Büume mit leuchtendem Herbstlaub vor blauem Himmel

Handelsstreit und Schwellenländer-Turbulenzen Anlegern droht heißer Herbst

Stand: 02.09.2018, 11:57 Uhr

Der wechselhafte Börsen-Sommer ist vorbei. Der August endete mit Kursverlusten. Nun beginnt auch noch der Horror-Monat September. Der andauernde internationale Handelskonflikt könnte für einen trüben Start in den Herbst sorgen.

Das Nafta-Abkommen steht vor dem Aus. US-Präsident Donald Trump drohte am Wochenende dem Nachbarn im Norden mit dem Ausschluss aus dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen. Es gebe keine "politische Notwendigkeit", Kanada in der Neufassung des Nafta mit Mexiko zu halten, schrieb Trump am Samstag auf Twitter. Wenn es keinen "fairen Deal für die USA nach Jahrzehnten des Missbrauchs" gebe, sei Kanada "draußen", twitterte Trump. Die Gespräche wurden auf kommende Woche vertagt. Die deutsche Wirtschaft zeigte sich besorgt.

Mieser August für den Dax

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Noch am letzten Montag hatte die Grundsatzeinigung zwischen den USA und Mexiko über ein neues Handelsabkommen und positive Signale von Kanada die Anleger optimistisch gestimmt. Der Dax kletterte Richtung 12.600 Punkte, gab dann aber bis Freitag seine gesamten Wochengewinne wieder ab. Damit endete der Börsenmonat August mit einem Minus von rund 3,5 Prozent.

Wall Street weiter im Höhenflug

S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Fast im diametralen Gegensatz dazu entwickelte sich die Wall Street. Der Dow legte im August fast 2,2 Prozent zu und beendete die letzte Woche 0,7 Prozent im Plus. Der S&P 500 stieg gar im abgelaufenen Monat um drei Prozent. Der breite Blue-Chip-Index befindet sich inzwischen in der längsten Hausse der Geschichte. Seit dem 9. März 2009 dauert nun schon der Bullenmarkt ohne einen Rücksetzer von 20 Prozent oder mehr.

Doch ob die gute Stimmung an der Wall Street abhält, darf bezweifelt werden. Neben dem ungewissen Ausgang der Gespräche über ein neues nordamerikanisches Freihandelsabkommen zwischen den USA und Kanada könnte in der kommenden Woche der Handelskonflikt mit China weiter eskalieren. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg will Trump am Mittwoch weitere Zölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar verhängen. Zudem lehnte Trump die Vorschläge der EU über die gegenseitige komplette Abschaffung von Autozöllen zunächst ab.

"Es rumort im Hintergrund weiter"

"Die auf Wochensicht geringen Bewegungen an den Finanzmärkten täuschen darüber hinweg, dass es im Hintergrund weiter ordentlich rumort", meint Analystin Claudia Windt von der Helaba. Sie spricht von einer "Atempause". Die Stimmung an den Börsen bleibe gedämpft, solange das Risiko einer Emerging-Markets-Krise schwele. Die Währungen vieler Schwellenländer gaben zuletzt kräftig nach, allen voran die türkische Lira, der argentinische Peso und die indische Rupie.

Warten auf die US-Arbeitsmarktdaten

Gespannt blicken Anleger auf die US-Arbeitsmarktdaten am kommenden Freitag. Von ihnen erhoffen sie sich Hinweise auf Zeitpunkt und Tempo der erwarteten Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Einen Vorgeschmack liefern die Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP am Donnerstag - wegen eines US-Feiertags am Montag einen Tag später als üblich. Der Stellenaufbau werde voraussichtlich relativ gering ausfallen, was aber kein Grund zur Besorgnis sei, prophezeit Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Die Arbeitslosenquote werde dennoch auf 3,8 Prozent sinken.

Bayer: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Bei den Unternehmen steht am Mittwoch Bayer im Blickpunkt. Als Nachzügler legt der Pharma- und Agrarchemiekonzern seine Quartalszahlen vor. Um die Geschäfte des kürzlich übernommenen Saatgut-Anbieters Monsanto in das Zahlenwerk einzuarbeiten, hat Bayer die Veröffentlichung seiner Bilanz verschoben. Investoren interessieren sich vor allem für die Frage, wie hoch die möglichen Rückstellungen für drohende Schadensersatzzahlungen bei den anhängenden Glyphosat-Prozessen sind.

Reform der deutschen Indexwelt

Darüber hinaus werden in der kommenden Woche zahlreiche Börsen-Indizes durcheinander gewirbelt. Am 5. September wird die Deutsche Börse die endgültige Zusammensetzung der neu geordneten Nebenwerte-Indizes bekanntgeben. Der MDax wird auf 60 und der SDax auf 70 Mitglieder erweitert. Die bisherigen TecDax-Mitglieder werden auf diese beiden Indizes verteilt. Der TecDax selbst wird zu einem Zweitnotierungsindex für die Technologiewerte aus Dax, MDax und SDax heruntergestuft.

Auch in der Dax-Zusammensetzung wird sich voraussichtlich etwas ändern. Am Mittwoch wird wohl der Abschied der Commerzbank aus dem Dax besiegelt. Aussichtsreichster Kandidat für den Aufstieg in die erste Börsenliga ist der Online-Zahlungsabwickler Wirecard. Am Montag wird der Anbieter Stoxx voraussichtlich den Abstieg der Deutschen Bank aus dem EuroStoxx50 bekanntgeben. Für die beiden deutschen Großbanken beginnt der Herbst also stürmisch.

nb