Zwei Spieler vor Monitoren am Twitch-Stand auf der Gamescom 2014 in Köln

Konkurrenz für Google Amazon hat große Pläne mit Twitch

Stand: 16.08.2018, 11:39 Uhr

YouTube scheint übermächtig. Wohin das Auge reicht: Mitbewerber haben gegen Googles Videoplattform kaum eine Chance. Aber jetzt kommt Amazon.

Twitch gewinnt als Live-Streaming-Portal zunehmend an Beliebtheit – vor allem unter Gamern. Rund 15 Millionen User schauen täglich vorbei. Nun will Amazon seinen Live-Videodienst weiter ausbauen und für das breite Publikum öffnen. Dafür handelt der Konzern bereits millionenschwere Deals mit Prominenten aus, wie die US-Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt. Darunter sollen Schauspieler Will Smith und die kanadische YouTuberin Gigi Gorgeous sein. Doch um Google wirklich etwas entgegensetzen zu können, wird es noch ein langer Weg sein - denn YouTube erreicht weitaus mehr Menschen: rund 1,9 Milliarden im Monat.

Chancen stehen gut

Um die Marke irgendwann zu knacken, verfolgt Amazon schon jetzt eine aggressive Strategie. Der Konzern habe in den letzten Monaten exklusive Livestreaming-Verträge mit bekannten YouTubern schließen wollen, so Bloomberg. Twitch biete Produzenten viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Zum Beispiel durch jährliche Mindestgarantien von bis zu paar Millionen Dollar, kostenpflichtige Abonnements und Anteile an zukünftigen Werbeeinnahmen.

Auch Werbetreibende dürfte das wachsende Publikum gefallen. Schon jetzt sei Amazon nach Einschätzung von Analysten ein glaubwürdiger Konkurrent. Nicht umsonst betrug der Anzeigenumsatz im ersten Quartal mehr als zwei Milliarden US-Dollar, woran besonders der Verkauf gesponserter Produkte beitrage.

Twitch verspricht schon jetzt, viele neue Inhalte auf dem Portal anbieten zu wollen. „Wir wachsen gut und das macht uns zu einem attraktiven Ziel für Menschen, die in der Live-Unterhaltung neue Dinge erleben wolle“, sagt Michael Aragon, Senior President of Contents von Twitch Interactive Inc.

YouTube unter Druck

Die Google-Tochter versucht derweil, Twitchs Pläne zu durchkreuzen. Sie bietet Spitzen-YouTubern noch mehr Geld, wenn diese keine Exklusivverträge mit anderen Webseiten eingehen, schreibt Bloomberg und beruft sich dabei auf die Medienagentur UM Global. "YouTube ist ziemlich nervös", sagt Chad Stoller, Chief Innovation Officer bei der Medienagentur UM Global.

Zu Recht? Manche Top-YouTuber fühlten sich gegängelt, weil ihr Umsatz bereits geschmälert wurde. Sorgenkind scheinen jedenfalls die ständigen Algorithmus-Anpassungen zu sein, die wiederum einen großen Einfluss auf die Aufrufe und Werbeeinnahmen haben. Jedenfalls können und wollen sich manche Video-Blogger nicht mehr darauf verlassen, YouTube als einzige Einnahmequelle zu nutzen.

fh