Wirecard-Firmensitz in Aschheim

Dax-Titel fällt deutlich zurück Anlegerliebling Wirecard auf Liebesentzug

Stand: 08.10.2018, 13:26 Uhr

Wirecard kann auch rückwärts: Nachdem der Dax-Neuling monatelang von Rekord zu Rekord jagte, muss der Finanzdienstleister heute einen echten Rückschlag verkraften. Anleger, die schon länger an Bord sind, werden es verschmerzen können.

Mit einem Abschlag von zeitweise mehr als zehn Prozent sackten Wirecard heute bis auf 167,50 Euro ab. Aktuell hat sich das Papier aber wieder etwas gefangen und notiert fast acht Prozent leichter bei 174,10 Euro. Allein aus Sicht von sechs Monaten bedeutet das noch immer ein Plus von rund 90 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten ging es um etwa 140 Prozent aufwärts.

Trotz des zuletzt gesunkenen Aktienkurses übersteigt der Börsenwert von Wirecard mit 21,9 Milliarden Euro weiterhin den der Deutschen Bank, der bei 19,7 Milliarden Euro liegt.

„Den Stecker ziehen“

Über die Gründe des heutigen Kursabstiegs wissen Marktbeobachter nicht so wirklich Bescheid: Wegen ihrer vorangegangenen überdurchschnittlichen Kurssteigerungen seien Technologiewerte besonders anfällig für Gewinnmitnahmen, sagte AxiTrader-Experte Milan Cutkovic. "Ein Ausverkauf dieser könnte eine stärkere Korrektur am Gesamtmarkt auslösen.“

Ein Händler vermutete Ähnliches. Er meint, dass Investoren nicht zuletzt angesichts steigender Renditen an den Anleihemärkten bei wachstumsstarken Technologiepapieren „den Stecker ziehen“, diese also verkaufen könnten. Der Zinsanstieg könnte demnach werthaltigere Aktien und Branchen wieder stärker in den Vordergrund rücken und gleichzeitig Technologieaktien tendenziell belasten. Natürlich nutzen einige Investoren sich auch die Gelegenheit zu simplen Gewinnmitnahmen.   

Markus Braun, CEO, Wirecard

Markus Braun. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das Beste kommt noch

Das Wirecard-Management hatte die Hausse mit sehr optimistischen Aussagen und Ankündigungen durchaus gefördert. „Ich glaube, dass wir unsere Entwicklung der letzten 15 Jahre in Zukunft in den Schatten stellen werden“, hatte Vorstandschef Markus Braun dem Magazin „Focus“ gesagt. Wirecard stehe vor einem „großen Wachstum“. Rund 80 Prozent der weltweiten Transaktionen würden nach wie vor bar getätigt. Das Beste stünde laut Braun also noch bevor.

Bis 2020 will Wirecard den Umsatz verdoppeln. Auf der Bilanzpressekonferenz im April hatte Vorstandschef Braun gesagt: „Alles, was wir bis jetzt erreicht haben, ist meines Erachtens nur ein müder Abklatsch dessen, was wir in den nächsten zehn Jahren erreichen können.“

ts