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Mulmige Gefühle Angst vor der Eurokrise 2.0

von Robert Minde

Stand: 27.05.2018, 14:35 Uhr

Die Erwartungen an die kommende Börsenwoche sind gedämpft angesichst der Vielzahl politischer Krisen. Zudem scheint es, als ob die Konjunktur in Europa ihren Höhepunkt gesehen hat. Die Bären sind im Vorteil, so scheint es.

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Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Aber das sind sie nicht erst seit gestern, trotzdem hat sich der Dax im Mai bisher alles in allem tapfer geschlagen. Die Marke von 13.000 Punkten bleibt weiterhin im Visier. Charttechnisch ist zumindest nichts kaputt gegangen, auch wenn frische Aufwärtsimpulse fehlen.

Der deutsche Export-Dax profitiert zudem vom schwachen Euro, der zwischen hohen Dollarzinsen und hausgemachten Euro-Krisen in die Knie geht. Wie wichtig dies für die heimischen Firmenbilanzen ist, haben die durchwachsenen Quartalsberichte zum ersten Quartal gezeigt, als die Gemeinschaftswährung mit Kursen um 1,25 Dollar noch bärenstark war.

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Die Hingucker der Woche Viele Hauptversammlungen

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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Und eine Trendwende ist am Devisenmarkt angesichts robuster US-Konjunkturdaten bei einem gleichzeitig leer gefegten Arbeitsmarkt nicht in Sicht. Am Mittwoch ab 20 Uhr gibt es hierzu ein Update der Fed, die ihren Konjunkturbericht, das Beige Book, vorlegt. Immerhin scheint sich der Ölpreisanstieg abzuschwächen, was Inflationsgefahren mindert.

Ein Funke genügt

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Zwar bleiben die Handelskonflikte zwischen den USA und China und der EU zwar virolent, aber eben nicht neu. Ebensowenig wie die Spannungen im Nahen Osten, von der Türkei bis zum ölreichen Persischen Golf. Und Korea? Eine weitere Krisenregion, wo zwischenzeitlich das Säbelrasseln besonders laut war, scheint sich nun zu beruhigen. Denn auf der koreanischen Halbinsel riecht es nach so manchem Gezeter jetzt doch noch nach Enstpannung. Der schon abgesagte Gipfel zwischen Donald Trump und Kim Jong findet, Stand jetzt, nun doch statt.

Fast könnte man geneigt sein zu glauben, das alles nicht so schlimm wird, nur weil sich die Konflikte nicht weiter verschärft haben. Eine fatalistische Einstellung, die sich da an der Börse derzeit breit macht. Denn sie könnte ganz schnell gefährlich werden. Ein Tweet des völlig unberechenbaren Mannes im Weißen Haus etwa (der tatsächlich meint, importierte deutsche Autos seien eine Gefahr für die nationale Sicherheit der größten Militärmacht der Welt); oder eine falsch abgefeuerte Rakete zwischen Riad und Tehreran könnten sich schnell verheerend auf die Märkte auswirken. Deutsche Autoaktien haben schon einen Vorgeschmack geliefert auf das, was kommen könnte.

Eurokrise ante portas?

Aber ein Wort macht der Börse dann doch wirklich Angst, zumindest in Europa - und neu ist es bestimmt nicht. Die Angst vor einer Neuauflage der Eurokrise nämlich dürfte so manchen Anleger äußerst empfindlich treffen. Hier vor allem die Frage, ob Italien den Spuren der griechischen Tragöde folgt, wie die Rendite-Rally der italienischen Staatsanleihen in der vergangenen Woche gezeigt hat. Alles absolut gesehen noch nicht bedrohlich, zumal noch nicht mal die Regierungsmannschaft in Rom steht.

Aber das Ganze hat Potenzial, zum Sprengsatz für Europa zu werden. Zumal mit der Regierungskrise im bisher so stabilen Spanien ein weiterer Brandherd entstanden ist. Klar ist auch, dass sich Italien als drittgrößte Volkswirtschaft der EU nicht nach dem griechischen Prinzip endlos laufender Kredite retten lässt. Dafür ist das Land zu groß.

EZB-Präsident Mario Draghi auf einer Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

EZB-Präsident Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Blicke könnten daher schon bald wieder auf Landsmann Mario Draghi und die EZB als vielleicht letztem Rettungsanker gerichtet sein. "An den Märkten braut sich zunehmend ein giftiger Cocktail zusammen", sagt Wolfgang Albrecht, Investmentanalyst bei der Landesbank LBBW.

Zumal der Konjunktur, gerade auch der deutschen, in Europa langsam die Puste auszugehen scheint. "Es sieht ganz danach aus, als ob sich der zurückhaltende Unterton beim Euroland-Wachstum im ersten Quartal auch im zweiten Quartal fortsetzen würde", sagt Marktexperte Joachim Goldberg von der Analysefirma Goldberg & Goldberg. "Die Hoffnung, dass es sich dabei nur um eine Wachstumsdelle gehandelt habe, wäre dann wohl dahin."

Viele Konjunkturdaten voraus

Während es im Unternehmenssektor in der kommenden Woche außer einigen Hauptversammlungen nicht mehr so gedrängt ist, stehen zum Monatswechsel eine Reihe von Konjunkturzahlen auf der Agenda. Aus den USA dürften die Daten vom Arbeitsmarkt hervorstechen, die am Freitag erwartet werden. Zuvor wird am Donnerstag schon der private Vermittler ADP berichten. Aber auch Neues vom Hausmarkt sowie das Verbrauchervertrauen werden unter anderem erwartet, ebenso wie Daten zum KfZ-Absatz im Mai am Freitag.

Preisdaten kommen auch aus der EU und aus Deutschland. Zuletzt war die Inflation in der Eurozone sogar noch gesunken, in jedem Fall ist sie weit weg vom Ziel der EZB von 2,0 Prozent. Einen Blick wert sind auch die Mai-PMI-Daten aus China für das Verarbeitende Gewerbe und die Dienste, die in der Nacht zu Donnerstag anstehen. In Teilen Deutschlands ist am Donnerstag Feiertag, so dass mit nachlassenden Umsätzen zu rechnen sein dürfte. Die Börse ist aber geöffnet. Am Montag ist in den USA und Großbritannien Feiertag, die Börsen sind geschlossen.

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