Dilemma, Zwickmühle oder einfach zuviele Fragen

Kommentar Alphabet und die eine Antwort, die fehlt

von Angela Göpfert

Stand: 24.04.2018, 08:39 Uhr

Die Google-Konzernmutter ist eine geniale Geldmaschine – immer noch! Doch die Antwort auf die wohl drängendste Frage an der Wall Street bleibt Alphabet schuldig.

Es war kein schlechtes Quartal für Alphabet. Ganz bestimmt nicht. Der Technologie-Riese hat es mal wieder geschafft, Wachstumszahlen zu präsentieren, bei denen andere Unternehmen vor Neid verblassen würden.

Doch da ist etwas, das Alphabets Quartalszahlen zunehmend vermissen lassen: Inspiration. Wie will das Unternehmen in Zeiten drohender regulatorischer Eingriffe künftig sein Geld verdienen?

Unsicherheitsfaktor Politik

Denn Fakt ist: Trotz des ganzen Schnickschnacks – Google Nest, Google Ventures et cetera – verdient Alphabet sein Geld immer noch in erster Linie genauso wie das Google vor zehn Jahren: mit Internet-Werbung. Im ersten Quartal war die Internet-Werbung für 86 Prozent der gesamten Alphabet-Erlöse verantwortlich.

Doch genau hier könnten die Politiker in der EU und insbesondere in den USA bald einen Riegel vorschieben. Der Cambridge-Skandal beim sozialen Netzwerk Facebook hat die Verantwortlichen aufgeschreckt.

Nicht so "böse" wie Facebook?

Zugegeben: Alphabet erscheint in der aktuellen Wahrnehmung, in der Diskussion um Privatsphäre im Netz nicht ganz so "böse" wie Facebook. Doch eines ist sicher: Jeder regulatorische Eingriff in diese Richtung wird auch Alphabet betreffen.

Denn wohl kaum ein Konzern auf der ganzen Welt sammelt so viele Daten über seine Nutzer wie Google.

Neue Einnahmequellen verzweifelt gesucht

Zu glauben, ausgerechnet Alphabet würde bei staatlichen Eingriffen, sollte es soweit kommen, ungeschoren davon kommen, ist einfach nur naiv.

Zudem sind alle Versuche Alphabets, seine Einnahmequellen zu diversifizieren, bislang vor allem eines: extrem kostenträchtig. Das zeigen die hohen Investitionsausgaben, die im ersten Quartal von 2,5 auf 7,3 Milliarden Dollar in die Höhe schnellten.

Zu viel Google

Es bleibt der Eindruck, dass Alphabet sich nicht schnell genug an die sich ändernden Marktbedingungen anpasst, dass Alphabet immer noch viel zu sehr Google ist. Das schränkt die langfristigen Wachstumschancen in der Nach-Cambridge-Welt erheblich ein.

Vor diesem Hintergrund sollten Anleger bei dieser Aktie weiterhin extreme Vorsicht walten lassen. Der Markt scheint das regulatorische Risiko bei Alphabet weiterhin zu unterschätzen.