Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf
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160 Millionen Dollar Allianz glaubt an Fintech N26

Stand: 20.03.2018, 09:54 Uhr

Die Berliner Online-Bank N26 wächst und wächst. Das kostet Millionen. Doch die Investoren ziehen mit. Zu den Gebern einer neuen Finanzierungsrunde gehören auch Riesenkonzerne wie die Allianz und der chinesische Internet-Gigant Tencent.

Insgesamt brachte die Finanzierungsrunde dem Berliner Unternehmen 160 Millionen Dollar (130 Millionen Euro) ein, wie N26 am Morgen mitteilte. Der Bank zufolge ist dies die bisher größte Eigenkapital-Finanzierung im deutschen Fintech-Sektor abseits von Börsengängen.

Insgesamt hat N26 damit bis heute 215 Millionen Dollar von Investoren erhalten. Die Bank habe seit dem Start im Januar 2015 mehr als 850.000 Kunden gewonnen, hieß es. Bis Ende 2020 will das Start-up fünf Millionen Nutzer haben.

Profitables Kundenportfolio

N26-Mitgründer Valentin Stalf sagte jüngst der Deutschen Presse-Agentur, N26 verfüge inzwischen über ein "profitables Kundenportfolio": "Heute verdienen wir mit jedem Kunden Geld." Europas größter Versicherer Allianz betrachtet N26 als klaren "Vorreiter im Mobile Banking", wie der Digitalchef des Konzerns, Solmaz Altin, sagte. "Wir sehen viele Verknüpfungspunkte für ein Zusammengehen zwischen N26 und der Allianz-Gruppe", erklärte Nazim Cetin, Chef der Venture Capital-Einheit Allianz X.

Welche Motive genau der Versicherungskonzern mit dem Einstieg verfolgt, bleibt unklar. Auffällig ist aber, dass immer mehr Versicherer nicht nur in InsurTechs, sondern auch in Banken-Startups investieren. So gehörte die Hannover Rück zu den ersten und größten Investoren des Berliner Fintech-Labors Finleap, der unter anderem hinter der Solarisbank steht.

Direkter Konkurrent

Während viele Start-ups aus dem Finanzsektor mit traditionellen Banken kooperieren, tritt N26 als direkter Konkurrent auf. Das Unternehmen hatte zum Marktstart noch die Lizenz und Dienstleistungen der Wirecard Bank AG in Anspruch genommen. Im Juli 2016 erhielt N26 dann eine eigene Banklizenz.

Beim Start im Jahr 2015 habe man mit den Kunden noch Verlust gemacht, weil Gebühren an die Partnerbank gezahlt werden mussten, räumte Stalf ein. Durch die eigene Lizenz könne N26 auch eigene IT-Systeme betreiben. "Wir haben damit deutlich geringere Kosten als traditionelle Banken."

Die bisherige Bestmarke bei der Finanzierung solcher Online-Banken hatte die Hamburger Kreditech gehalten. Dieses auf die Kreditvergabe spezialisiertes Fintech hatte im Herbst 2015 zunächst 82,5 Millionen Euro und Anfang vergangenen Jahres dann noch einmal geschätzt zwischen 75 Millionen und 80 Millionen Euro frisches Eigenkapital erhalten. Hinter N26 und Kreditech folgt die Berliner Solarisbank, die rund 57 Millionen Euro einsammeln konnte.

lg/dpa