Apple-Store in Shanghai

Wachstum durch Übernahmen Apple: Der nächste Coup?

von Lothar Gries

Stand: 30.01.2019, 06:45 Uhr

Die letzten Monate waren nicht leicht für Apple-Aktionäre: Die Warnung vor sinkenden iPhone-Verkäufen hat die Aktie schwer belastet. Experten sind überzeugt: Apple muss sich breiter aufstellen, um seine Abhängigkeit vom Smartphone zu reduzieren. An möglichen Kandidaten herrscht kein Mangel. Doch wer passt zu dem eigenwilligen Konzern?

Spätestens seit der Warnung von Anfang Januar vor sinkenden Umsätzen - allen voran in China - mehren sich die Stimmen derer, die fordern, dass sich Apple breiter aufstellen müsse: Weg vom zunehmend gesättigten Smartphone-Markt hin zu anderen Dingen, mit denen sich auch ordentlich Geld verdienen lässt. Zwar ist die Wachstumsstory von Apple noch nicht vorbei - die Umsätze sind 2018 um 20 Prozent gestiegen - doch könnte das Plus bereits in diesem Jahr auf einen einstelligen Wert schrumpfen.

Jedes Unternehmen komme in seiner Geschichte an den Punkt, an dem es sich neu erfinden müsse, wenn es weiter wachsen und überleben wolle, argumentieren die Kritiker. Apple brauche allmählich einen Ersatz für das iPhone. Dabei taucht regelmäßig eine ganze Liste potenzieller Firmen auf, die Apple kaufen könnte.

Auf der Suche nach dem "Wow-Effekt"

Auch Konzernchef Tim Cook hat sich längst entsprechend umgeschaut. "Wir sehen uns viele, viele Firmen an, auch große", verriet er jüngst in einem Gespräch mit CNBC. "Aber wir haben bisher nicht zugeschlagen, weil noch kein Kandidat dabei war, von dem wir sagen konnten, wow, der passt genau zu uns. Aber ich schließe nicht aus, dass das noch passieren wird."

Dank gigantischer Geldreserven ist Apple in der Lage, sich ein passendes Unternehmen auszusuchen und sich dessen Knowhow und Marktstellung kurzerhand einzuverleiben, so wie das zuletzt 2014 mit der Kopfhörermarke Beats geschehen ist. Tatsächlich verfügt der Apfel-Konzern über Cash-Reserven von 200 Milliarden Dollar. Wer ist also 2019 dran?

"Asiatischer Zwilling"

Der japanische Spieleanbieter Nintendo etwa gilt als "asiatischer Zwilling" von Apple: Beide Unternehmen schwimmen im Geld, verfügen über treue Kunden und attraktive Ökosysteme aus Software und Dienstleistungen. Das renommierte Börsenmagazin "Barron's" ist sich deshalb sicher: Apple und Nintendo passen perfekt zusammen. Dabei könne Apple von Microsofts Erfolg lernen. Immerhin habe dieses Unternehmen seit seinem Einstieg in die Spielewelt ein profitables Geschäft rund um die Marke XBox aufgebaut.

Mit Nintendo hätte der iPhone-Konzern jetzt die Chance, sich am jährlich um neun Prozent wachsenden Spielemarkt zu beteiligen, indem er den "qualitativ besten Spielehersteller der Welt" zu einem "vernünftigen Preis" kaufe. Zur Orientierung: Nintendos Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 38 Milliarden Euro.

Und was ist mit Salesforce?

In der Liste der Übernahmekandidaten taucht auch regelmäßig der Name Tesla auf. Wie Apple stellt der E-Autobauer schöne, verbraucherfreundliche und effiziente Produkte her. Zudem ist es kein Geheimnis, dass Tesla-Chef Elon Musk das Unternehmen von der Börse nehmen will, um es abseits der Wall Street in Ruhe entwickeln zu können. Auch ist bekannt, dass Apple selbst seit Jahren an der Entwicklung elektrischer und selbstfahrender Autos arbeitet.

