Anwendung des CRISPR/Cas9-Verfahrens

Genscheren-Profiteure an der Börse Alles Crispr oder was?

Stand: 28.02.2019, 15:38 Uhr

Wer Crispr hört, denkt vielleicht an eine neue Keks-Marke. Tatsächlich steckt hinter dem Begriff eine Gen-Technologie, die bald die gesamte Medizin revolutionieren könnte. Nach der ersten Behandlung eines Patienten mit der Genschere springen mehrere Aktien nach oben.

Für Samarth Kulkani, Chef von Crispr Therapeutics ist es ein "medizinischer Meilenstein". Anfang der Woche gab das börsennotierte Biotech-Unternehmen bekannt, dass erstmals ein Mensch im Rahmen einer klinischen Studie mit dem Enzym Crisp-Cas9, das als Genschere bezeichnet wird, behandelt wurde. Dies sei der Anfang des Versprechens, dass das Enzym schwere Erkrankungen heile.

Kurssprung bei Crispr-Therapeutics

Konkret geht es um die Behandlung der erblichen Erkrankung des roten Blutfarbstoffs ß-Thalassämie. Patienten, die darunter leiden, besitzen weniger rote Blutkörperchen und benötigen gegebenenfalls in regelmäßigen Abständen Bluttransfusionen. Crispr-Therapeutics kooperiert bei der Behandlung mit dem US-Pharma-Unternehmen Vertex.

Nach der Ankündigung kletterten die Aktien von Crispr-Therapeutics in dieser Woche um über 20 Prozent nach oben. Auf Zwei-Jahres-Sicht haben die Titel über 60 Prozent zugelegt. Im Sog von Crispr-Therapeutics zogen auch die Aktien von Intellia Therapeutics und Editas Medicine an. Sie forschen ebenfalls zur Genschere.

Qiagen und Merck mischen mit

Unter den deutschen Unternehmen mischt vor allem Qiagen in Sachen Crispr mit. Peer Schatz, Chef der Biotech-Firma Qiagen, schwärmt von Crispr als "nächster Technologierevolution". Mit der Genschere Crispr/Cas9 können Wissenschaftler Teile des Erbguts löschen und ersetzen. Dadurch lassen sich möglicherweise eines Tages Erkrankungen wie Malaria und schwere Erbkrankheiten wie Mukoviszidose oder Muskeldystrophie verhindern.

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
94,44
Differenz relativ
+1,09%

Auch der deutsche Pharma-Konzern Merck sieht im Crispr-Geschäft großes Potenzial. Vor einer Woche erhielten die Darmstädter in den USA das erste Patent für das Proxy-Crispr-Verfahren. Damit hält Merck nun weltweit 13 Crispr-Patente. Pharma-Konzerne hinken bei den neuen Therapien noch hinterher.

Ende des vergangenen Jahres hatte der chinesische Genom-Forscher He Jiankui mit der Geburt der ersten genmanipulierten Babys für internationales Aufsehen gesorgt. He hatte auf Youtube verkündet, er habe mit der Genschere Crispr/Cas9 Embryonen manipuliert, um sie gegen den Aidserreger HIV resistent zu machen. Zahlreiche Wissenschaftler und Politiker reagierten empört über die "Crispr-Babys".

nb