AMD Prozessoren Opteron und Athlon II.

Nicht immun gegen die Sicherheitslücke AMD hat auch ein Chip-Problem

Stand: 12.01.2018, 09:49 Uhr

Vom Chip-Desaster bei Intel hat Konkurrent AMD an der Börse profitiert. Die Aktie legte seit Jahresbeginn fast 20 Prozent zu. Nun aber geraten die Titel unter Druck. AMD hat eingeräumt, auch von der Sicherheitslücke betroffen zu sein.

Der Chip-GAU weitet sich aus: AMD gestand nach US-Börsenschluss, dass auch seine Prozessoren nicht ganz gegen die Sicherheitslücke immun sind. Für eines der beiden von Forschern ausgemachten Angriffsszenarien ("Spectre") könnten auch AMD-Chips anfällig sein, auch wenn die Schwachstelle schwer auszunutzen sei. Updates der Betriebssysteme und des Microcodes der Prozessoren sollen die Lücke schließen oder eindämmen.

Bereits vor drei Tagen hatte Microsoft die Updates zum Schutz vor Sicherheitslücken bei mit AMD-Chips ausgestatteten Computern gestoppt. Der US-Softwarekonzern begründete dies mit Kundenbeschwerden, wonach Maschinen nach den Updates abstürzten. Beide Unternehmen arbeiten nun gemeinsam an einer Lösung.

AMD-Kurs nachbörslich unter Druck

Die AMD-Aktien büßten nachbörslich 2,5 Prozent ein. In der ersten Januar-Woche hatte der Nasdaq-Titel noch kräftig zugelegt, da AMD als Profiteur des Chip-GAUs bei Intel galt. Branchenbeobachter meinten, dass AMD Marktanteile von Branchenprimus Intel gewinnen könnte.

Intel bemüht sich inzwischen um Schadensbegrenzung. Der in die Kritik geratene Intel-Chef Brian Krzanich hat mehr Transparenz zugesagt. Intel werde häufig über die Verbreitung der nötigen Software-Updates und ihre Wirkung auf die Leistung der Computer veröffentlichen, schrieb Krzanich in einem am Donnerstag veröffentlichten offenen Brief. Außerdem versicherte er, dass der Chipkonzern verantwortungsvoll über neu entdeckte Schwachstellen informieren werde.

Intel will 90 Prozent seiner Chips absichern

Krzanich bekräftigte, dass Intel bis zum 15. Januar Sicherheits-Aktualisierungen für 90 Prozent seiner Prozessoren auf den vergangenen fünf Jahren veröffentlichen werde zur Absicherung gegen "Spectre" und "Meltdown". Bis Ende des Monats sollen dann alle Prozessoren ab Jahrgang 2013 gepatcht sein. Alle großen Software-Hersteller haben inzwischen Updates für ihre Programme veröffentlicht, Microsoft seine Windows-Betriebssysteme gepatcht. Der Konzern bestätigte zugleich, dass die Aktualisierungen auf älteren Computern mit Windows 7 und Windows 8 bei den meisten Nutzern zu spürbaren Leistungseinbußen führen wird. Die Intel-Aktien haben seit der Chip-Panne sieben Prozent verloren.

Auf Milliarden Computern und Smartphones weltweit schlummert womöglich ein Sicherheitsrisiko. Experten hatten zwei Schwachstellen auf Mikroprozessoren entdeckt, die in fast allen IT-Geräten verbaut sind. Die erste Sicherheitslücke namens "Kernschmelze" betrifft den Angaben zufolge nur Chips des Branchenführers Intel. Sie ermögliche es Hackern, die Barriere zwischen Anwender-Programmen und dem Datenspeicher eines Computers zu überwinden und so möglicherweise Passwörter auszulesen. Die zweite Schwachstelle mit dem Namen "Geist" betreffe auch Mikroprozessoren von AMD und dem Chip-Entwickler ARM - und damit Laptops, PCs, Smartphones, Tablets und Server gleichermaßen. Hacker könnten sie womöglich nutzen, um Anwenderprogramme auszutricksen und zur Herausgabe geheimer Informationen zu bewegen.

nb