Amazon-Shop (Bildmontage)

Umsatzsteuer für Online-Händler Amazon: Goodbye, Steuer-Schlupfloch!

Stand: 22.06.2018, 07:31 Uhr

Jetzt müssen in den USA auch die Onlinehändler Umsatzsteuer zahlen. Das hat das höchste Gericht Amerikas entschieden. Amazon, Ebay, Etsy und Wayfair kratzt das trotzdem nicht.

Das Oberste Gerichtshof der USA erlaubt Bundesstaaten künftig, Online-Händler zu besteuern, auch wenn sie kein Filialgeschäft betreiben. Der Supreme Court hob am Donnerstag ein Urteil aus dem Jahr 1992 auf. Dieses hatte es den Staaten untersagt, Umsatzsteuer von Unternehmen zu kassieren, die keine physische Präsenz in dem jeweiligen Staat haben. Dazu zählen Filialen, aber auch Lager oder Büros.

Einzelhandel jubelt

Der klassische Einzelhandel hatte das Gesetz schon lange beklagt, bedeutet es doch eine klare Bevorteilung der Online-Händler. Amazon und Co machen ihnen ohnehin das Leben schwer und greifen zunehmend Umsatz ab.

Der Einzelhandelsverband NRF lobte daher die Entscheidung, die "den Weg für eine faires und ebenbürdiges Spielfeld ebne". Man habe zwei Jahrzehnte auf diesen Tag gewartet.

Überschaubare Kursverluste

Da der Online-Handel künftig mehr Steuern zahlen muss, verloren Aktien der Branche gestern an der Börse. Allerdings hielten sich die Kursverluste in Grenzen.

Amazon-Papiere etwa gaben gut ein Prozent nach. Die Aktie des Online-Möbelhändler Wayfair und die des Marktplatzes für kreative Waren, Etsy, sanken um mehr als fünf Prozent. Ebay-Titel gaben fast zwei Prozent nach.

Warum Amazon und Co nur lachen

Experten glauben nicht, dass Amazon das Urteil schadet oder der Online-Händler den Wachstumspfad verlässt. Denn Amazon zahlt bereits Umsatzsteuer in vielen US-Bundesstaaten, und zwar auf Waren, die der Konzern selbst auf Lager hat und direkt verkauft. Diese so genannten "1P" oder "first-party sales" machen knapp die Hälfte aller Amazon-Einkäufe aus.

Die anderen gut 50 Prozent der weltweit bei Amazon verkauften Artikel werden von Drittanbietern (third-party seller) über den Amazon-Marktplatz verkauft. Hier zahlt Amazon bereits in einigen Bundesstaaten Umsatzsteuer. Einige kleinere Amazon-Händler könnten Nachteile haben, weil ihre Produkte nun teurer werden dürften und sie entsprechend in der Kundengunst sinken.

Bequemlichkeit vor Preis

Der wahre Grund aber, warum Amazon über das Urteil nur lachen kann: Der Erfolgsschlüssel des Online-Konzerns ist nicht der Preis, sondern die Komfortzone. Amazon hat sich - spätestens seit der Gründung von Amazon Prime - darauf fokussiert, sich zum komfortabelste Marktplatz zu entwickeln. Ähnliches gilt auch für Möbelhändler Wayfair. Wayfair ließ zudem wissen, dass ohnehin schon 80 Prozent der Verkäufe in den USA besteuert würden.

bs