1/10

Alles, was sie zu einer Bankenfusion wissen müssen Von Skaleneffekten und Fallstricken

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Olaf Scholz
Bundesfinanzminister Scholz wünscht sich angeblich einen "nationalen Champion" auf dem deutschen Bankenmarkt. Dass sich die Politik überhaupt in diese Angelegenheit einmischt, ist auf die Beteiligung des Bundes an der Commerzbank zurückzuführen. Sie beträgt derzeit 15 Prozent. Und neben industriepolitischen Überlegungen geht es dem Finanzminister auch darum, das in der Commerzbank gebundene Geld - seinerzeit waren es fünf Milliarden Euro - wieder zurückzubekommen.

Mehr zum Thema:
Verschluckt

Alles, was sie zu einer Bankenfusion wissen müssen Von Skaleneffekten und Fallstricken

Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister

Olaf Scholz
Bundesfinanzminister Scholz wünscht sich angeblich einen "nationalen Champion" auf dem deutschen Bankenmarkt. Dass sich die Politik überhaupt in diese Angelegenheit einmischt, ist auf die Beteiligung des Bundes an der Commerzbank zurückzuführen. Sie beträgt derzeit 15 Prozent. Und neben industriepolitischen Überlegungen geht es dem Finanzminister auch darum, das in der Commerzbank gebundene Geld - seinerzeit waren es fünf Milliarden Euro - wieder zurückzubekommen.

Mehr zum Thema:
Verschluckt

Eine Kundin betritt die Filiale der Deutschen Bank in Frankfurt

32 Millionen Kunden
Gemeinsam kämen Deutsche und Commerzbank auf 32 Millionen Kunden, damit blieben sie in Deutschland die Nummer zwei hinter den Sparkassen. Allerdings würde die fusionierte Bank mit einer Bilanzsumme von zwei Billionen Euro wieder in die weltweite Liste der ersten zehn Geldhäuser aufsteigen.

Für viele Privatkunden würde der Weg zu ihrer Filiale oder dem nächsten Geldautomaten allerdings länger, denn durch eine Fusion würden viele Filialen und Automaten wegfallen.

Skaleneffekte

Späte Skaleneffekte
Kosten senken, Gewinn steigern. Das ist, vereinfacht gesagt, die Hauptidee hinter der möglichen Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank.

Ein wesentlicher Hebel dafür dürfte neben einem Stellenabbau die Zusammenlegung der Informationstechnik (IT) sein. Doch zunächst, so schätzen Experten, werden zusätzliche Kosten anfallen, und zwar in Milliardenhöhe. Die Kostensenkungen von geschätzten sechs Milliarden Euro im Jahr, davon jeweils die Hälfte für Personal und Sachkosten werden dagegen erst später erwartet – wenn überhaupt.

Stellenstreichungen
Einer Zusammenlegung der gelben und der blauen Bank würde nach Schätzungen von Experten Zehntausende Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet im Fall einer Fusion den Verlust von bis zu 30.000 Stellen. Ende 2018 beschäftigten beide Institute zusammen gut 133.000 Vollzeitkräfte.

Ein Windsack hängt bei Windstille an einem Mast

Viele Jahre Lähmung
Eine Fusion von "Gelb" und "Blau" umzusetzen, würde die Organisationen außerdem viele Jahre lähmen, meinen die Analysten. Jahre, in denen die Banker Produkte, Kunden, Märkte und Konkurrenz vernachlässigen. Jahre, in denen viele vor allem damit beschäftigt wären, ihre neue Rolle im fusionierten Unternehmen zu finden. Jahre, in denen Finanz-Start-ups den Instituten weiter Geschäft wegnehmen.

Eurozeichen scheint in einem Auge auf

Schwache Rendite
Ein Zusammenschluss der deutschen Geldhäuser dürfte die Rendite kurzfristig kaum verbessern, aber zu höheren Kapitalanforderungen führen. Experten schätzen, dass auch eine neue Großbank nur auf eine Rendite von fünf Prozent käme. Sie würde also ihre Kapitalkosten nicht verdienen.

EBA- und EZB-Schriftzüge

Kapitalerhöhung nötig?
Der oberste Bankenkontrolleur der Europäischen Zentralbank, Andrea Enria, verwies darauf, dass eine Bank bei einer besonderen Größe und Systemrelevanz zusätzliches Kapital vorhalten müsse. Ob die gebeutelten Aktionäre von Deutscher Bank und Commerzbank aber bereit sind, den Häusern noch einmal Geld zu geben, ist mehr als unklar.

Chemielaborant mischt Flüssigkeiten

Vorsicht ist geboten
Zudem müssten sich die Aktionäre aus Sicht vieler Experten auf hohe Risiken einstellen. So müsse die Deutsche Bank ihr Investmentbanking stabilisieren, und das schwache vierte Quartal 2018 habe dafür kaum Belege geliefert, dass dies gelingt. Auch die seit 2009 laufende Integration der Postbank noch immer nicht ganz abgeschlossen.

Türme der Deutsche Bank und Commerzbank

Nur keine Eile
Für eine Fusion mit der Commerzbank gibt es aus Sicht der meisten Analysten keine Eile. "Wir denken, dass es im Interesse der Deutschen Bank ist, dass jede mögliche Fusion so spät wie möglich geschieht", erklärt JPMorgan-Experte Kian Abouhossein. Dass ein ausländisches Geldhaus die Commerzbank vorher wegschnappt, hält er für unwahrscheinlich: "Grenzüberschreitende Fusionen in Europa sind kurz- und mittelfristig eher unwahrscheinlich."

Mehr zum Thema: Macht eine Banken-Hochzeit eigentlich Sinn?

Europäische Zentralbank

Europäische Zentralbank
Sollten die laufenden Gespräche tatsächlich zu einer Fusion von Deutsche Bank und Commerzbank führen, bräuchte es auch die Zustimmung der Aufsichtsbehörden, allen voran der Europäischen Zentralbank (EZB), aber auch der Bundesbank und der BaFin. Intern bereiten sich die Behörden offenbar auf regelmäßige Besprechungen mit der Geschäftsführung der Banken vor, um die mögliche Fusion genau zu überwachen. Die Behörden würden nach eigenen Aussagen die Fusion nur dann genehmigen, wenn es "glaubwürdige und tragfähige" Umsetzungspläne gebe, hieß es in der "FT". Die Zeitung stützt sich auf anonyme Quellen. Eine offizielle Stellungnahme seitens EZB, Bundesbank oder BaFin gibt es bislang nicht.