Apple-Mitarbeiter an der Technik für selbstfahrende Autos.

An der Börse kam die Präsentation der neuen Produkte zunächst nicht gut an. Die Apple-Aktie schloss am Abend in New York 1,24 Prozent schwächer und folgte damit dem insgesamt schwächelnden Technologiesektor. Anleger haben trotzdem nichts zu meckern: Die Apple-Aktie hat seit Jahresbeginn rund 30 Prozent zugelegt. Und noch ist kein Ende der Fahnenstange abzusehen.

Bullische Analysten

Die Investmentbank Morgan Stanley hat das Kursziel für den Konzern nach den Produktpräsentationen von 245 auf 247 Dollar angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Höhere Preise für die neuen iPhones und eine Dual-SIM-Funktion seien die positiven Überraschungen, schrieb Analystin Kathryn Huberty in einer am Morgen vorgelegten Studie. Sie hob ihre Umsatz- und Ergebnisschätzungen für das Geschäftsjahr 2019 um 4,3 und 4 Prozent

UBS-Analyst Timothy Arcuri hatte sein Kursziel für Apple bereits zuvor von 215 auf 250 Dollar angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Seine Prognose für den Gewinn je Aktie (EPS) 2019 liege wegen seiner Annahmen für den iPhone-Absatz und für steigende Gerätepreise rund sechs Prozent über der Konsensschätzung. Zudem werde die Aktie erstmals seit sieben Jahren nicht mehr mit einem Aufschlag zum marktbreiten US-Aktienindex S&P 500 gehandelt und dürfte sich erholen.

rtr/dpa/lg/rm