Jeff Wilke, CEO Amazon Worldwide Consumer präsentiert die Amazon Prime Air Drohne

Vorstellung in Las Vegas Amazon-Pakete kommen bald per Drohne

Stand: 06.06.2019, 09:46 Uhr

Wer bei Amazon Zahnpasta oder Rasierer bestellt, kann sie mancherorts bald per Drohne erhalten. In wenigen Monaten sollen testweise erste Pakete mit dem unbemannten Fluggerät ausgeliefert werden.

Bei der Amazon-Konferenz zu Robotertechnik und Künstliche Intelligenz präsentierte der Online-Händler die Lieferdrohne. Sie kann gut 24 Kilometer weit fliegen und bis zu 2,3 Kilogramm schwere Pakete binnen 30 Minuten zustellen. Das vollautomatische und vollelektrische "Prime Air"-Gerät soll zunächst kleine Haushaltswaren liefern.

Startklar "in den kommenden Monaten"

Die ersten Pakete könnten womöglich schon "in den kommenden Monaten" zu Kunden geflogen werden, erklärte Amazon-Manager Jeff Wilke am Mittwoch. Die Drohnen würden, so Wilke, wie ein Hubschrauber senkrecht starten und landen. Sie würden auch bei starkem Wind stabil fliegen.

Wo der "Prime Air"-Service starten soll, ließ Amazon offen. Bisher wurde er in Großbritannien getestet, Amazon hatte 2016 in Großbritannien erste Tests für die Auslieferung von Paketen mit Drohnen gestartet. So bekam dort ein Kunde einen "Fire-TV"-Videostreaming-Stick und eine Tüte Popcorn innerhalb von 13 Minuten nach Abgabe seiner Order.

Amazon Prime Air Drohne

Amazon Prime Air Drohne. | Bildquelle: Unternehmen

Amazon-Chef war zu optimistisch

Amazon-Chef Jeff Bezos hatte 2013 bereits einen Prototyp der Lieferdrohne vorgestellt. Damals versprach er, dass die Zustellung von Paketen mit unbemannten Fluggeräten bis 2018 Realität werden solle. Mit dieser Prognose lag er daneben.

Experten gehen davon aus, dass Drohnen bald etwa zur Auslieferung von Medikamenten in dünn besiedelten Regionen eingesetzt werden. Als Transportmittel für Massenartikel scheinen sie jedoch weniger gut geeignet zu sein. "Ich denke kaum, dass demnächst Burritos oder Windeln durch die Vororte geflogen werden", meinte unlängst Colin Snow vom Beratungsunternehmen Skylogic Research.

Noch kein Masseneinsatz von Drohnen

In vielen Branchen haben sich die kleinen Flugobjekte innerhalb weniger Jahre etabliert - in der Landwirtschaft und im Bergbau ebenso wie zur Inspektion von Stromleitungen oder Pipelines. Allein in den USA gibt es nach Schätzungen der Regierung bereits etwa 110.000 kommerzielle Drohnen.

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Auch in Deutschland steht der Drohnen-Markt vor dem Durchbruch. Die Telekom ist zusammen mit der Deutschen Flugsicherung hier vorgeprescht und hat jüngst das Gemeinschaftsunternehmen Droniq präsentiert. Das Joint Venture will zunächst Drohnen bei der Inspektion von Windanlagen und Stromtrassen anbieten. Die gemeinsam entwickelte Technologie ermöglicht die Ortung der unbemannten Fluggeräte über das Mobilfunknetz über größere Distanzen. Telekom-Chef Tim Höttges rechnet mit einem "exponentiellen Wachstum" beim gewerblichen Einsatz von Drohnen. Aktuell schwirren etwa 500.000 der unbemannten Fluggeräte im deutschen Luftraum herum, davon lediglich 19.000 kommerziell genutzte. Deren Zahl werde Schätzungen zufolge bis 2030 auf mehr als 126.000 steigen.

nb