Misslungene IPOs

Die Börsengänge der Verlustbringer Alarmsignal vom IPO-Markt?

Stand: 13.05.2019, 13:21 Uhr

Der IPO-Markt in den USA boomt wie seit der Dotcom-Blase nicht mehr. Allerdings wagen immer mehr Unternehmen den Sprung an die Börse, die noch keinen Cent verdient haben. Das könnte ein schlechtes Zeichen für den Gesamtmarkt sein.

Lyft, Pinterest, in der vergangenen Woche Uber: Ständig wagt sich ein neues Unternehmen an den Markt, um für den Börsengang die gute Stimmung mitzunehmen und die damit einhergehenden hohen Bewertungen zu verpassen. Profitabel sind die meisten von ihnen nicht.

Im Jahr 2018 haben mehr als 80 Prozent der Unternehmen, die in den USA an die Börse gegangen sind, noch keinen müden Cent verdient, wie Daten des US-Wissenschaftlers Jay D. Ritter von der Universität Florida ergeben. Zur Zeit der Dotcom-Blase waren es 81 Prozent.

Prozentsatz von IPOs von Unternehmen, die noch nichts verdienen, 1996 bis 2018

Prozentsatz von IPOs von Unternehmen, die noch nichts verdienen. | Bildquelle: Prof. Jay R. Ritter, University of Florida, Grafik: boerse.ARD.de

Irrationale Übertreibung als Krisensignal?

Das spricht zumindest für eine gewisse Sorglosigkeit der Investoren. Und wenn die Eigner von unrentablen Unternehmen gleich scharenweise an die Börse streben, dann könnte das auch ein Warnsignal sein für „irrational exuberance“, also für irrationale Übertreibung.

Zumindest eines hat der US-Finanzprofessor Ritter festgestellt: Auf lange Sicht ist die Aktienperformance der Verlustunternehmen schwächer als die von Unternehmen, die schon profitabel an die Börse gehen, berichtete er dem US-Sender CNBC: Die durchschnittliche Rendite am ersten Börsentag sei zwar ungefähr identisch. Auf Sicht von drei Jahren schlügen profitable Unternehmen die unprofitablen aber um sechs Prozent pro Jahr. Ritters Studien umfassen den Zeitraum von 2001 bis 2016.

Erst wachsen, dann gewinnen

In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Verlustbringer seit einem Tiefpunkt im Jahr 2009 zur Zeit der Finanzkrise tatsächlich wieder auf das aktuelle Rekordniveau gestiegen. Das hängt mit der derzeit herrschenden Wall-Street-Doktrin zusammen, die Wachstum für wichtiger als Profitabilität hält, „Blitzscaling“ genannt. Die Investoren, die viele Milliarden in Start-ups stecken, sehen vor allem das Potential, das sich durch starke Wachstumszahlen dokumentiert.

„Sei ängstlich, wenn die anderen gierig sind“, rät die Investorenlegende Warren Buffett. Zumindest beim Uber-IPO scheinen viele Anleger den Rat zu beherzigen. Auch die Entwicklung der Lyft-Aktie zeigt, dass der Markt vorsichtiger geworden ist.

Warren Buffett

Warren Buffett. | Bildquelle: picture alliance / AP Images, Montage: boerse.ARD.de

Allein der Anteil an Börsengängen unprofitabler Unternehmen ist gewiss kein verlässlicher Indikator für einen drohenden Abschwung an den Börsen. Aber die Anleger sollten zumindest im Blick behalten, dass einige globale Konjunkturindikatoren tendenziell gemischt ausfallen, dass wir geopolitische Spannungen aller Art erleben und dass wir an den Börsen derzeit die längste Hausse der Geschichte feiern. Irgendwann wird auch diese Party einmal zu Ende sein.      

ts