Allianz AG-Schriftzug

Sondierungsgespräche mit der Börse laufen schon Allianz will sich ausführliche Quartalsberichte sparen

Stand: 06.02.2020, 14:37 Uhr

Europas größter Versicherer fürchtet einen massiven Mehraufwand durch den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 17. Dieser wird die Bilanzen der Unternehmen grundsätzlich umkrempeln. Deshalb möchte sich die Allianz lieber französische Versicherer zum Vorbild nehmen.

So veröffentlicht etwa Axa zum ersten und dritten Quartal nur noch Eckdaten zu Umsatz und Neugeschäft. Lediglich für Halbjahr und Gesamtjahr gibt es noch das vollständige Zahlenwerk. Das klingt auch für die Allianz verlockend, denn wegen IFRS 17 droht ab 2023 viel Arbeit: Um die neuen Zahlen mit den alten vergleichen zu können, müsste die Allianz ihre Quartalsabschlüsse künftig wohl doppelt erstellen. Am liebsten wolle man also schon im kommenden Jahr auf Halbjahresberichte übergehen.

Die Regeln der Deutschen Börse verlangen allerdings zwingend quartalsweise Berichte bei Dax-Konzernen. Deshalb führt die Allianz bereits Verhandlungen mit der Börse, die sich auch gesprächsbereit zeigt. Die Mitgliedschaft im Dax will der Versicherer dabei auf keinen Fall gefährden, Porsche soll also kein Vorbild sein. 2001 hatte der damals noch eigenständig börsennotierte Autobauer seinen Platz im MDax verloren, weil der damalige Chef Wendelin Wiedeking Quartalsberichte verweigerte.

Konkurrenz springt der Allianz nicht bei

Andere deutsche Versicherer reagieren zurückhaltend auf die Pläne der Allianz. Talanx bezeichnet die Quartalsmitteilungen als wichtig für die Investoren. Es gelte abzuwägen zwischen guter Information für den Kapitalmarkt und unternehmerischer Effizienz. Das sieht die Talanx-Tochter Hannover Rück ähnlich, der Versicherer führt keine Gespräche mit der Deutschen Börse. Die Münchener Rück äußerte sich zu der Sache nicht.

Die Deutsche Börse ist der einzige große Börsenbetreiber Europas, der alle drei Monate einen Bericht über die Geschäftslage fordert. Vor vier Jahren hat die Börse die Anforderungen an die Berichte aber deutlich zurückgeschraubt, nachdem die Europäische Union die Pflicht zu Quartalsberichten gekippt hatte. Seitdem genügen nach drei und neun Monaten weniger förmliche Mitteilungen. Neben beispielsweise dem Konsumgüterkonzern Beiersdorf setzt auch die Allianz schon auf diese abgespeckten Berichte, der Aufwand sei dadurch aber kaum geringer geworden.

niw