Amazon-Mitarbeiterin schiebt einen Wagen mit Paketen
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Wie verdient Amazon sein Geld? Amazons Erfolgsgeheimnis auf der Spur

Stand: 27.12.2017, 13:40 Uhr

Weihnachten ist das Fest der Geschenke. Und das Fest von Amazon, denn die meisten werden wohl bei Amazon geordert. Was macht den weltgrößten Online-Händler so erfolgreich?

Amazon hat es geschafft. Der weltgrößte Online-Händler ist mächtig, er dominiert alles. Ein Gigant. Das Internet-Kaufhaus hat 300 Millionen Artikel in seinem Sortiment, weltweit kaufen mehr als 300 Millionen Kunden bei Amazon ein. Aus dem 1995 gegründeten Online-Buchhändler hat Unternehmensgründer Jeff Bezos inzwischen den weltweiten Marktführer für E-Commerce-Aktivitäten geformt, der von Lebensmitteln über Sneaker bis zum Kühlschrank eine schier unerschöpfliche Produktpalette bietet. Auch in Deutschland gibt Amazon den Ton an. Rund 44 Millionen Deutsche gehen regelmäßig bei dem Internet-Händler shoppen. Das sind drei Viertel aller deutschen Internet-Nutzer. Wer im Internet einkauft, für den scheint Amazon unentbehrlich. Acht von zehn Deutschen, die online kaufen, kaufen über die Webseite des US-Konzerns.

Das Erfolgsgeheimnis

Warum tun sie das? Was macht Amazon so erfolgreich? Es ist nicht allein die Natur des Menschen, seine Bequemlichkeit. Natürlich wird sie von Amazon bedient. Der Internetgigant ist einfach, schnell und komfortabel. Besser gesagt: Einfacher, schneller und komfortabler als viele Konkurrenten. Ein wichtiger Faktor für seinen Erfolg ist aber: Amazon versteht es, Bedürfnisse zu kreieren und Menschen zum Kaufrausch zu verleiten. Der Konzern erfindet einen Feiertag nach dem anderen, den "Prime Day" im Juli, "Black Friday", "Cyber Monday" und "Digital Day" im Winter. Das Konzept geht auf. Dieses Weihnachten war wieder ein Rekordgeschäft für Amazon, wie der Konzern direkt nach den Feiertagen stolz meldet. Mehrere hundert Millionen Produkte verkaufte der Online-Händler im November und Dezember.

Amazon versteht sich auch darauf, Abhängigkeiten zu schaffen. Einer der Suchtfaktoren ist das Prime-Abo, eine Art Flatrate fürs Porto. Der Kunde zahlt 69 Euro im Jahr und erhält dafür alle Bestellungen kostenlos. Und er erhält sie garantiert am nächsten Tag. Hinzu bekommen die Abonnenten kostenlos Zugriff auf Videos und Musik-Angebote und eine Leihbücherei für Kindle-Bücher. Das bindet. Seit der Einführung von Prime 2005 in den USA und 2007 in Deutschland ist die Zahl der Prime-Mitglieder rasant gewachsen, weltweit kommt Amazon inzwischen auf schätzungsweise 80 Millionen Nutzer, rund 17 Millionen Prime-Nutzer dürften es in Deutschland sein. Vor allem junge Nutzer springen darauf an.

Suchtfaktor Amazon

Mit den Prime-Kunden hat sich Amazon eine zahlungskräftige Kundschaft herangezogen. Prime-Mitglieder geben rund doppelt so viel Geld aus wie die normalen Amazon-Kunden. Sie kaufen Waren im Wert von rund 1.300 Dollar im Jahr, während der Nicht-Prime-Kunde nur auf 700 Dollar kommt.

Amazon hat den Vorteil, dass der Konzern die Kundschaft genau kennt. Er "kundschaftet" sie aus, sammlt ihre Daten - ganz genau so wie die Datenkrake Google. Daraus kann Amazon die Bedürfnisse der Kunden ablesen und sie mit entsprechenden Angeboten ködern. Die Kunden werden nach ihren Nutzerprofilen kategorisiert und bekommen eine genau personalisierte Werbung. Die Sprachassistentin Alexa von Amazons Lautsprecher Echo ist da nur ein weiterer Arm der Datenkrake. Durch sie greift Amazon jetzt auch Standortdaten ab, wie vorher schon WhatsApp, Facebook, Microsoft und Google.

Gewinne durch die Cloud

Auch wenn Amazon hauptsächlich als E-Commerce-Anbieter bekannt ist, wenn es ums Geld verdienen geht, hat Amazon eine weit lukrativere Geldquelle aufgetan, die IT-Sparte Amazon Web Services (AWS). Der Konzern vermietet seine IT-Infrastruktur an Großkunden wie Netflix, Pfizer und Airbnb oder auch an Privatkunden. AWS hilft Unternehmen dabei, ihre IT-Kosten zu senken. Anfangs war es nur eine Art Nebengeschäft. Als Amazon 2006 damit startete, ging es nur darum, nicht ausgelastete Server zu Geld zu machen. Inzwischen werden Server im ganz großen Stil vermietet, dazu kommen Datenverarbeitungs-, Datenbank-, Analyse-, Netzwerk- und Verwaltungs-Dienstleistungen und vieles mehr.

Auch hier ist Amazon mittlerweile ein Gigant. Mehr als eine Million Kunden greifen auf die Dienste des Konzerns zurück. Amazons Marktanteil ist größer als der der fünf nächstgrößten Anbieter zusammen. Dabei mischen in diesem Markt große Weltkonzerne wie Microsoft, Google, IBM, Alibaba oder Oracle mit. Nur dank AWS kann Amazon derzeit rote Zahlen vermeiden, auch wenn die Sparte gerade einmal ein Zehntel der Konzernerlöse einbringt.

Amazon-Aktie auf Höhenflug

Amazon muss sich allerdings strecken, um auf dem Spitzenplatz zu bleiben. Ob durch Investitionen in Video-Angebote, Wachstumsmärkte wie Indien oder durch Zukäufe wie die Bio-Supermarktkette Whole Foods Market, wodurch Amazon das Geschäft mit frischen Lebensmitteln ausbaut. Sparsamkeit ist nicht gerade eines der herausragenden Merkmale des US-KonzernsInvestitionen in die Zukunft. Das alarmiert auch immer wieder Investoren.

Zumal Konkurrenten wie Walmart nicht untätig bleiben. Der Rivale konnte lange Zeit nicht gegen Amazon ankommen. Doch zuletzt machte Walmart Boden gut, das E-Commerce-Geschäft wächst rasant, Gleichwohl bleibt die Amazon-Aktie obenauf. Gerade im Vergleich mit Walmart zeigen sich verkehrte Größenverhältnisse: Auch wenn Walmart viermal so viel Waren verkauft wie Amazon, ist Amazon beim Börsenwert mit 560 Milliarden Dollar fast doppelt so schwer.

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.643,21
Differenz relativ
-0,72%
Walmart: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
81,18
Differenz relativ
-0,15%

Walmart kommt auf lediglich 300 Milliarden Dollar Marktwert. Die Amazon-Aktie ist auf Rekordhöhe, kratzt jüngst an einem Kurs von 1.200 Dollar. Bei aller Kritik an den Praktiken von Amazon gegenüber Mitarbeitern, kleinen Händlern und dem Datenschutz - Anleger halten der Aktie die Treue.

bs

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