Google Alphabet

Gut ist nicht gut genug Alphabet: K wie Kursverluste

Stand: 26.10.2018, 07:08 Uhr

Sprudelnde Einnahmen aus Online-Werbung haben dem US-Technologieriesen Alphabet zu einem Gewinnsprung verholfen. Was machen die Aktien? Sie fallen! Und warum? Wegen der Kosten und der hohen Erwartungen.

Der Umsatz des Suchmaschinenanbieters legte im dritten Quartal zwar um 21 Prozent auf 33,7 Milliarden Dollar zu, wie der Konzern am Abend mitteilte. Analysten hatten im Schnitt aber mit 34,05 Milliarden Dollar gerechnet. Der Reingewinn lag bei 13,06 Dollar pro Aktie, verglichen mit 9,57 Dollar pro Aktie im Vorjahresquartal. Damit wurden die Schätzungen von 10,45 Dollar deutlich übertroffen. Insgesamt kletterte der Überschuss um fast 37 Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar, ebenfalls mehr als erwartet.

Buchstaben-Würfel

Alphabet. | Bildquelle: Alphabet

Einige Experten bleiben allerdings vorsichtig, was die weitere Entwicklung betrifft. Denn es gebe Anzeichen für einen wachsenden Kostendruck auf den Technologiegiganten. "Die Ertragsdynamik von Google bleibt stark", sagte Haris Anwar, Analyst bei Investing.com: "Aber wenn man etwas tiefer eindringt, sieht man einen sich aufbauenden Kostendruck, der vor allem für die Enttäuschung über das abgelaufene Quartal verantwortlich ist." Die Ergebnisse des Technologieunternehmens schürten die Sorge der Investoren, dass große Investitionen in neue Unternehmen, zunehmende regulatorische Kontrollen und der Wettbewerb nur langsam und unvorhersehbar Gewinne abwerfen.

Werbeeinnahmen klettern um 20 Prozent

Alphabet A: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.130,10
Differenz relativ
-1,42%

Im dritten Quartal lagen die Werbeeinnahmen bei etwa 29 Milliarden Dollar, ein Plus von 20,3 Prozent zum Vorjahr und über der durchschnittlichen Schätzung von 28,76 Milliarden Dollar. Damit bleiben die Anzeigen die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle von Alphabet. Der Umsatz in anderen Bereichen wie Gesundheit, im Cloudgeschäft und im Hardware-Verkauf lag aber hinter den Erwartungen, obwohl er um 43 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar zunahm.

"Unser Geschäft bleibt weltweit stark in Form", kommentierte Finanzchefin Ruth Porat die Zahlen. Zudem spielte dem Konzern die Steuersenkung der US-Regierung in die Karten. Die effektive Steuerquote ging von 16 auf lediglich neun Prozent zurück. Allerdings knabbern Rivalen wie Amazon und Facebook an den Werbe-Umsätzen von Google.

Vorwürfe der sexuellen Belästigung

An den Märkten sorgen die Zahlen dennoch für eine leichte Enttäuschung. An der Wall Street verlor die Alphabet-Aktie im nachbörslichen Handel bis zu vier Prozent. Allerdings hatte sie im regulären Handel noch 4,4 Prozent zugelegt. Analysten der britischen Barclays-Bank empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf. Ihr Kursziel haben sie allerdings leicht auf 1.400 nach 1.415 Dollar herunter geschraubt.

Überschattet wurden die Zahlen von Berichten über sexuelle Belästigung in dem Konzern. In einem Rundschreiben an die Google-Belegschaft erklärte Vorstandschef Sundar Pichai, das Unternehmen habe in den vergangenen zwei Jahren 48 Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung ohne Abfindung entlassen. In der E-Mail, die von verschiedenen US-Medien im Internet veröffentlicht wurde, heißt es, bei 13 der Entlassenen habe es sich um Führungskräfte gehandelt.

lg

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Glasfaserkabel

Access & Energy
In einigen Regionen der USA betreibt das Unternehmen Access & Energy mit dem Projekt "Fiber" ein symmetrisches Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz. Aus über 1.100 Bewerbern wählte damals Google, bis 2015 noch für das Projekt zuständig, Kansas City als erste Gemeinde aus, in der der Aufbau der teilweise experimentiellen Breitbandinternet-Infrastruktur beginnen sollte. Mittlerweile ist "Fiber" in mehreren US-Städten erreichbar.

Experten zweifeln an dem Projekt. Auch Alphabet schien nicht immer überzeugt zu sein, 2016 forderte der Mutterkonzern Google Fiber auf, 500 der 1.000 Mitarbeiter zu entlassen - nach einem Quartalsverlust von 280 Millionen Dollar.