Apple-Chef Tim Cook präsentiert neue Produkte

Gesättigter Smartphone-Markt Apple hat einen Plan B

von von Lothar Gries

Stand: 23.11.2018, 06:45 Uhr

Sinkende iPhone-Verkäufe machen Apple schwer zu schaffen. Doch der Tech-Gigant aus dem Silicon Valley hat schon einen Plan, um seine Abhängigkeit vom iPhone zu reduzieren.

Es ist bereits das dritte Mal in ihrer Geschichte, dass die Apple-Aktie einen drastischen Einbruch erlebt: zunächst ab September 2012, dann ab Mai 2015. Jedes Mal war es die Furcht vor einbrechenden Verkaufszahlen des iPhones, des mit Abstand wichtigsten Apple-Produkts, die die Kurse abstürzen ließ.

Allerdings war der Rückgang stets nur von kurzer Dauer. Mit neuen Modellen schaffte es das Unternehmen, die Gunst der Kunden zurückzuerobern. Die Verkaufszahlen kletterten wieder auf neue Rekorde und auch mit dem Aktienkurs ging es wieder steil bergauf. So steil, dass es Apple in diesem Jahr als erstem Unternehmen weltweit gelang, seinen Marktwert über die magische Schwelle von 1.000 Milliarden Dollar zu hebeln.

Gesättigte Märkte

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 5 Jahre
Kurs
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Differenz relativ
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Und jetzt? Auch diesmal hat es die Aktie heftig erwischt. Über 50 Dollar hat sie seit Anfang Oktober eingebüßt, ein Verlust in zweistelliger Milliardenhöhe. Auch diesmal geht es wieder ums iPhone. In den vergangenen Wochen haben sich die Hinweise verdichtet, dass die neuen Modelle weniger nachgefragt sind als erhofft. Apple habe deshalb die Produktionsaufträge für die beiden Top-Modelle XS und XS Max sowie auch für das etwas günstigere XR gesenkt, schrieb das "Wall Street Journal".

Analysten haben die Verkaufsprognosen für das XR um 30 Prozent gesenkt. Vor allem in China sinke die Nachfrage nach den teuren Geräten rapide, hieß es. Es habe den Anschein, als sei beim XR das Verhältnis von Aufpreis und Ausstattung bei Konsumenten außerhalb der USA nicht gut angekommen. Im Klartext heißt das: Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht.

Servicebereich wird immer wichtiger

Anhand von Verkaufszahlen des iPhones wird sich Apple künftig ohnehin nicht mehr bewerten lassen. Ab Dezember will Apple die verkauften Stückzahlen von iPhones nicht mehr ausweisen. Das sei nicht mehr notwendig, weil angesichts des starken Wachstums der im Geschäftsbereich "Services" enthaltenen Produkte und Dienstleistungen nun die Gesamteinkäufe eines Apple-Kunden entscheidend seien. Würde man die Ertragskraft eines Supermarktes abschätzen wollen, erklärte Apple-Chef Tim Cook, würde man ja auch nicht die Anzahl der Waren im Einkaufskorb des durchschnittlichen Kunden messen, sondern den Gesamtwert des Inhalts des Einkaufswagens. Für das Geschäft mit der Smartwatches hat der Konzern von Anfang an keine detaillierten Zahlen veröffentlicht.

Vergleich Apple-Umsatzanteile Q4 2015 und 2018

Wie sich der Apple-Umsatz zusammensetzt. | Grafik: boerse.ARD.de

Hat Apple also einen Plan B, um seine Abhängigkeit vom iPhone zu verringern? Experten verweisen darauf, dass die Kalifornier in den vergangenen Jahren den Anteil aus dem Servicebereich konstant ausgebaut haben, während die Bedeutung des iPhone zurückging. So generierten die Dienstleistungen in diesem Sommer knapp 16 Prozent der gesamten Einnahmen, vor knapp drei Jahren waren es noch knapp zehn Prozent. Und dieser Anteil dürfte weiter steigen, weist dieser Bereich doch deutlich höhere Wachstumsraten auf als die anderen Abteilungen.

Apple bleibt Produkthersteller

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 5 Jahre
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So will Apple im kommenden Jahr ein exklusives Streamingangebot starten. Dafür gibt der Konzern eine Milliarde Dollar aus. Geplant ist, das Angebot in der seit Ende 2016 bestehenden TV-App anzubieten. Der Clou dabei: Für Besitzer eines iPhones, iPads oder Apple TV, auf denen die App vorinstalliert ist, sollen die exklusiven Serien- und Filminhalte kostenlos zur Verfügung stehen. Zudem hat Apple eine mehrjährige Zusammenarbeit mit der bekannten TV-Moderatorin Oprah Winfrey beschlossen.

Trotzdem bleibt Apple in erster Linie ein Produkthersteller - und wird es wohl auf absehbare Zeit auch bleiben. Viele seiner Dienste wie der Sprachassistent Siri, die Apple-Mail oder das Speichersystem iCloud hinken den Konkurrenten von Google & Co weit hinterher oder haben sich als finanzieller Flop erwiesen.

Glänzend verdienendes Unternehmen

Apple steht nach Ansicht vieler Fachleute dennoch nicht vor dem Niedergang. Im Gegenteil. Auch wenn die Quartalserwartungen einiger Analysten verfehlt werden, ist Apple weiterhin ein glänzend verdienendes Unternehmen. Allein in den Sommermonaten Juli bis September konnte der Umsatz um ein Fünftel auf 62,9 Milliarden Dollar gesteigert werden. Dabei verdiente der Konzern satte 14,1 Milliarden Dollar - rund 32 Prozent mehr als vor einem Jahr. Und nicht zu vergessen: Das Unternehmen verfügt über einen Cashbestand von 120 Milliarden Dollar.

Analysten sind überzeugt, dass Apple auch künftig zweistellige Wachstumszahlen erzielen wird. Sie verweisen dabei auch auf bisher unausgeschöpfte Produktentwicklungen. Neben den teuren Premiumtelefonen habe der Konzern jederzeit die Möglichkeit, auch günstigere Einstiegsmodelle anzubieten, sowohl im iPhone-Bereich als auch bei Laptops. Damit könne Apple versuchen, auf den indischen Markt zu drängen, wo es bisher kaum vertreten ist.

Möglicherweise sind die Sorgen über die Zukunft von Apple also schon bald wieder Geschichte, nämlich dann, wenn der Konzern Anfang nächsten Jahres wieder über hohe Zuwächse beim Umsatz und Gewinn berichten wird und dabei besonders auf das Wachstum der Sparte Services hinweisen kann.

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Womit Apple sein Geld verdient Viel mehr als iPhone und iPad

Apple-Logo am Sternenhimmel

Apple ist der Gigant unter den weltweit agierenden Technologieunternehmen: Der Umsatz lag im vergangenen Quartal (bis Ende September) bei 62,9 Milliarden Dollar, der Gewinn bei 14,1 Milliarden. Die Gesamtmarge stieg auf 38,3 Prozent. Der Löwenanteil kommt dabei immer noch vom iPhone.