AT&T: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aktie des Tages AT&T, der verkannte Riese

Stand: 14.11.2018, 09:25 Uhr

Die jüngsten Quartalsergebnisse des Dow-Jones-Schwergewichts wurden mit wenig Begeisterung aufgenommen. Aber ein zweiter Blick auf das Papier könnte sich lohnen, das derzeit eine Dividendenrendite von 6,5 Prozent bietet.

Spätestens mit der Übernahme des Medienkonzerns Time Warner im Juni ist AT&T mehr als "nur" ein reiner Telekommunikationswert. Durch den 85 Milliarden Dollar schweren Zukauf ist nämlich ein Medienriese entstanden, der nun mit Größen wie Netflix, Google oder anderen Streaming-Anbietern im Ring steht, um sich auf diesem Zukunftsmarkt zu positionieren.

Der genauere Blick auf die Zahlen des dritten Quartal zeigt zudem, dass die Texaner die nötige finanzielle Kraft haben, um nicht nur ihre Dividenden weiter zu zahlen, sondern auch die Verschuldung des Unternehmens zurückzuführen. Apropos Dividende: Auf dem jetzigen Niveau von etwas über 30 Dollar bietet sich dem Investor eine attraktive Rendite von rund 6,5 Prozent.

Jeweils 0,50 Dollar pro Quartal hat AT&T bisher für 2018 gezahlt, zuletzt am 9. Oktober. Insgesamt werden also 2,00 Dollar je Aktie ausgeschüttet nach 1,96 Dollar im Vorjahr. Die Schlussdividende für dieses Jahr steht Anfang Januar auf der Agenda.

Hoher Cash Flow bietet Flexibilität

Im Kerngeschäft Mobiles Telefonieren marschiert AT&T auf Augenhöhe mit dem Erzrivalen Verizon, wie die jüngsten Quartalszahlen gezeigt haben. Nähere Einblicke bietet aber ein Blick auf die Entwicklung des Cash Flows, für die investitionsintensive Branche stets ein wichtiger Hinweis. So stieg der Cash Flow aus dem operativen Geschäft um komfortable 22 Prozent.

Das lässt Firmenchef John Donovan Spielräume, sowohl die Dividende zu bedienen, als auch die hohe Verschuldung des Konzerns von 174 Milliarden Dollar abzubauen. Ein klares strategisches Ziel, dem sich das Management verschrieben hat.

AT&T-Logo

AT&T. | Bildquelle: picture alliance/AP Photo

Zehn Milliarden Dollar wurden in den ersten drei Quartalen bereits an Dividende gezahlt, weitere acht Milliarden liquide Mittel sind noch übrig. Selbst bei einem gleichbleibenden Cash Flow bliebe mehr als genug Luft. Donovan will in diesem Jahr aber auch eine Rate der langfristigen Verschuldung im Verhältnis zum Ebitda auf 2,9 und bis zum Ende des nächsten Jahres von 2,5 erreichen. Je geringer diese Rate, desto geringer ist die Zinslast.

Time Warner-Integration

Eine wichtige strategische Baustelle ist die Integration von Time Warner mit den bereits im Konzern befindlichen Streaming-Diensten. Davon hat AT&T bereits genug, etwa die Plattform HBO oder klassische Shows, jedes Genre zu einem eigenen Preis. Der für 2019 geplante Warner Media Streaming Service wird ein Angebot verschiedener Genres sein, beginnend zunächst mit den eigenen Inhalten, zu denen die von Warner und Turner sowie aus der virtuellen "Bücherei" hinzukommen. Das Programm soll als sogenannte OTT-Plattform angeboten werden, bei der auch Angebote Dritter über das Internet abgerufen werden können.

Allerdings ist der Konzern noch nicht soweit, derzeit ist das vierte Quartal 2019 für den Dienst anvisiert. Und die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht, Netflix und Amazon haben bereits sehr starke Streaming-Dienste. Und haben sie bereits ausgebaut, während sich AT&T mit dem Aufbau beschäftigen musste. Kommt der Riese da womöglich zu spät? Eine Sorge, die nicht von der Hand zu weisen ist.

Aktie zuletzt etwas erholt

Das an der NYSE beheimatete AT&T-Papier hat sich zuletzt vom Rückschlag nach den Quartalszahlen erholt, als es die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Gestern schloss die Aktie bei 30,33 Dollar. Das Jahreshoch lag Ende Dezember 2017 bei etwas über 39, das Tief im Oktober bei etwas über 29 Dollar.

rm