Oliver Bäte, Allianz

Allianz zu langsam? Bäte drückt aufs Umbau-Tempo

Stand: 17.01.2019, 08:19 Uhr

Mehr Tempo beim Umbau und die Vorteile der Digitalisierung besser nutzen: In einem aktuellen Interview bezieht Allianz-Chef Oliver Bäte Stellung zur goldenen Zukunft der Allianz. Die Zukunft der Weltwirtschaft erscheint dem Dax-Boss dagegen eher finster.

„Der Ausblick hat sich erheblich verdüstert, im Vergleich mit den Erwartungen vor 24 Monaten“, sagte Oliver Bäte in einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung". Sorgen bereite ihm etwa ein Auseinanderdriften der Gesellschaften wie aktuell in Frankreich und Großbritannien. „Die Spannungen in den Zentren der Gesellschaften nehmen zu.“

Für die Allianz ist er dagegen weniger pessimistisch. Europas größter Versicherer habe aus den Finanzkrisen der Vergangenheit gelernt, betonte Bäte. „Wir haben uns so organisiert, dass wir auch sehr kräftige Verwerfungen an den Märkten auffangen können.“ Das sei an der starken Kapitalausstattung des Konzerns zu sehen.

Die Konkurrenz von Amazon & Co im Blick

Trotzdem will der Allianz-Chef die Neuaufstellung des Konzerns vorantreiben: „Wir sind beim Umbau zu langsam. Aber die gute Nachricht sei, dass es konsequent in die richtige Richtung gehe und gut überlegt sei. Bäte, der seit 2015 auf dem Chefsessel sitzt, will in den kommenden Jahren vor allem die Produktwelt des Konzerns vereinfachen und dabei die Vorteile der Digitalisierung nutzen.

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Als Beispiel, wie die Allianz künftig ihre Produkte handhaben will, nannte Bäte den neuen europäischen Direktversicherer. „Wir haben vor fast 20 Jahren den Direktversicherer Allianz 24 gegründet und danach wieder eingeklappt. Diesmal ist das ganz anders“, sagte der frühere McKinsey-Berater. Die europäische Direktversicherung solle als Musterbeispiel für andere Produkte dienen.

„Wir vereinheitlichen Produkte und Prozesse mit einer einheitlichen IT, die auch funktioniert. Dabei bauen wir auf der vorhandenen Infrastruktur auf. Das ist strategisch auch deshalb von großer Bedeutung, weil das die Basis sein wird, von der aus wir alternative Produkt- und Prozessmodelle auch für das alte Kerngeschäft entwickeln“, sagte er der SZ. Das sei notwendig, um auch der zunehmenden Konkurrenz durch über Plattformen wie Amazon vertriebenen Versicherungen Herr zu werden.

Der Rest darf heimgehen  

Immer wieder aufkommenden Kritik an seinem Führungsstil und dem zu schnellen Umbau des Konzerns entgegnete Bäte, dessen Vertrag erst vor kurzem bis 2024 verlängert wurde: „Wir nehmen uns die Zeit dafür, die Leute abzuholen. Man kann nicht alle gewinnen, aber 80 Prozent, die wichtig sind im Management. Und die, die nicht mitmachen wollen, muss man nach Hause schicken.“ Bäte dementierte dabei aber einmal mehr Spekulationen über ein Programm zum massiven Stellenabbau in Deutschland. „Das ist kompletter Unsinn. Darum geht es nicht.“

Die Aktien der Allianz haben in den vergangenen zwölf Monaten etwas mehr als zehn Prozent eingebüßt. Im gleichen Zeitraum fiel der Vergleichsindex Dax indes um fast 18 Prozent zurück.  

ts/dpa

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