Amazon-Gründer Jeff Bezos

Gespräche zur Übernahme von Landmark Amazon bald auch im Kinogeschäft?

Stand: 17.08.2018, 10:42 Uhr

Nach der Filmproduktion die Kinosäle: Amazon erwägt einem Bericht zufolge den Kauf der Kinokette Landmark Theatres. Auch die Online-Angebote stehen vor einem weiteren Ausbau.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf anonyme Quellen berichtete, befindet sich Amazon in Gesprächen mit den beiden Milliardären Mark Cuban und Todd Wagner, denen die Kinokette gehört. Allerdings sollen auch noch weitere Interessenten im Rennen sein.

Die 1974 gegründete Kette betreibt mehr als 50 Edelkinos mit aufwendigen Bars und Lounges in großen amerikanischen Städten wie New York, Chicago, Los Angeles und San Francisco. Spezialisiert ist die Kette auf unabhängige und ausländische Filme. Amazon selbst wollte sich auf Anfrage nicht zu den berichteten Plänen äußern.

Weiterer Vorstoß in die analoge Welt

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Sollte Amazon tatsächlich Landmark Theatres kaufen, wäre das ein weiterer Vorstoß des Internethändlers in die analoge Welt - nach dem Kauf der Biokette Whole Foods im vergangenen Jahr für 13,7 Milliarden Dollar. Eigene Kinos könnten Amazons Streaming-Angebot ergänzen, das der Konzern schon stark ausbaut hat und wo er mit Netflix konkurriert, der ebenfalls stark auf eigene Produktionen setzt. Außerdem böten die Kinos die Möglichkeit, Prime-Kunden Exklusivangebote zu machen und sie damit in die Säle zu locken, in deren Lounges Amazon auch das neue Angebot aus seinem Lebensmittelsortiment anbieten könnte.

Amazon ist bereits vor Jahren in die eigene Filmproduktion eingestiegen. Im vergangenen Jahr erwarb der Konzern zudem etwa die Fernsehrechte an „Herr der Ringe“. Daraus soll eine Serie entstehen. Amazons Interesse an der Kinokette deutet zudem darauf hin, dass die amerikanische Regierung die derzeitige Gesetzeslage womöglich bald abschaffen könnte, wonach es Unternehmen mit eigenen Studios untersagt ist, zugleich auch Kinos zu besitzen.

Läuft Amazon Gefahr sich zu verzetteln?

Die jüngsten Zukäufe dürfen derweil nicht darüber hinwegtäuschen, dass Amazon auch seine Online-Angebote weiter ausgebaut. Kürzlich ist bekannt geworden, dass aus der Spieleplattform Twitch ein breiter angelegter Videodienst werden soll, mit dem Amazon offenbar auch der zu Google gehörenden Plattform Youtube Konkurrenz machen möchte.

In Großbritannien erwägt Amazon zudem die Gründung eines Versicherungs-Vergleichsportals. Der Konzern habe bei einigen der größten Versicherer in Europa vorgefühlt, ob sie ihr Produkte dort aufführen lassen würden, sagten drei Manager aus der Branche der Nachrichtenagentur Reuters.

Das Unternehmen durchdringt inzwischen zahlreiche Lebensbereiche: Neben dem Online-Handel gehören dazu auch das Geschäft mit Cloud-Diensten und Künstlicher Intelligenz sowie Streamingangebote und die Lieferung frischer Lebensmittel. Hinzu kommt Bezos privates Engagement in der linearen Welt: 2013 erwarb er die Zeitung "Washington Post".

Schon fragen sich erste Kritiker, ob Amazon bei dieser Strategie nicht Gefahr läuft sich zu verzetteln.

lg