Pier Silvio Berlusconi

Machtkampf der Milliardäre Die Angst vor Berlusconis Mediengiganten

von Thomas Spinnler

Stand: 04.09.2019, 06:45 Uhr

Zwei Medienimperien kämpfen um eine gute Ausgangsposition beim Kampf um Europas privaten TV-Markt: Vivendi und Mediaset. Heute kommt es zum Showdown der Millliardäre, dem Berlusconi-Sohn Pier Silvio und dem französischen Unternehmer Vincent Bolloré.

Wäre der Aufstieg des Milliardärs Silvio Berlusconi zum mehrmaligen Ministerpräsidenten Italiens ohne sein TV- und Medienimperium möglich gewesen? Geschadet hat es ihm sicher nicht, dass er sich mit den TV-Sendern seiner Mediengruppe Mediaset den nötigen Rückenwind für seine Kampagnen verschaffen konnte.

Die verschiedenen Geschäfte der Berlusconi-Familie, die laut "Forbes" über ein Vermögen von mehr als sechs Milliarden Dollar verfügt, werden längst von seinem Sohn Pier Silvio Berlusconi geführt. Wie sein Vater hat auch der Sohn eine Schwäche für die Medienbranche - und dank dessen Vorarbeit auch den nötigen Hintergrund, um auf dieser Spielweise einiges zu bewirken.

Silvio Berlusconi

Silvio Berlusconi: Unternehmer, Politiker, Medienmann. | Bildquelle: Imago

Berlusconis Media for Europe

Mit Mediaset möchte Berlusconi Junior nichts weniger als die europäische Medienlandschaft umgestalten. Unter dem Namen Media for Europe (MFE) will Berlusconi eine Holding mit Sitz in Amsterdam gründen. Die neue Dachgesellschaft soll neben dem italienischen Mediaset auch die spanische Tochter Mediaset Espana umfassen. Die Berlusconi-Familie würde nach der Umstrukturierung mit einem Stimmrechtsanteil von etwas mehr als 50 Prozent natürlich die Kontrolle über MFE behalten.

Der Beschluss auf der heutigen Hauptversammlung wäre der Startschuss für die Umsetzung von Berlusconis Vision, die eine Antwort auf die gravierenden Umwälzungen in der Medienbranche der vergangenen Jahre wäre. Lineares Fernsehen gerät durch die Konkurrenz der global äußerst erfolgreichen Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime in die Defensive. "Der Umbau dient dem Ziel, eine paneuropäische Gruppe in der Unterhaltungs- und Medienbranche zu schaffen", erklärte Mediaset.

Pier Silvio Berlusconi

Pier Silvio Berlusconi hat große Pläne für den europäischen Medienmarkt.

Auch Milliardäre können gute Freunde brauchen

Andere Milliardäre haben eigene Ideen. Der französische Mediengigant Vivendi ist der zweitgrößte Anteilseigner am Mediaset-Konzern. Vivendi wiederum gehört mehrheitlich dem französischen Superreichen Vincent Bolloré, der mit einem Vermögen von fünf Milliarden Dollar ebenfalls über hinreichende finanzielle Mittel und Gestaltungsmacht verfügt.

Bolloré hatte sich vor einigen Jahren durch seine Freundschaft zu Frankreichs Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy einer breiten europäischen Öffentlichkeit vorgestellt. Kurz nach dessen Wahl hatte er Sarkozy zu einem Urlaub auf seiner Luxusyacht eingeladen, auch seinen Privatjet hatte er dem Präsidenten und seiner Gattin Carla Bruni zur Verfügung gestellt.

Bolloré wird eine Art geschäftlicher Raubtier-Instinkt zugeschrieben. Für seine eigenen Ambitionen wäre ein europäisches Medienimperium unter Kontrolle der Berlusconi-Familie kaum wünschenswert. Kein Wunder also, dass er sich gegen die Pläne Berlusconis stemmt und dabei nicht zurückhaltend agieren wird.

Nicolas Sarkozy und Carla Bruni steigen aus einem Privatjet von Vincent Bolloré

Nicolas Sarkozy und Carla Bruni steigen aus Vincent Bollorés Privatjet. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Showdown auf der Hauptversammlung

Nach einem juristischen Streit mit Mediaset vor einem Mailänder Gericht steht seit Anfang der Woche fest, dass Vivendi auf der Hauptversammlung mit 9,99 Prozent stimmberechtigt sein wird. Berlusconi benötigt eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Ganz ausgeschlossen ist ein Misserfolg gleichwohl nicht. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, empfehlen die Stimmrechtsberater von ISS den Aktionären, gegen die Pläne zu votieren.

Aufgrund der rechtlichen Ausgestaltung würde die neue Struktur der Berlusconi-Familie die Kontrolle über das Unternehmen garantieren. Auch vom finanziellen Standpunkt aus betrachtet sei das Modell nicht besonders attraktiv – ein Argument, das auf Investoren in der Regel überzeugend wirkt.

Berlusconi und die Verteidigung der europäischen Identität

Für das Medienimperium der Familie Berlusconi wäre eine erfolgreiche Hauptversammlung erst der Anfang. Pier Silvio Berlusconi sucht für MFE längst nach weiteren Allianzen in Europa. Auch in Deutschland ist er aktiv geworden. Im Mai dieses Jahres erwarb Berlusconi einen Anteil von 9,6 Prozent an ProSiebenSat.1. Der deutsche Privatsender soll sich an MFE beteiligen. "Wir wollen das Management von ProSiebenSat.1 bitten, drängen und überzeugen, diesem Weg zu folgen und gemeinsam Einsparungen auch unter dem Aspekt technologischer Effizienz zu finden", so Berlusconi Junior.

Vincent Bolloré

Vincent Bolloré hat eigene Pläne. | Bildquelle: picture alliance / Thomas Padilla/MAXPPP/dpa

In wohlgesetzten Worten begründet er, warum das Geschäft letztlich im Interesse größerer Ziele sein soll: "Der rasche Prozess der Globalisierung bestimmt das internationale Szenario und bedeutet, dass europäische Medienkonzerne vor dem Hintergrund unserer kulturellen Identität ihre Kräfte bündeln müssen, wenn sie Angriffen globaler Giganten widerstehen wollen."

Bislang zeigt man sich in der ProSiebenSat.1-Zentrale spröde gegenüber den italienischen Avancen. Branchenexperten spekulieren längst darüber, ob Mediaset den Anteil noch erhöhen möchte und in Mailand eventuell sogar eine Zerschlagung angedacht wird. Man weiß als Beobachter gar nicht so recht, wen man bei diesem Aufgebot am liebsten an der Spitze der Verteidiger der europäischen kulturellen Identität sehen möchte.