Hingucker der Woche

Zahlenflut und Fed-Sitzung im Fokus Angst vor der zweiten Corona-Welle

von Robert Minde

Stand: 26.07.2020, 14:55 Uhr

Der Börse steht eine vielleicht wegweisende Woche bevor. Denn neben einer wahren Zahlenflut steigt die Angst vor einer zweiten Corona-Welle wieder. Der Markt hofft derweil auf weitere Gelspritzen von der US-Notenbank Fed.

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Denn immer mehr wird klar, dass die Realwirtschaft weltweit Probleme hat, sich im gleichen Tempo von der Corona-Krise zu erholen, das die Börse vorgelegt hat - auch wenn nach Meinung der meisten Experten die Talsohle im zweiten Quartal durchschritten wurde. Der Börse, die für diese Entwicklung bereits reichlich Vorschusslorbeeren verteilt hat, droht damit ein Rücksetzer in Richtung Realität. Für den Dax dürfte es dann schwerer werden, die Marke von 13.000 Punkten wieder zurückzuerobern.

Corona-Sorgen nehmen wieder zu

Allen voran gilt die Unsicherheit um das Erholungsszenario für die USA, wo das Virus weiter verheerend wütet und damit Konjunkturängste anfacht. Erste Anzeichen dafür, dass die Neuinfektionswelle die Erholung am US-Jobmarkt belastet, sind unübersehbar.

"Angesichts des in Teilen des Landes inzwischen außer Kontrolle geratenen Coronavirus wachsen die Zweifel an einer nachhaltigen Erholung der US-Wirtschaft", so Ökonom Ulf Krauss von der Helaba. Ohne die amerikanische Zuglokomotive wird es die gesamte Weltwirtschaft aber schwer haben, wieder in die Spur zu kommen - und das dann auch noch möglichst schnell bitte, in "V-Formations-Tempo".

Aber auch hierzulande steigen die Infektionszahlen wieder an. "Die zweite Corona-Welle ist schon da. Sie findet bereits jeden Tag statt", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erwartet in den nächsten Monaten gar eine deutliche Abschwächung der Konjunktur. "Ich befürchte, dass wir im Herbst in eine sehr schwierige Lage kommen", sagte der CSU-Politiker.

Was macht die Fed?

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell

Präsident der Federal Reserve Jerome Powell. | Bildquelle: picture alliance / CNP

Da heißt es für die Börsenbullen, wieder nach Washington zu blicken. Von der Zinssitzung der Notenbank unter der Führung von Bankchef Jerome Powell am kommenden Dienstag und Mittwoch erwarten sie weitere staatliche Konjunkturhilfen, um die Krise zumindest abzumildern. Das hat bisher ja geradezu phantastisch geklappt, die beispiellosen Geldfluten diesseits und jenseits des Atlantiks sind nun mal der Schmierstoff für jede Börse.

Längst geht es auf den Fed-Sitzungen also nicht mehr um den Leitzins. Der ist mittlerweile auch in Amerika bei null Prozent. Vielmehr geht es nur noch darum, wie schnell die Gelddrucker angeworfen werden, um das Schlimmste für die auf Gedeih und Verderb auf Konsum ausgerichtete Volkswirtschaft zu verhindern. Die zuletzt höheren Arbeitslosenzahlen sind fundamental ein Super-Gau, der die Laune des Gremiums erheblich trüben dürfte.

Inflationsängste nehmen zu

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Laut Lehrbuch wachsen übrigens durch eine solche extreme geldpolitische Expansion die Inflationsgefahren. Amerikas Verschuldung ist schon lange ein Alptraum. Die jüngste Entwicklung am Markt für Gold und Silber zeigt nun, dass immer mehr Investoren besorgt sind und sich in die sicheren Häfen der Edelmetalle flüchten. Gold steht in der kommenden Woche vor einem neuen Rekordhoch.

Sogar die Weltleitwährung Dollar gerät unter Verkaufsdruck angesichts der Krise - Profiteur ist der Euro, denn Europa (ex Großbritannien) tut sich zwar ebenfalls schwer, scheint aber mit Corona besser fertig zu werden als die USA unter dem wahlkämpfenden Präsidenten Trump. Dieser tritt mit dem Anheizen des Konflikts mit seinem Lieblingsfeind China derweil die Flucht nach vorne an. Fakt ist aber, in den Umfragen liegt er hinten - und das macht ihn bekanntlich unberechenbar.

Zahlenflut voraus

Zurück in die Realität, von der es in der kommenden Woche so viel gibt wie lange nicht. Denn die Anleger erwartet eine wahre Zahlenflut, die Berichtssaison der Unternehmen nimmt nun auch bei uns so richtig Fahrt auf und geht in Amerika mit Volldampf weiter.

So legt die gesamte Tech-Elite des Landes am Donnerstag nach Börsenschluss Zahlen vor, hinzu kommen im Wochenverlauf zahlreiche Schwergewichte aus dem Leitindex Dow Jones und dem S&P-500-Index. Während Apple, Alphabet, Amazon oder Facebook schon lange als Gewinner der Krise gelten, darf man bei den Unternehmen der "Old Economy" vor allem auf die Ausblicke gespannt sein.

Denn angesichts der extrem niedrigen Analystenerwartungen im Vorfeld wurden/dürften die Schätzungen meist übertroffen/werden. Die Überraschungseffekte hierzulande halten sich da eher in Grenzen, denn so manches Unternehmen ist bereist mit Eckdaten vorgeprescht, auch und gerade aus dem Leitindex Dax.

So etwa SAP und BASF, die im Wochenverlauf ihre detaillierten Q2-Zahlen vorlegen. Aber es gibt auch Neues, so von den beiden Fresenius-Aktien, der Deutschen Bank, dem Zementhersteller HeidelbergCement, Linde, dem Börsenbetreiber Deutsche Börse oder Autobauer VW. Hinzu kommt eine ganze Reihe von Berichten aus der zweiten Reihe, unter anderem vom deutsch-französischen Flugzeugbauer Airbus.

Immer auf der Jagd nach dem Impfstoff

Über allem aber steht die Suche nach einem Corona-Impfstoff. Die Zahlenwerke von Pfizer, Glaxo, Sanofi oder AstraZeneca bekommen vor diesem Hintergrund besondere Bedeutung. Derweil fahren die forschenden Biotech-Unternehmen, die mit diesen Großen zusammenarbeiten, damit fort, die Erwartungen des Marktes zu versilbern. Sie haben ihre Börsenwerte bereits kräftig gesteigert.

Jetzt will auch die zum Firmengeflecht von Dietmar Hopp gehörende Tübinger CureVac an die Börse - an die US-Technologiebörse Nasdaq, genau genommen. Wer macht das Rennen? Diese Frage liebt die Börse, denn es winken hohe Gewinne.

Ifo-Index am Montag

Zudem gibt es auch noch wichtige Konjunkturdaten. Gleich am Montag für Deutschland der wichtigste Indikator, der Ifo-Geschäftsklimaindex für den Juli. Aus den USA wird neben dem Zinsbeschluss der Fed das landesweite Verbrauchervertrauen für den Juli am Mittwoch und das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan am Freitag erwartet. Sowohl für Deutschland als auch die USA werden zudem erste BIP-Daten zum zweiten Quartal erwartet. Somit ist also auch der Terminkalender bei den Konjunkturzahlen dicht gedrängt. Die Anleger werden auch dies im Blick haben müssen, so dass kaum Zeit bleibt, in Urlaubsstimmung zu verfallen.

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