Hingucker der Woche

Viele Unternehmenszahlen in Sicht Anleger setzen auf den Januar-Effekt

von Robert Minde

Stand: 03.02.2019, 14:53 Uhr

Einer alten Börsenregel nach gibt der Trend des Januar den Trend für das ganze Börsenjahr vor. Genau dies hoffen die Anleger nach dem erfolgreichen Jahresauftakt auch für den Februar.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Monat
Kurs
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Denn immerhin hat der deutsche Leitindex Dax im Januar ein Plus von gut sechs Prozent erreicht. Die Vorgaben für den neuen Monat sind also vielversprechend.

Vor allem die Berichtssaison der Unternehmen nimmt im Februar auch hierzulande kräftig Fahrt auf, nachdem sie in den USA schon fortgeschritten ist. Dabei haben die Unternehmen in Amerika bisher dem Erwartungsdruck (überwiegend) recht gut Stand gehalten.

Kommt der "größte Deal aller Zeiten"?

Trotzdem scheint es ratsam, weiter auf der Hut zu bleiben. Denn vor allem beim Dauerthema des chinesisch-amerikanischen Zollstreits herrscht weiter Unsicherheit. Ein Durchbruch in dieser Frage ist wohl die größte Hoffnung der Bullen, denn die gerade durch den Zollstreit aufgekommenen Konjunkturängste würden dann zurückgedrängt.

Carsten Mumm, Chef-Analyst der Privatbank Donner & Reuschel, sieht Chancen auf eine dauerhafte Lösung. "Die nachlassende globale Konjunkturdynamik setzt beide Seiten unter Erfolgsdruck." Allerdings sei die Zeit knapp.

"Sollten bis Ende Februar keine Erfolge vermeldet werden, dürfte schnell wieder Ernüchterung unter Anlegern einkehren." Ab März gelten verschärfte US-Strafzölle auf chinesische Einfuhren.

CvD, Dr. Detlev Landmesser
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Was nächste Woche wichtig wird... [1.2.19]

Präsident Trump hat in der ihm eigenen Rhetorik schon erklärt, es könne beim Treffen mit Chinas Machthaber Xi Jinping der "größte Deal aller Zeiten" erreicht werden.

Trump spricht in der Nacht zu Mittwoch vor dem Parlament in Washington zur Lage der Nation. Der Handelskonflikt mit China wird auf seiner Agenda ziemlich weit oben stehen. Gibt es womöglich schon erste Hinweise auf eine Lösung?

Nachdem Zinsängste erst einmal nicht auf der Tagesordnung der Notenbank stehen, könnte eine Einigung im Handelsstreit die Wall Street so richtig in Schwung bringen, was wiederum Trump politisch stark in die Hände spielen würde. Zu Trump kann man stehen wie man will - aber er setzt die Themen, die für die Börse von allergrößter Bedeutung sind - und das nicht nur in der kommenden Woche.

Viele Unternehmenszahlen voraus

Derweil blicken die Anleger in der nächsten Woche verstärkt auf den Fortgang der Berichtssaison der Unternehmen. Wie wichtig das China-Geschäft ist, hat zuletzt so manche Firmenbilanz gezeigt. Auch und gerade für die deutschen Autobauer, für die China der derzeit wohl wichtigste Markt ist.

Daimler macht am Mittwoch den Auftakt zur Berichtssaison der deutschen Schlüsselindustrie. Auch zwei weitere Dax-Mitglieder, der Chiphersteller Infineon, übrigens ein wichtiger Zulieferer für die Autohersteller, am Dienstag, und der Rückversicherungskonzern Münchener Rück, am Mittwoch, berichten über ihre Geschäftsentwicklung.

Auch dürfte die Fusions-Gerüchteküche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank weiter für Spannung sorgen. Die Politik, so scheint es, forciert das Thema. Der Bund ist immerhin noch Großaktionär bei der Commerzbank.

Auch aus der zweiten Reihe hierzulande und dem europäischen Ausland gibt es viele neue Impulse aus dem Unternehmenssektor. Unter anderem die französische Großbank BNP Paribas, der Ölriese BP oder der Kosmetikkonzern L'Oréal legen Zahlen vor.

In den USA ist die Berichtssaison zwar schon weiter fortgeschritten, mit dem Quartalsbericht der Google-Mutter Alphabet am Montag nach Börsenschluss in den USA oder dem Medienriesen Walt Disney stehen aber weitere Hochkaräter auf der Agenda.

Ist der Boden erreicht?

"Bleiben die Firmenchefs zuversichtlich, dürfte die Erholung der Aktienpreise in den nächsten Wochen anhalten", sagt Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Dies, zumal von der Zinsseite erst einmal kein Gegenwind zu erwarten sei.

Aber können die Manager auch zuversichtlich sein? Die Angst vor einer schwächeren Konjunkturentwicklung in Deutschland und Europa bleibt, sagt HSH-Experte Cyrus de la Rubia. Der Volkswirt rechnet jedoch nicht damit, dass die Konjunktur in die Knie geht.

Steigende Aktienkurse bei einer schwachen Konjunktur seien kein Widerspruch, sagte Markus Reinwand von der Helaba. Denn Aktien nähmen den Konjunkturzyklus vorweg. Sprich: Die Börsenerholung im neuen Jahr könnte Vorbote einer wieder an Schwung gewinnenden Wirtschaft sein.

Theresa May

Theresa May. | Bildquelle: picture alliance / empics

"Die Korrektur bei deutschen Dividendentiteln läuft nun schon ein Jahr", sagt der Helaba-Aktienstratege. Der Dax habe ein schwächeres Wachstum damit bereits eingepreist, er notiere gegenwärtig rund 15 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen 200 Handelstage. "In früheren Zyklen war damit häufig der Boden erreicht", zeigt sich der Experte optimistisch.

Wenig Brexit-Hoffnungen

Die Anleger dürften sich übrigens wenig Hoffnung machen, dass der gordische Brexit-Knoten in der kommenden Woche noch zerschlagen wird. Zwar erklärte die britische Premierministerin Theresa May erst am Sonntag (mal wieder), einen "pragmatischen" Brexit in Brüssel verhandeln zu wollen - geht es aber nach der EU, gibt es gar nichts mehr zu verhandeln. Längst dürften in vielen Schubladen der Unternehmen schon Notfallpläne für einen "No-Deal-Bexit" liegen.

Vor diesem Hintergrund werde die Bank of England die Zinsen am Donnerstag nicht antasten, meint Commerzbank-Devisenexpertin Antje Praefcke. Das Pfund dürfte aber weiter ein heißes Eisen am Markt sein, denn Experten prophezeien der britischen Währung einen weiteren Verfall, sollte es zu keinem Übereinkommen mit der EU kommen.

Kaum neue Konjunkturdaten

Der Kalender der Konjunkturdaten ist in der kommenden Woche übersichtlich. Erwartet werden aus Deutschland Dezember-Auftragseingänge am Mittwoch und die Industrieproduktion am Donnerstag. Europäische Einzelhandelsumsätze gibt es am Dienstag, ebenso wie die Stimmung unter den US-Einkaufsmanagern.

Wegen des Neujahrsfestes bleibt die Börse in China die ganze Woche geschlossen.