Neu aufgetaucht in der Liste der möglichen Übernahmekandidaten ist der Cloudsoftware-Pionier Salesforce. Die Software sei einfach zu bedienen und eigne sich auch für kleine und mittelständische Kunden. Zwar betrete Apple als Hardwarehersteller mit dem Kauf eines Unternehmens wie Salesforce komplettes Neuland - "off focus", wie es in den USA heißt - doch könnte eine solche Übernahme genau die "Story" sein, die Investoren und Aktionäre hören wollen. Auch Amazon, Google und Microsoft sind in Segmenten außerhalb ihrer Kernaktivitäten tätig.

Auch iRobot käme in Frage

Hinzu komme, so die Fachleute, dass Salesforce-Gründer und Vorstand Marc Benioff bereits 2015 versucht habe, den Konzern zu veräußern - an Microsoft. Damals wurde Salesforce an der Börse mit 50 Milliarden Dollar bewertet, heute ist das Unternehmen mehr als doppelt soviel wert. Auch ist unklar, ob Benioff derzeit bereit wäre, überhaupt zu verkaufen. Auf jeden Fall würde ein solcher Zukauf sehr teuer.

Deutlicher billiger käme die Übernahme von iRobot, ein Hersteller von Robotern, der mit 2,4 Milliarden Dollar bewertet wird und hervorragend zu Apple passen würde, so Fachleute. Das Angebot umfasst Roboter zum Reinigen von Fußböden und Swimmingpools.

Schwierige DNA

Der Vorteil solch kleinerer Firmen ist, dass sie sich besser in einen Riesenkonzern integrieren als Walt Disney oder Salesforce. Zudem glauben viele Fachleute, dass größere Übernahmen nicht zur "Unternehmens-DNA" von Apple passen. Die Apple-Kultur sei einfach sehr eigen. Konzerngründer Steve Jobs sagte einst: "Technologie allein reicht nicht aus, um die Herzen der Kunden zu freuen. Sie muss auch mit den schönen Künsten und mit Geisteswissenschaften im Einklang stehen."

Schwer zu sagen, ob diese Vorgaben noch heute gelten. Sicher ist, dass sich Apple aus der Abhängigkeit vom iPhone lösen muss. Der schnellste Weg auf diesem Weg wäre ein Zukauf. Seit der Übernahme vor knapp fünf Jahren des Kopfhörerherstellers Beats Electronics für damals drei Milliarden Dollar, ist der Konzern vor weiteren Zukäufen aber zurückgeschreckt.

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<strong>Nintendo</strong><br/>Am häufigsten genannt wird der japanische Spieleanbieter Nintendo. Die Firma gilt als "asiatischer Zwilling" von Apple: Beide Unternehmen schwimmen im Geld, haben heißgeliebte Marken aufgebaut, verfügen über treue Kunden und attraktive Ökosysteme aus Software und Dienstleistungen. Das renommierte Börsenmagazin "Barron's" ist sich sicher: Apple und Nintendo passen perfekt zusammen. Dabei könne Apple von Microsofts Erfolg lernen. Immerhin habe dieses Unternehmen seit seinem Einstieg in die (Konsolen-)Spielewelt ein profitables Geschäft rund um die Marke XBox aufgebaut.: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

Nintendo
Am häufigsten genannt wird der japanische Spieleanbieter Nintendo. Die Firma gilt als "asiatischer Zwilling" von Apple: Beide Unternehmen schwimmen im Geld, haben heißgeliebte Marken aufgebaut, verfügen über treue Kunden und attraktive Ökosysteme aus Software und Dienstleistungen. Das renommierte Börsenmagazin "Barron's" ist sich sicher: Apple und Nintendo passen perfekt zusammen. Dabei könne Apple von Microsofts Erfolg lernen. Immerhin habe dieses Unternehmen seit seinem Einstieg in die (Konsolen-)Spielewelt ein profitables Geschäft rund um die Marke XBox aufgebaut.