Schneemann in Chambersburg, Pennsylvania USA

Frostigere Zeiten an den Märkten? Anleger müssen sich warm anziehen

Stand: 25.02.2018, 12:34 Uhr

Nach der Beruhigung an den Aktienmärkten in den letzten Tagen könnte es in der nächsten Woche wieder turbulenter zugehen. Die nahende Italien-Wahl und der erste Auftritt des neuen Fed-Chefs dürften die Anleger in Atem halten.

Trotz der jüngsten Entspannung war der zu Ende gehende Februar einer der schlimmsten Börsenmonate seit langem. Bisher hat der Dax über fünf Prozent eingebüßt. Zinssorgen und der Kursrutsch an der Wall Street zogen den deutschen Leitindex tief nach unten. Ob er in den letzten drei verbleibenden Februar-Tagen die Bilanz noch verbessern kann, ist fraglich.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.350,82
Differenz relativ
-0,64%

Viele Marktbeobachter sprechen von einer gesunden Korrektur. Für eine Entwarnung sei es aber zu früh. Die Furcht vor steigenden Zinsen könnte jederzeit wieder aufflammen. Investoren sorgen sich, dass die Leitzinsen in den USA schneller steigen als angenommen. Denn die größte Volkswirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie lange nicht, und die Stundenlöhne sind zuletzt unerwartet stark gestiegen. Zuletzt hat sich die Lage etwas entspannt. Die Rendite zehnjähriger US-Papiere, die am Mittwoch noch in Richtung drei Prozent kräftig gestiegen war, fiel am Freitag auf 2,88 Prozent. Das könnte sich aber rasch wieder ändern.

Was sagt der neue Fed-Chef?

Die Zinssorgen wieder anfachen könnte am Dienstag Jerome Powell. Der neue Fed-Chef hat an diesem Tag seinen ersten Auftritt im Kongress. Gespannt werden Anleger auf seine Aussagen zur künftigen geldpolitischen Strategie achten. Bisher rechnen die meisten Marktteilnehmer mit drei Zinsschritten in diesem Jahr.

Detlev Landmesser
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Was nächste Woche wichtig wird... [23.2.18]

Im Euro-Raum freilich dürften die Zinsen noch lange auf Null-Niveau bleiben. Die Inflationsdaten am Mittwoch werden vermutlich zeigen, dass es keinen Grund für Zinsängste in Europa gibt. Wegen des deutlichen Rückgangs der Energiepreise dürfte die Inflationsrate im Februar nur noch bei 1,1 gelegen haben, schätzen Experten. Im Januar betrug sie noch 1,6 Prozent.

Bange Blicke nach Italien

Für neue Unsicherheit könnte indes die Italien-Wahl am kommenden Sonntag sorgen. Experten erwarten, dass die euroskeptischen Parteien Erfolge erzielen und langwierige Koalitionsverhandlungen die Folge sind. Ebenfalls am nächsten Sonntag will die SPD-Führung das Ergebnis der Mitglieder-Abstimmung zum Koalitionsvertrag mit CDU und CSU vorlegen. Lehnt die SPD-Basis die Neuauflage der "GroKo" ab, droht in Deutschland erneut ein politischer Stillstand. Das könnte an den Börsen kurzfristig Turbulenzen auslösen.

Auch zum Dauerthema Brexit dürfte es Neuigkeiten geben. In Großbritannien will die britische Premierministerin Theresa May am Freitag das weitere Vorgehen ihres Landes beim EU-Austritt erläutern. "Die Zeit für eine Lösung wird allmählich knapp", konstatiert Commerzbank-Volkswirt Peter Dixon. "Das Risiko eines harten Brexit ohne eine Einigung ist gestiegen."

Reinigendes Gewitter?

Der Brexit und die Italien-Wahl dürften die Anleger aber nur vorübergehend verunsichern, meint Aktienstratege  Jens Wilheolm von Union Investment. "Politische Entwicklungen haben immer das Potenzial, für Unsicherheit unter den Investoren zu sorgen." Letztlich werde in beiden Fällen die politische Vernunft die Oberhand behalten, so dass für die Kapitalmärkte nur vorübergehend mit Konsequenzen zu rechnen sei. "Am Ende sollten sich die guten fundamentalen Daten durchsetzen." Wilhelm rechnet mit einer Kurserholung im März. "Nach dem reinigen Gewitter im Februar ist der Weg frei für erneute Kursanstiege bei Aktien."

Neue Impulse könnten von der deutschen Berichtssaison kommen. In der nächsten Woche legen fünf Dax-Konzerne ihre Jahreszahlen vor. Den Anfang machen BASF, Fresenius, Fresenius Medical Care am Dienstag. Einen Tag später folgt Bayer mit seiner Bilanz. Am Donnerstag gibt schließlich Beiersdorf Einblick in seine Bücher. Aus der zweiten Reihe enthüllen Rheinmetall, Zalando und Salzgitter ihr Zahlenwerk.

nb