Amazon-Gründer Jeff Bezos
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Aktie unter Druck Amazon: Auch Rekorde können enttäuschen

Stand: 26.10.2018, 06:52 Uhr

Amazon ist es den vergangenen Quartalen immer besser gelungen, trotz hoher Investitionen immer mehr Gewinne einzufahren. Doch für das dritte Quartal waren die Erwartungen der Analysten zu hoch. Auch der Ausblick enttäuscht.

Fürs traditionell umsatzstarke Weihnachtsquartal geht der weltgrößte Onlinehändler maximal von Erlösen von 72,5 Milliarden Dollar sowie mit einem Betriebsergebnis von bestenfalls 3,6 Milliarden Dollar aus. Der Umsatz entspräche einem Plus von einem Fünftel, was das schlechteste Quartalswachstum seit zumindest Anfang 2016 wäre.

Dabei profitierte der Konzern im dritten Quartal erneut von seiner Stärke im Cloudgeschäft wie auch im traditionellen Onlinehandel. Der Gewinn schoss im Jahresvergleich von 256 Millionen auf 2,9 Milliarden Dollar in die Höhe - soviel Geld hat Amazon noch nie zuvor verdient. Es ist ein Rekordergebnis. Der Umsatz kletterte um 29 Prozent auf 56,6 Milliarden Dollar. Doch Analysten hatten noch mehr erwartet.

Starker Kostenanstieg

Amazon: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Anleger nahmen Reißaus: Im nachbörslichen Handel an der Wall Street gab die Aktie mehr als sechs Prozent nach. Der Kurs war allerdings zuvor mehr als sieben Prozent fester aus dem US-Handel gegangen und steht auf Jahressicht massiv im Plus. Im September hatte Amazon sogar vorübergehend einen Börsenwert von mehr als einer Billion Dollar erreicht - als erstes Unternehmen nach Apple.

Zudem gab es im dritten Quartal einen starken Kostenanstieg um 22 Prozent auf 52,8 Milliarden Dollar und angesichts zahlreicher Investitionen dürften die Ausgaben hoch bleiben. Die kostspieligen Expansionen in etlichen Geschäftsbereichen zahlen sich allerdings zunehmend aus.

Lukratives Cloud-Geschäft

So kann der Konzern weiter auf sein lukratives Cloud-Geschäft mit IT-Diensten und Speicherplatz im Internet bauen. Die Web-Plattform AWS, Amazons Ertragsperle, die Web-Services an Unternehmen verkauft und in diesem Bereich Marktführer ist, steigerte die Einnahmen um 46 Prozent auf 6,7 Milliarden Dollar. Aber die Konkurrenz macht Druck - Microsofts Rivale Azure schaffte im jüngsten Quartal ein Umsatzwachstum von 76 Prozent. Dritter großer Wettbewerber im umkämpften Markt ist Google.

Amazon-Gründer Jeff Bezos

Amazon-Gründer Jeff Bezos. | Bildquelle: picture alliance / Michael Reynolds/EPA/dpa

Finanzchef Brian Olsavsky betonte trotz der schwächeren Wachstumsperspektive, dass Amazon ein "starkes Weihnachtsgeschäft" erwarte. Der Ausblick spiegele das wider. Amazon sei es den vergangenen Quartalen immer besser gelungen, trotz hoher Investitionen in den schwarzen Zahlen zu landen. Zuletzt sei die Belegschaft langsamer gewachsen, Lager seien besser genutzt und Rechenzentren ausgelasteter gewesen, fasste Olsavsky einige der Bemühungen zur Eindämmung der Kosten zusammen.

Analysten kürzen Kursziel

Einige Analysten haben ihre Einschätzungen nach den Zahlen leicht nach unten korrigiert. So hat UBS-Experte Eric Sheridan das Kursziel für Amazon von 2.150 auf 2.100 Dollar gesenkt, aber die Einstufung auf "Buy" belassen. Trotz des verlangsamten Umsatzwachstums sorge er sich nicht um das langfristige Wachstumspotenzial des Online-Handelskonzerns. Allerdings senkte der Analyst seine Gewinnerwartungen angesichts des Unternehmensausblicks für das Schlussquartal etwas.

Auch Goldman Sachs hat das Kursziel leicht gesenkt, von 2.250 auf 2.200 Dollar. Die Kaufempfehlung blieb aber unverändert bestehen.

lg

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Jeffrey "Jeff" Preston Jorgensen kam am 12. Januar 1964 in Albuquerque in New Mexico zur Welt. Nach einem Jahr trennte sich seine Mutter Jacklyn Gise von Jeffs Vater, dem Zirkusartisten Ted Jorgensen. Als Jeff vier Jahre alt war, heiratete seine Mutter den kubanischen Immigranten Miguel Bezos. Mit ihm bekam sie zwei weitere Kinder: Christina und Mark. Miguel Bezos adoptierte Jeff. Das erfuhr er mit zehn Jahren - doch...