Die computergenerierte Grafik zeigt, wie autonomes Fahren in der Zukunft aussehen könnte

Google und Tesla im Vorteil Apple: Dauerbaustelle Autonomes Fahren

von von Andreas Braun

Stand: 04.06.2018, 11:51 Uhr

Der iPhone-Hersteller versucht seit Jahren bei der Zukunftstechnologie einen Fuß in die (Auto)tür zu bekommen. Doch eine große Kooperation im Bereich der selbstfahrenden Autos will Apple nicht gelingen. Nun hat man eine kleinere Partnerschaft mit VW gekündigt. Das Rennen scheint aber die Konkurrenz zu machen.

Schaut man in die Statistik der Meilen, die autonome Fahrzeuge in den vergangenen Jahren im US-Bundesstaat Kalifornien zurückgelegt haben, ist klar: Die Alphabet-Tochter Waymo ist am weitesten, wenn es um das Testen der Hard- und Software von computergesteuerten Autos im Echteinsatz geht. Rund 1,5 Millionen Meilen haben die Waymo-Autos bereits dort an Erfahrungen gesammelt. Die gesamte Konkurrenz kommt nicht einmal auf ein Fünftel dieses Wertes.

iCar bleibt ein Traum

Zu den abgeschlagenen Mitbewerbern zählt nach Ansicht von Experten auch Apple. Dabei hatte sich der iPhone-Hersteller bereits vor Jahren mit großen Ambitionen dem Thema autonomes Fahren genähert. Einst waren am Markt sogar Gerüchte umgegangen, Apple plane ein eigenes Apple-Car oder iCar. Das Projekt "Titan", mit dem Apple vor rund vier Jahren laut Medien "eine Neuerfindung des Autos" betrieben hatte, wurde offenbar längst beerdigt.

Statt die Planung eigener Autos voranzutreiben, beschränkte sich das Unternehmen darauf, Software für selbstfahrende Autos bereitzustellen. Größere Kooperationen mit Herstellern wollten Apple allerdings nicht gelingen. Die Ankündigung, im Hauptquartier von Apple selbstfahrende Personentransporter zwischen seinen Standorten in Kalifornien pendeln zu lassen, gilt in der Branche als Abgesang auf das "Titan"-Projekt. Dabei spielt eine neue Kooperation mit VW eine Rolle. Die T6-Transporter, mit der die Apple-Angestellten befördert werden sollen, kommen aus Wolfsburg, berichtete vor zwei Wochen die "New York Times". Apple liefert dabei die Software, die die Fahrzeuge autonom steuern soll.

Kleine Flotte, große Flotte

Bei Experten gilt auch diese Zusammenarbeit nicht als großer Wurf in Richtung autonomes Fahren. Das gilt auch für die vergleichsweise bescheidene "Flotte" von rund 50 Lexus SUVs, die mit Apple-Steuerung weitere Fahrversuche machen. Waymo, die Tochter der Google-Muttergesellschaft Alphabet, ist da bereits mehrere Schritte weiter: Den rund 600 FiatChrysler-SUVs, die bereits auf den Straßen fahren, werden laut dem Unternehmen demnächst "Tausende" weitere Fahrzeuge folgen. Und erst im März wurde eine Kooperation mit Jaguar unterzeichnet, bei der Waymo seiner Elektro-Flotte bis zu 20.000 Land Rover eingliedern darf.

Während Waymo von Analysten gelobt und inzwischen auf einen Wert von bis zu 135 Milliarden Dollar geschätzt wird, will Apple der große Deal bislang nicht gelingen. Viele der arrivierten Hersteller forschen mit Partnern bereits seit längerem am autonomen Fahren und wollen ihren Erfolg und auch ihr Know-how nicht mit Apple teilen oder autonom fahrende Fahrzeuge mit der eigenen Marke am Markt platzieren.

Experten sehen verschiedene Optionen

Bleibt die Frage, welche Schritte der US-Technologieriese in den kommenden Monaten unternehmen könnte, um beim Thema autonomes Fahren doch noch "in die Gänge" zu kommen. Gene Munster, einflussreicher US-Venturefonds-Manager, sieht die VW-Kooperation als Zeichen dafür, dass sich Apple endgültig dafür entschieden hat, beim Thema ein Software-Dienstleister zu werden. Die Software- und Services-Sparte des Unternehmen sei noch für eine Überraschung gut, so Munster.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,67
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-1,80%

An der Wall Street wird dieser Tage wieder einmal über ein mögliches Manöver gemunkelt, mit dem sich Apple als ernsthafter Herausforderer von Waymo und Google positionieren könnte: Eine Übernahme von Tesla würde den Weg dahin ebnen. Allerdings, so das Wall Street-Portal "The Street" kürzlich: Mit den Schulden des Elektroauto-Herstellers und einem Aufschlag auf den derzeitigen Aktienkurs von Tesla würde Apple bis zu 70 Milliarden Dollar dafür in die Hand nehmen müssen. Ob Apple der Befreiungsschlag in Sachen autonomes Fahren so viel wert ist, weiß wohl derzeit nur Apple-Chef Tim Cook.

Aktie schwebt auf iPhone-Erfolg

Apple-Aktionäre haben derzeit ohnehin eigentlich keinen Grund zur Klage. Nachdem das Unternehmen Anfang Mai gute Quartalszahlen gemeldet hatte, eilt sie von Rekord zu Rekord. Bis auf weiteres reichen den Anteilseignern offenbar anhaltend gute Verkäufe bei iPhone und iPad.

AB