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Seit fünf Jahren an der Börse Alibaba: Eine chinesische Erfolgsgeschichte

Stand: 18.09.2019, 14:30 Uhr

Nie zuvor hatten sich die Anleger an der New Yorker Börse um neue Aktien so gerissen wie um die des chinesischen Onlinehändlers Alibaba. Am Ende stand der bis dahin größte Börsengang der Geschichte. Ein nachhaltiger Erfolg?

Anleger, die den Mut hatten, bereits am Tag der Erstnotiz, dem 18. September 2014, zuzugreifen, können sich heute über eine satte Rendite von 90 Prozent freuen - mehr als jedes deutsche Sparbuch in so kurzer Zeit abgeworfen hat. Bereits in den ersten Stunden des ersten Handelstages war allen Beteiligten klar, dass es sich um einen Börsengang der Superlative handeln würde.

Makler und Banken wurden derart von Kaufaufträgen überrannt, dass Firmengründer Jack Ma zwei Stunden warten musste, bis ein erster Preis für die Aktie erstellt werden konnte. Er lag bei 92,70 Dollar - ein Aufschlag von gut 36 Prozent gegenüber dem Ausgabepreis von 68 Dollar. Zeitweise kletterte die Aktie am ersten Handelstag fast bis auf 100 Dollar, schließlich ging sie bei 93,89 Dollar aus dem Handel.

Reichster Mann des Landes

Dass Jack Ma einmal das größte börsennotierte Unternehmen Chinas (Marktwert 463 Milliarden Dollar) schmieden und es mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 38 Milliarden Dollar zu einem der reichsten Männer des Landes bringen würde, war noch vor zwei Jahrzehnten nicht einmal zu erahnen.

Nicht nur, dass Ma mit einer Bewerbung als Verkäufer bei der Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken scheiterte. Er brauchte auch mehrere Anläufe für die Uni-Aufnahmeprüfungen, bis es endlich mit dem Englisch-Studium in seiner Heimatstadt Hangzhou klappte. Erst 1995, als ihn ein Job als Übersetzer erstmals in die USA führte, lernte er das Internet kennen.

Alibaba-Chef Jack Ma

Alibaba-Chef Jack Ma. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Rally ins Stocken geraten

Ein halbes Jahr später war seine erste Website in China online. Das Verzeichnis, in dem sich chinesische Unternehmen suchen lassen konnten, wurde allerdings ein Flop. Erst seine zweite Idee zündete: Ausgestattet mit 60.000 Dollar von Freunden gründete Ma 1999 Alibaba - in seinem Wohnzimmer. Inzwischen hat Alibaba 674 Millionen aktive Nutzer.

Trotzdem ist die Rally der Alibaba-Aktie zuletzt ins Stocken geraten. Nach einem Rekordhoch von 210 Dollar im vergangenen Jahr haben der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie das verlangsamte Wachstum der chinesischen Wirtschaft für etwas Ernüchterung gesorgt. Die Aktie ist auf 180 Dollar zurückgefallen.

Zweistelliges Wachstum

Dabei zeigt ein Blick auf die jüngsten Quartalszahlen, dass die Erfolgsgeschichte von Alibaba noch lange nicht beendet ist. Im Gegenteil: Der Internetriese hat im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres (April bis Juni) seinen Gewinn mehr als verdoppelt auf umgerechnet 2,7 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte um 42 Prozent auf 14,7 Milliarden Euro. Zudem stieg die Zahl der aktiven Nutzer der Plattform auf 674 Millionen, die meisten davon in China.

Experten zufolge hat der chinesische Markt für Online-Handel seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Zweistellige Wachstumszahlen dürften also besonders für den Marktführer Alibaba noch eine Weile andauern.

Allerdings weckt der chinesische Markt nach wie vor Begehrlichkeiten, vor allem für heimische Wettbewerber wie die ebenfalls aus China stammende Firma JD.com. Gängigen Prognosen zufolge dürfte der Online-Handel in China bis zum Jahr 2023 die Marke von vier Billionen Dollar knacken. Alibaba muss also darauf achten, seine Stellung als Marktführer zu behaupten.

Expansion ins Ausland

Gleichzeitig will der neue Konzernchef Daniel Zhang den Umsatz von Alibaba außerhalb Chinas verdoppeln. Zwar hat das Management seit 2014 bereits zehn Milliarden Dollar in die Auslandsexpansion gesteckt, doch mit eher mäßigem Erfolg. Den allermeisten Umsatz macht das Unternehmen immer noch in China.

Nun hat Alibaba seine Strategie geändert. Dabei setzt das Management - man sehe und staune - auf den stationären Einzelhandel. Das soll die Bekanntheit erhöhen und den Kunden Produkte zum Anfassen bieten. Als Einfallstor für Europa haben sich die Chinesen Spanien ausgesucht. Ob sich diese Strategie auch auf steigende Umsätze im Online-Handel auswirken wird, bleibt abzuwarten. Alibaba müht sich jedenfalls nach Kräften, auch in Europa stärker Fuß zu fassen und den hiesigen Platzhirschen, allen voran Amazon, Paroli zu bieten.

lg