Amazon Echo Dot

Amazon startet große Smarthome-Offensive "Alexa, warum hast Du das getan?"

Stand: 26.09.2019, 08:53 Uhr

Mit dieser und anderen Fragen will Amazon seine Sprachassistentin schlauer machen und noch stärker im Alltag verankern - als Teil einer Smarthome-Offensive in einem wachsenden Markt.

Alexa werde künftig zum Beispiel warnen können, wenn die Batterien im vernetzten Gerät oder die Tinte im Drucker zur Neige gehen. Die Kamera-Türklingel der Tochterfirma Ring soll sich dank einer "Concierge"-Funktion mit Menschen unterhalten können, die vor der Tür stehen. Die Software soll künftig auch erkennen können, wenn Nutzer über sie frustriert sind und die Stimme analysieren, um dann freundlicher sein.

"Alexa, was hast Du gehört?"

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Als weiterer Sprachbefehl wird die Frage "Alexa, warum hast Du das getan?" eingeführt, mit der Nutzer die Sprachassistentin bei unerwartetem Verhalten um Erklärung bitten können. Bei Fällen, in denen die Software einen Sprachbefehl falsch ausführt, soll künftig die Frage "Alexa, was hast Du gehört?" helfen. Insgesamt fügen sich die Amazon-Ankündigungen zu einer ausgewachsenen Smarthome-Offensive zusammen - mit mehr als einem Dutzend Produktankündigungen und Preisen, die wie bei Amazon üblich oft die Konkurrenz unterbieten.

Amazon ist Marktführer - mit Abstand

Die Präsentation neuer Amazon-Produkte hat inzwischen eine ähnliche Tradition wie die Vorstellung neuer iPhones von Apple. Nur dass der weltgrößte Online-Händler kein Smartphone anbietet, sondern eine Reihe von Smarthome-Hardware, die das Leben zu Hause besser machen sollen.

85.000 mit Alexa kompatible Produkte gibt es auf dem Markt, mit mehr als 100.000 sogenannten Skills. Diese programmierten Fähigkeiten "machen den Vorsprung aus", sagte Werner Goertz, Analyst beim Beratungsunternehmen Gartner, der "Wirtschaftswoche".

So ist Amazon bei den smarten Lautsprechern nach Angaben des britischen Beratungsunternehmen mit einem Anteil von 25 Prozent unumstrittener Marktführer. Der Google Assistant ist hinter dem Produkt des chinesischen Konzerns Baidu (17,3 Prozent) mit 16,7 Prozent auf Platz drei abgerutscht. Weit dahinter folgen Apples Siri und Samsungs Bixby.

Zuletzt baute Amazon eine neue Unternehmensallianz mit mehr als 30 Firmen auf, unter anderem mit Microsoft, Baidu, Tencent, BMW und Spotify. Die Branche ist mittlerweile keine Nische mehr. Allein der deutsche Smarthome-Markt ist umfasst laut Statista rund 3,6 Milliarden Euro - Tendenz steigend. 2023 sollen sich die Umsätze bereits fast verdoppelt haben.

Amazon bringt Eero nach Europa

Amazon eero

Amazon eero. | Bildquelle: Unternehmen

Amazon will die Konkurrenz weiter auf Abstand halten. So stellte Technik-Chef Dave Limp am Mittwoch zum Beispiel eine Ring-Sicherheitskamera oder ein neues Modell vernetzter Lautsprecher mit deutlich verbessertem Klang vor. Auch der dazugekaufte Wifi-Spezialist Eero wird in die Alexa-Welt integriert: Per Sprachbefehl soll man zum Beispiel einzelnen Geräten die Netzverbindung abdrehen können. Die bisher nur in den USA verfügbare Eero-Gerätefamilie will Amazon demnächst auch nach Europa bringen.

Mit den ersten Alexa-Ohrhörern stößt der Konzern aus Seattle zudem in eine neue Produktkategorie vor, die bislang von Apples AirPods dominiert wird. Eine Anwendungsidee ist zum Beispiel, dass man in einem Supermarkt der hauseigenen Biosupermarkt-Kette Whole Foods fragen kann, in welchem Gang sich bestimmte Lebensmittel befinden.

Als experimentelle Produkte bringt Amazon eine Brille und einen Ring mit Mikrofonen und winzigem Lautsprecher zur Nutzung von Alexa heraus. Sie werden in den USA in limitierter Auflage verfügbar sein. Die Brille hat keine Kamera oder Display, sondern ist nur zur Sprachkommunikation mit Alexa gedacht.

Amazon Echo Loop

Amazon Echo Loop: Ring mit Alexa. | Bildquelle: Unternehmen

Amazon Echo Frames

Amazon Echo Frames. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Datenschutz spielt immer größere Rolle

Amazon verfolgt mit der Smarthome-Offensive eine ganz klare Strategie. Über die immer vernetzteren Häuser und Wohnungen will das Unternehmen Einsichten über die Kundenbedürfnisse sammeln und durch die Bindung in alle möglichen Bereiche expandieren, die von der Logistik von Amazon bedient werden können.

Doch es gibt auch Probleme in der Alexa-Welt. In den vergangenen Monaten war Amazon - wie auch andere Anbieter von Sprachassistenten wie Apple und Google - heftig dafür kritisiert worden, dass auch Mitarbeiter Mitschnitte von Unterhaltungen mit Alexa zu hören bekamen, während das den Nutzern nicht bewusst war.

Ganz bewusst stellt Limp den Datenschutz nun aber in den Fokus. Und das nicht ohne Grund: Denn Amazon steht schon jetzt im Visier der Kartellbehörden. Sowohl die EU-Kommission als auch die amerikanischen Regulierungsbehörden untersuchen Amazons Geschäftspraktiken.

Der Datenschutz gehöre bei allen Funktionen zu den Grundlagen. "Die Privatsphäre ist unser Fundament", betonte Limp. "Die Kunden kontrollieren ihre Daten." Inzwischen werden die Nutzer ausdrücklich auf ihre Rechte hingewiesen und können der Verwendung ihrer Aufzeichnungen zur Verbesserung der Spracherkennung widersprechen oder per Sprachbefehl löschen. Aber: Aktiv handeln müssen sie selbst.

tb/dpa-AFX

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