Ant Group

Trotz Drohungen aus den USA Alibaba-Tochter Ant ist bei Investoren heiß begehrt

Stand: 16.10.2020, 10:52 Uhr

Die Ant Group stößt bei den Vorbereitungen zum weltgrößten Börsengang auf reges Interesse der Investoren. Der "Ameisen"-Konzern könnte nun noch höher bewertet werden als bislang. Allerdings will die USA Ant auf eine schwarze Liste setzen.

Um das weltgrößte Fintech Ant ist ein Streit zwischen China und den USA entbrannt. Die Trump-Regierung plant offenbar Sanktionen gegen die Alibaba-Tochter. Sie versucht anscheinend, Amerikanern eine Teilnahme an dem eigentlich noch für diesen Monat geplanten Börsengang von Ant Group zu verwehren. Sie fürchtet, dass die chinesische Regierung auf sensible Bankdaten von künftigen US-Nutzern der Ant-Zahlungsapp AliPay zugreifen könnte.

Wie die Sanktionen gegen das Unternehmen konkret aussehen, blieb unklar. Insider sagten Reuters, das Außenministerium habe der Regierung Vorschläge gemacht, aber es sei nicht klar, wann sich die betreffenden Behörden damit beschäftigen.

Alibaba-Chef Jack Ma

Alibaba-Chef Jack Ma. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das US-Außenministerium will den zum Firmenimperium des Alibaba-Gründers Jack Ma gehörenden Konzern auf eine schwarze Liste setzen, wie Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten. China erklärte am Donnerstag, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Rechte und Interessen seiner Unternehmen zu schützen.

"Das ist Mobbing"

Die USA missbrauchten ihr Konzept der nationalen Sicherheit, um Firmen aus dem Ausland zu unterdrücken, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums. "Das ist Mobbing." Die beiden Länder fechten seit Jahren einen erbitterten Handelsstreit um Zölle aus.

Die US-Regierung um Präsident Donald Trump setzte zahlreiche Firmen aus China wie den Mobilfunkausrüster Huawei auf eine schwarze Liste, die es US-Unternehmen untersagt, mit den Firmen aus China Geschäfte zu betreiben. Auch der Streit um das Schicksal der Video-App Tiktok in den USA scheint festgefahren.

280 Milliarden Dollar Bewertung

Trotz der Drohungen aus Washington hält die Ant Group Insidern zufolge bei seinem Börsengang nun eine noch höhere Bewertung des eigenen Unternehmens für möglich. Der Finanzarm der weltgrößten chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba strebe nun eine Bewertung von rund 280 Milliarden Dollar (239 Mrd Euro) an, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mit dem Thema vertraute Personen.

Zuletzt war noch von einer Bewertung von 250 Milliarden Dollar die Rede gewesen. Das Erlösziel bleibt dem Vernehmen nach aber unverändert: Die Ant Group will bei dem Börsengang mindestens 35 Milliarden US-Dollar (30 Mrd Euro) einspielen. Dieses Ziel wie auch die Erwartung an die Firmenbewertung wurden erst Mitte September angehoben

Noch andere Hürden

Experten gehen davon aus, dass Trump in diesem Fall Anlegern nicht verbieten kann, sich an dem Börsengang von Ant in Hongkong und Shanghai zu beteiligen.

Die drohenden Sanktionen sind jedoch nicht die einzige Hürde für das Fintech, das zuletzt mit mehr als 200 Milliarden Dollar bewertet wurde. Insidern zufolge prüft die chinesische Regierung einen Interessenskonflikt, weil die Zahlungsplattform Alipay für manche Kleinanleger der einzige Kanal ist, Aktien von Ant zu zeichnen und am Börsengang teilzunehmen.

Börsengang der Superlative

Noch wartet Ant Group auf die finale Genehmigung des Börsengangs. Ende August hatte Ant Group die Unterlagen für einen doppelten Börsengang in Hongkong und Shanghai eingereicht. Im September gab es dazu grünes Licht aus Shanghai, die nächsten Tage wird laut den Insidern mit der Genehmigung aus Hongkong gerechnet. Das IPO könnte einen neuen Rekord bringen: Insidern zufolge will der Konzern mindestens 35 Milliarden US-Dollar einspielen.

Damit wäre die Ant Group auf Kurs zu einem Rekord-Börsengang. Den bisherigen Rekord hält der Ölkonzern Saudi Aramco, dessen Börsengang im vergangenen Jahr 29,4 Milliarden Dollar einbrachte.

Alibaba ADR: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
260,50
Differenz relativ
-3,16%

Mit Alipay betreibt Ant den dominierenden Bezahldienst in China und bietet über Apps auch Kredite, Versicherungen und Vermögensmanagement-Dienste an. Mit dem IPO wolle der Konzern weiter wachsen und seinen Vorsprung als führende Online-Zahlungsplattform in China ausbauen, heißt es in den Unterlagen. Der Amazon-Rivale Alibaba hält ein Drittel der Anteile an Ant Group.

tb/nb