Hingucker der Woche

Weitere Kursgewinne trotz Turbulenzen? Alle Blicke auf die Konjunktur

Stand: 31.03.2019, 11:03 Uhr

Es hagelt Gewinnwarnungen, Bayer verbrennt 50 Milliarden Euro und die Frage des Brexit ist noch immer ungelöst. Trotzdem hat der Dax in vergangenen Woche weiter zugelegt, im ersten Quartal sogar um neun Prozent. Und wie geht es nun weiter?

Zunächst einmal dürfte es turbulent weitergehen, denn die großen Belastungsfaktoren wie der Handelsstreit, die Abkühlung der Weltwirtschaft sowie das Chaos um den Brexit bleiben bestehen. Das dürfte so manchen Anleger verunsichern. Allerdings dürfte auch eine Entspannung bei den politischen Konfliktherden, allen voran natürlich zwischen den USA und China, sehr rasch für eine bessere Stimmung sorgen, sowohl an den Aktienmärkten als auch in der Wirtschaft.

Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass der Dax zunächst seinen guten Lauf fortsetzt. bereits am Freitag hat die Hoffnung auf eine Beilegung des amerikanisch-chinesischen Handelsstreit die Kurse beflügelt. An der Weltleitbörse in New York verfehlte der Dow Jones-Index nur knapp die Marke von 26.000 Punkten. Auch der Dax schloss fast 100 Punkte höher bei 11.526 Zählern. Gute Voraussetzungen also für einen positiven Wochenauftakt.

Sind die Kurse zu weit voraus gelaufen?

Commerzbank-Stratege Andreas Wex rät zur Vorsicht. Im ersten Quartal seien die Kurse "etwas zu weit voraus gelaufen", meint er mit Blick auf die kräftigen Kursgewinne im Dax (plus 9 Prozent) und im Dow (plus 10,5 Prozent). Investoren hätten das schwierigere Umfeld für die Unternehmen ignoriert und gewissermaßen über die Konjunkturdelle hinweg geschaut. Damit aber könnten sie zu optimistisch gewesen sein.

Denn Frühindikatoren zeichnen neuerdings ein tristeres Bild für die Weltwirtschaft. Mit Spannung dürften Anleger daher in der neuen Woche auf die neuesten Stimmungsdaten schauen. In der neuen Woche ist eine ganze Flut von Konjunkturzahlen zu erwarten.

Flut von Konjunkturdaten

Am Montag und Mittwoch werden die finalen Einkaufsmanagerindizes für März veröffentlicht, sowohl für Deutschland als auch die Eurozone und die USA. Hier zu Lande stehen am Donnerstag die Auftragseingänge der Industrie im Februar und am Freitag die entsprechende Industrieproduktion an. Für die gesamte Eurozone erscheinen am Montag der Arbeitsmarktbericht für Februar und die Inflationszahlen für März, bevor am Mittwoch die Einzelhandelsumsätze für Februar folgen.

In den USA werden am Montag Einzelhandelsumsätze und der wichtige "ISM“-Einkaufsmanagerstimmungsbericht für die Industrie publiziert, der am Mittwoch auch für den Dienstleistungssektor ansteht. Dazwischen kommen am Dienstag die Februar-Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter und am Freitag das amerikanische Highlight der Woche: der Arbeitsmarktbericht für März.

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Anhaltend robuster US-Arbeitsmarkt erwartet

"Nachdem im Februar nur ein mageres Stellenplus verzeichnet wurde, rechnen wir für März wieder mit einer stärkeren Zunahme der Beschäftigung", schrieben Michael Holstein und Christian Kahler von der DZ Bank. Die Commerzbank erwartet 185.000 neu geschaffene Stellen. Einen Vorgeschmack auf die offiziellen Zahlen liefern die Daten der privaten Arbeitsagentur ADP am Mittwoch.

Menschen gehen mit Einkaufstüten über eine amerikanische Flagge

Der private Konsum ist eine Hauptstütze der US-Konjunktur. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Trotz eines robusten US-Arbeitsmarktes prognostiziert ihr Kollege Stefan Bielmeier von der DZ Bank, "dass die Aktien-Rally nicht einfach weitergehen wird". Der fulminante Jahresbeginn sei vor allem eine Reaktion auf den herben Kurseinbruch im zweiten Halbjahr 2018 gewesen. Aufwärtsimpulse für den Dax könnten ein "positiver" Ausgang des Brexit setzen und auch ein guter Abschluss der Handelsgespräche zwischen den USA und China.

Konsumfreudige Haushalte in den USA

Am Freitag verweigerte das Parlament in London allerdings dem von Premierministerin Theresa May und Brüssel ausgehandelten Austrittsvertrag erneut die Zustimmung. Bessere Chancen für den Dow als für den Dax machte Mark Dowding von BlueBay Asset Management aus: Angesichts der jüngsten Flucht von Anlegern in sichere US-Staatsanleihen sprach der Stratege gar von "irrationaler Rezessionshysterie".

Denn im Gegensatz zur exportlastigen deutschen Wirtschaft ruhe das Wachstum in den USA vor allem auf dem privaten Konsum. Hier seien die Vorgaben aber ungebrochen gut: Die Beschäftigung nehme weiter stark zu, die Löhne stiegen, gleichzeitig sänken die Steuern. "Die Privathaushalte weisen so stabile Finanzen auf wie seit zwölf Jahren nicht mehr", sagte der Stratege.

Sorgenkinder Wirecard und Bayer

Aus den Unternehmen sind in der kommenden Woche keine impulsgebenden Nachrichten zu erwarten. Allerdings erwarten Experten, dass die für ein Dax-Mitglied beschämende Schlammschlacht zwischen dem Zahlungsabwickler Wirecard und der Financial Times weitergeht. Weitaus verheerender ist jedoch das Drama um den Chemie- und Pharmakonzern Bayer und dessen Tochter Monsanto. Weil dessen Unkrautvernichter Glyphosat unter Verdacht steht, Krebs zu erzeugen, ist die Bayer-Aktie auf Talfahrt gegangen. Gemessen an der Marktkapitalisierung, ist Bayer mittlerweile weniger wert als die 56 Milliarden Euro, die der Konzern 2018 für Monsanto auf den Tisch gelegt hat.

lg

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